Reichenhaller Wirt wegen Messerattacke auf Gäste schuldig

Urteil: Messerstich in Hals kein versuchter Totschlag

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Traunstein/Bad Reichenhall - Von einem "gezielten Stich in den Hals" berichtete ein Zeuge - ein Wirt aus Bad Reichenhall wurde nun vor dem Landgericht schuldig gesprochen, weil er Gäste mit dem Messer attackierte.

Update 12.20 Uhr: Das Urteil

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs verkündet das Urteil: Der Angeklagte Wirt muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Aber: Des versuchten Totschlags ist er nicht schuldig, sondern "nur" wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung. "Mit dem Stich wollte er Angeklagte das Opfer nur verletzen und nicht töten", so Richter Fuchs: "Aber was der Anlass für diese Attacke war, wissen wir letztendlich nicht." Trotzdem sei es nur Zufall gewesen, dass der Messerstich in den Hals nicht tödlich endete. 

Die Version des Angeklagten, dass er angegriffen worden sei und sich lediglich gewehrt habe, sei durch die Zeugenaussagen aber widerlegt worden, so das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Verteidigung und Staatsanwaltschaft können binnen einer Woche in Revision gehen.

Update, 10.57 Uhr: Plädoyer des Staatsanwalts

"Bei einem solchen Stich in den Hals muss man immer mit dem Ableben rechnen", beginnt Staatsanwalt Pfeiffer sein Plädoyer - er sieht die Anklage bestätigt und ist der Meinung: Versuchter Totschlag. "Das Gefährdungspotenzial war immens. Es ist reiner Zufall, dass die Folgen so glimpflich waren." Für eine Notwehr gebe es keine Anhaltspunkte, auch wenn es zuvor zu einer Rauferei kam.

Die Gäste hätten den Angeklagten nicht mal provoziert, es habe vor Gericht weder ein Geständnis, noch Einsicht gegeben. Wegen der starken Alkoholisierung sei der Angeklagte aber vermindert steuerungsfähig gewesen. Wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung fordert die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten.

Plädoyer der Verteidigung: 

"Ganz so einfach sehe ich es nicht", beginnt Anwalt Harald Baumgärtl. Er halte es durchaus als möglich, dass das spätere Opfer den Streit und die Auseinandersetzung begonnen habe - schließlich habe der Wirt mit seiner damaligen Freundin noch getanzt: "Es war nicht so, dass mein Mandant einfach zugestochen hat."

Es handle sich nicht um versuchten Totschlag, ein Tötungsvorsatz und ein Tötungsmotiv habe nicht bestanden - aber auch von Notwehr könne nicht die Rede sein. "Trotzdem war der Messerstich nicht so heftig und vor allem nicht gezielt zum Hals", so der Verteidiger. Er plädiert auf eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, ausgesetzt zur Bewährung - schließlich habe sein Mandant eine positive Sozialprognose und sei nicht vorbestraft.

Das Urteil wird gegen Mittag erwartet.

Update, 10.03 Uhr: "Geschockt, wie sich der Wirt aufführte"

So schlagfertig und selbstbewusst wie sich der angeklagte Italiener am ersten Prozesstag verteidigte, so ruhig und abwartend sitzt er jetzt auf der Anklagebank. Heute wird ein Urteil gegen ihn gefällt - doch auch die letzte Zeugenaussage in diesem Prozess spricht klar gegen ihn.

"Wir waren geschockt, wie sich der Wirt aufführte", so eine der Aussagen einer 45-Jährigen, die als Gast ebenfalls Zeugin der Tat in dem Lokal wurde. Sie lebt im Ausland, konnte nicht zur Vernehmung kommen, doch das Gericht verliest ihre Zeugenaussage bei der Polizei. Schon beim Hineingehen ins Lokal habe der Wirt zu ihr gesagt, dass er ihre beiden Begleiter nicht leiden könne.

Trotzdem: Der Wirt soll den Gästen mehrere Getränke ausgegeben und sich mit ihnen an einen Tisch gesetzt haben. "Schon bevor es überhaupt zum Streit kam, hat er meinen Bekannten als Spion bezeichnet - das war dann der Auslöser", so die Zeugin. Dann sei alles schnell gegangen: "Plötzlich kam der Wirt hinter der Theke hervor und ging auf meinen Bekannten zu. Es gab eine Rangelei und Schläge. Ich hab' noch versucht, den Wirt zu beruhigen" - dann soll er zum Messer gegriffen und wie aus dem Nichts zugestochen haben.

"Das Hemd von meinem Bekannten war völlig blutgetränkt. Wie gelähmt, ganz langsam, ist er dann aus dem Lokal hinausgegangen", so die Zeugin weiter. Auch sie war an dem Abend nicht nüchtern, doch im Wesentlichen decken sich ihre Aussagen mit denen der anderen Zeugen.

Nun werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehalten. Man darf vor allem gespannt sein, wie Anwalt Harald Baumgärtl argumentieren wird - denn sein Mandant schilderte die Nacht völlig anders: er behauptete, von den drei Gästen angegriffen und geschlagen worden zu sein, habe sich schließlich nur gewehrt.

Vorbericht

Man trank und feierte zusammen und obwohl die letzten Gäste noch da waren, legte er sich in seinem Bad Reichenhaller Lokal schlafen - als der 54-jährige Wirt dann wach wurde, sollen sich an diesem 28. Mai 2017 üble Szenen abgespielt haben: Er soll einen Gast als Spion beschimpft und dann blitzschnell zum Messer gegriffen haben - "es war ein gezielter Stich in den Hals", so ein Zeuge am ersten Prozesstag

Nur einer der Tatzeugen war nüchtern

Am Freitag um 9 Uhr wird der Prozess am Landgericht um versuchten Totschlag gegen den 54-jährigen Italiener fortgesetzt. 2,4 Promille wurden bei ihm nach dem dramatischen Zwischenfall gemessen - doch auch das Opfer war alkoholisiert: Der junge Mann, der die Attacke recht gut überstand, kann sich nur noch an den Stich, aber nicht mehr an ein Messer erinnern. Doch das Gericht hat das vermutete Tatwerkzeug vorliegen: Spuren des Angeklagten und des Opfers finden sich darauf, die zwölf Zentimeter lange Klinge ist arg verbogen.

Doch genau jener Zeuge, der von dem "gezielten Stich" sprach, war der einzige nüchterne Zeuge der Tat - ihm wird das Gericht wohl am meisten Glauben schenken. Der Wirt selbst tischte dem Vorsitzenden Richter Erich Fuchs dagegen eine ganze andere Geschichte auf: Die Gäste hätten ihn zu Boden gebracht, ihn ausrauben wollen und ihn mit Schlägen und Tritten traktiert. "Ich bringe Dich um", soll einer der Gäste dabei gerufen haben - Neid und Missgunst, weil sein Lokal gut lief, vermutet der Wirt als Hintergrund. 

Eine wichtige Zeugin, Plädoyers und das Urteil

Zwei der drei Gäste, die im Lokal waren, wurden am Dienstag schon als Zeugen vernommen - eine Frau, die ebenfalls mit dabei war und mit der der Wirt noch getanzt hat, soll am Freitag noch gehört werden. Außerdem halten Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers, danach folgt das Urteil. Der 54-Jährige ist wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

BGLand24.de wird aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht berichten.

xe

Rubriklistenbild: © Fotomontage dpa

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