50-jähriger Rosenheimer verurteilt

Urteil: Brandstiftung in ISK Wasserburg war 28-facher versuchter Mord

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Der Täter des Brandanschlags am ISK stellte sich.

Wasserburg - Dramatische Szenen haben sich am 17. November 2019 im kbo Inn-Salzach-Klinikum abgespielt. Ein Rosenheimer (50) soll einen Pfleger mit Brandbeschleuniger übergossen und anschließend Feuer gelegt haben. Er muss sich nun unter anderem wegen versuchten Mordes in 28 Fällen vor dem Landgericht Traunstein verantworten.

Update, 15.30 Uhr - Urteil gefallen

Erich Fuchs verkündet für das Traunsteiner Landgericht das Urteil: Der 50-jährige Rosenheimer muss in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Der Angeklagte leidet an einer paranoiden Schizophrenie. Der Straftatbestand lautet: versuchter Mord in 28 Fällen und eine gefährliche Körperverletzung.


"Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass der Angeklagte nur drauf gewartet hat, dass die Führungsaufsicht (im Sommer 2019, Anm.) beendet wurde und er keine Medikamente mehr nehmen musste", so Fuchs. Er habe danach wieder Alkohol getrunken, die "Stimmen" seien zurückgekehrt und schritt am 17. November 2019 schließlich zur Tat. Er verschüttete im Inn-Salzach-Klinikum Benzin und entzündete es. Auch ein Angestellter wurde von ihm mit Benzin übergossen, er konnte sich aber in Sicherheit bringen.

26 Patienten und zwei Pfleger befanden sich während des Brandes auf der Station, neun wurden verletzt. Ein Pfleger konnte in den zwei Wochen nach der Tat nicht sehen, weil das Benzin in seine Augen gelangte. "Der Angeklagte nahm billigend in Kauf, dass die Patienten zu Tode kommen könnten", so das Gericht in der Urteilsbegründung. Der vorsitzende Richter Fuchs spricht von einem bedingten Tötungsvorsatz. Am Gebäude entstand ein Schaden in Höhe von weit über 100.000 Euro.


Update, 15 Uhr - Angeklagter hörte wohl Stimmen

Nun soll ein psychiatrischer Sachverständiger dem Gericht eine Einschätzung liefern, mit wem man es zu tun hat. Auch der Gutachter bestätigt, dass es "Stimmen" waren, die dem Angeklagten befohlen hätten, "die Station zu zerstören". Der Rosenheimer brauche auch weiterhin eine stationäre Behandlung und wohl lebenslang Medikamente.

Die Medikamente scheinen eine entscheidende Rolle beim 50-Jährigen zu spielen. Im Sommer 2019 setzte er sie eigenmächtig ab, er fühlte sich gesund. Doch dann seien die Stimmen zurückgekehrt und bewegten ihn zu der Tat im November.

In den Plädoyers stützten auch Staatsanwalt, Nebenklage und Verteidiger Harald Baron von Koskull die Annahme des Sachverständigen, den Angeklagten in einer psychiatrischen Anstalt zu belassen.

Nun fehlt nur noch das Urteil des Landgerichts.

Update, 13.07 Uhr - Rosenheimer wollte Klinikum schon einmal anzünden

Der 50-jährige Angeklagte aus Rosenheim, der nun wegen 28-fachen Mordversuchs vor dem Landgericht Traunstein steht, hat eine ähnliche Tat schon einmal begangen. Das wurde nun vor Gericht bekannt. Schon 2008 stand er mit einem Kanister vor dem Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg und überschüttete eine öffnende Angestellte mit Benzin. Auch auf dem Boden verteilte er die Flüssigkeit. Zum Entzünden kam der Rosenheimer nicht mehr, Zündhölzer hätte er aber dabei gehabt.

Verurteilt wurde er damals wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Sieben weitere Jahre Unterbringung handelte er sich damit ein. Auch schon damals litt er unter einer paranoiden Schizophrenie, Stimmen befahlen ihm die Station anzuzünden. Schon seit dem Jahr 2000 war der 50-Jährige wegen psychischer Erkrankungen immer wieder Patient in Wasserburg.

Bis Sommer 2019 stand er wegen seiner psychischen Erkrankung noch unter Führungsaufsicht, setzte dann aber seine vorgeschriebenen Medikamente wieder ab. Es sei ihm nach eigenen Angaben gut gegangen, doch dann habe sich "der Herr" wieder gemeldet. In der Folge kam es zur nächsten, weit schlimmeren Tat, die ihm nun vorgeworfen wird.

Der "Herr" und "vier Engel" hätten ihm den Auftrag erteilt, das Haus 50a des Inn-Salzach-Klinikums anzuzünden. Bei 20 bis 30 "Heimsuchungen" hätten die "Engel" ihm den Befehl gegeben. Am 17. November 2019 fuhr er nachts mit dem Auto und einem Benzinkanister zum Wasserburger Klinikum und klingelte am Eingang einer geschlossenen Station.

"Jetzt seid Ihr dran! Jetzt zünde ich Euch an!", soll der Rosenheimer gerufen haben. Er überschüttete einen Pfleger mit Benzin, der daraufhin die Flucht ergreifen konnte. Den Rest des Kanisters verteilte er im Hausgang und entzündete das Benzin. Das Feuer war heftig, aber kurz. Auf der geschlossenen Station befanden sich zu dem Zeitpunkt darüber hinaus 26 Patienten, die überwiegend schliefen. Daher der Vorwurf des - insgesamt - 28-fachen Mordversuchs. Sieben Patienten und zwei Pfleger wurden durch die Rauchentwicklung verletzt. Der 50-Jährige flüchtete damals und stellte sich dann selbst der Polizei.

Mit einem Urteil wird noch am heutigen Dienstag gerechnet.

Vorbericht:

Am 17. November 2019 wurde in den Morgenstunden ein Brandanschlag im Wasserburger KBO-Inn-Salzach-Klinikum im Ortsteil Gabersee verübt. Der mutmaßliche Täter hat sich einige Tage nach der Tat der Polizei gestellt. Nun muss sich der 50-Jährige am Dienstag, 5. Mai, 9 Uhr vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Die Anklageschrift hat es in sich. Ihm wird unter anderem versuchter Mord in 28 Fällen vorgeworfen. 

Wie die Polizei damals mitteilte, soll sich der Mann gegen 1.25 Uhr Zutritt zur Klinik verschafft und einen Pfleger mit Benzin übergossen haben. Anschließend soll er Feuer im Flur der Station gelegt haben. Der Pfleger konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen, während der Täter Benzin, das er im Flur verschüttet hatte, anzündete. Es kam dabei zu einer Verpuffung. Der entstandene Brand wurde vom anwesenden Personal gelöscht, doch in der Zwischenzeit suchte der Täter das Weite.

Auf Befehl der "Engel"

Sein Beweggrund für die Tat soll gewesen sein, dass er wahnhaft Engelsstimmen wahrgenommen habe, die ihm die Tat befohlen hätten und er sich starkem Zwang ausgesetzt gefühlt habe. Der Beschuldigte soll wegen einer psychischen Erkrankung zum Tatzeitpunkt nicht in der Lage gewesen sein, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht gehandelt haben. Bei einer Verurteilung, droht dem Mann die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Polizei hatte den Tatverdächtigen damals bereits auf dem Radar. Er ist bis zur Verhandlung in einer Fachklinik untergebracht worden. 

Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, zeigte sich gegnüber wasserburg24.de kurz nach der Tat erschüttert von dem Anschlag, der für ihn an "Brutalität kaum zu überbieten" sei. 

Der Brand konnte damals vom Personal glücklicherweise schnell gelöscht werden, die insgesamt 26 Patienten der überfallenen und der banchbarten Station wurden evakuiert. Die Brandschäden waren so beträchtlich, dass die Station für zwei Wochen wegen Renovierungsarbeiten geschlossen werden musste.

jb

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