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Prozess gegen „falschen Impfarzt“ Stefan H.

Leiter gibt exklusive Einblicke: Anfangs „massive Störungen“ gegen Rosenheimer Impfzentrum

Der Angeklagte, der in Rosenheim als „falscher Impfarzt“ arbeitete vor dem Landgericht in Traunstein. Links im Bild Verteidigerin Carolin Arnemann.
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Der Angeklagte, der in Rosenheim als „falscher Impfarzt“ arbeitete, vor dem Landgericht in Traunstein. Links im Bild Verteidigerin Carolin Arnemann.

Rosenheim/Traunstein – Im Prozess gegen den „falschen Rosenheimer Impfarzt“ Stefan H. war man schon kurz vor den Plädoyers – dann forderten die Verteidiger weitere Zeugen. Unter anderem der Leiter des Impfzentrums soll heute aussagen.

Update, 12.20 Uhr - Leiter gibt exklusive Einblicke: Anfangs „massive Störungen“ gegen Rosenheimer Impfzentrum

Im Mittelpunkt steht heute die Zeugenaussage des Leiters des Rosenheimer Impfzentrums. Hier arbeitete der Angeklagte im Februar und März vorigen Jahres. Es wird bekannt: Keine zwei Wochen nachdem Stefan H. im Impfzentrum begonnen hatte, gab es schon die ersten Hinweise, dass er gar kein richtiger Arzt ist.

„Stefan H. kam plötzlich mit einem handgeschriebenen Zettel auf mich zu, den er erhalten hätte“, so der Leiter des Impfzentrums. Darauf stand: „Herr H. ist kein Arzt“. Aber der Angeklagte sei in die Offensive gegangen. Es gäbe einen Stalker und er kenne solche Zettel schon. „Haben sie darauf reagiert?“, fragt Richterin Aßbichler den Zeugen - der schüttelt den Kopf und gibt Einblicke, wie es anfangs im Rosenheimer Impfzentrum zuging.

Es habe anfangs „massive Störungen“ aus der Bevölkerung gegen das Impfzentrum gegeben, so der Leiter: lockere Radschrauben an Autos, Einbruchsversuche, Schmierereien, Menschen, die vor allem zum Diskutieren kamen. „Auch Hausärzte feindeten das Impfzentrum an“, so der Zeuge. Deshalb sei ein Zettel, wie er über Stefan H. auftauchte, „nichts Ungewöhnliches. Ich dachte, da will uns mal wieder jemand in Misskredit bringen. Ich habe dem Angeklagten die Geschichte mit dem Stalker geglaubt.“

Am 13. Februar bekam das Impfzentrum dann aber auch E-Mails, in denen an der „Echtheit“ von Stefan H. gezweifelt wurde. Der Leiter des Impfzentrums wandte sich an die Bayerische Landesärztekammer und an die Regierung von Oberbayern - doch wegen des Datenschutzes habe man kaum Auskunft bekommen. Als der Druck immer größer wurde, habe der Angeklagte Mitte März dann von sich aus gekündigt und das Impfzentrum wandte sich mit einer Anzeige an die Polizei.

Doch der Leiter des Impfzentrums betont auch: „Es gab gegen ihn keine Beschwerden. Weder von Ärzten, noch von Assistenten, noch von Impflingen.“ Viele hätten ihn für die gute Beratung sogar gelobt. 100 Euro Stundenlohn bekam ein Impfarzt, der übers Impfzentrum angestellt war. Wie der Zeuge sagt, hätten Impfärzte, die über die Kassenärztliche Vereinigung angestellt waren, sogar 140 Euro pro Stunde erhalten. Helfendes Fachpersonal wurden mit 27 Euro pro Stunde entlohnt, Verwaltungskräfte mit 13 Euro.

Außerdem ging es noch um einen weiteren Antrag der Verteidigung: Sie wollten 955 Impflinge in den Zeugenstand berufen, die mit dem Angeklagten zu tun hatten. Doch der Antrag wird vom Gericht abgelehnt. Damit könnten am nächsten Prozesstag, kommende Woche am Donnerstag (12. Mai), die Plädoyers in dem Prozess gehalten werden. 

Die Erstmeldung:

Der Prozess gegen den „falschen Rosenheimer Impfarzt“ geht am Donnerstag (4. Mai) in den achten Verhandlungstag. Auf Antrag der Verteidiger von Stefan H. werden zwei weitere Zeugen gehört: Der Leiter des Rosenheimer Impfzentrums und ein Arzt, der dort ebenfalls tätig war. Denn der Leiter habe laut den Anwälten schon sechs Wochen vor der Inhaftierung des Angeklagten Hinweise zur Rolle von Stefan H. bekommen – trotzdem konnte der Angeklagte weiterimpfen.

Die Verteidiger stellten zuletzt außerdem einen Antrag, 955 Corona-Geimpfte in den Zeugenstand zu holen. Denn sie hätten wohl kein Problem damit gehabt, dass Stefan H. gar kein richtiger Arzt ist. Darüber hat das Landgericht unter Vorsitz von Jacqueline Aßbichler noch nicht entschieden. Vorsichtshalber hat das Gericht bereits weitere Verhandlungstermine bis Juli festgelegt - ob sie gebraucht werden, steht freilich noch in den Sternen.

Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“ Stefan H. am Landgericht Traunstein

Stefan H. aus dem Landkreis München arbeitete im Februar und März 2020 als Impfarzt in und um Rosenheim. Genommen wurde er nur, weil er Urkunden fälschte und sich so als Arzt ausgab. Das hat er bereits gestanden. Er selbst sagt, er tat es aus Nächstenliebe, die Anklage behauptet, er brauchte dringend Geld. H. war eigentlich „nur“ Theologe und war zuletzt händeringend auf der Suche nach Jobs, außerdem plagten ihn Mietschulden.

Rund 20.000 Euro wären dem Angeklagten, der sowohl im Impfzentrum in Rosenheim als auch in einer Reihe von Pflegeheimen im Landkreis Rosenheim aktiv war, theoretisch zugestanden. Der Stundenlohn eines Impfarztes beträgt 100 Euro. Laut psychiatrischem Gutachter wollte er mit der Arbeit als Impfarzt vor allem sein geringes Selbstwertgefühl aufpolieren. Angeklagt ist der Mann wegen 1450 Fällen von Körperverletzung, Urkundenfälschung, gewerbsmäßigen Betrugs, Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. 

Bei mindestens 306 Personen habe er die Spritze selbst gesetzt, bei 1144 Personen habe er nur Leitung und Aufsicht inne gehabt. Einen Schaden trug jedoch niemand davon. Mehrere seiner Assistenten wurden bereits skeptisch angesichts seiner Wissenslücken. Ein Arzt, der sich von Stefan H. impfen ließ, brachte den Stein dann ins Rollen. Der Prozess am Landgericht Traunstein beginnt am Donnerstag um 9 Uhr. rosenheim24.de wird aktuell berichten.

xe

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