Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wildtier-Kenner Christian Blas aus Traunstein

Warum ein Abschuss kontraproduktiv und ein ganzes Wolfsrudel das beste für alle wäre

Hersfeld-Rotenburg: Schutz vor dem Wolf: Nabu fordert mehr Geld für kleine Betriebe
+
Die Wolfspopulation steigt: Die Wölfin „GW1409f“ wurde seit über einem halben Jahr genetisch nachgewiesen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Dieses Symbolbild entstand im Tierpark Knüll.

Darf der Chiemgau-Wolf abgeschossen werden? Noch ist nicht endgültig entschieden. Der Traunsteiner Christian Blas („Allianz für Wildtiere“) warnt davor: Eine „Entnahme“ könnte sich gar kontraproduktiv auswirken - würde dagegen ein ganzes Wolfsrudel bei uns heimisch, wäre das sogar für die Landwirte von Vorteil.

Traunstein - Mal werden Wolfsrisse und -sichtungen in den Voralpen zwischen Inn und Salzach mehr, dann wieder weniger - aber in einem Punkt ist sich Christian Blas sicher: Dauerhaft ansiedeln wird sich der Wolf bei uns nicht. „Alle Wölfe bei uns in den letzten 25 Jahren waren wahrscheinlich nur ‚Durchzieher‘, die aus Tirol oder dem Salzburger Land gekommen sind und sich nur mal außerhalb ihres Reviers umschauen. Und so wird es wohl auch bleiben“, so Blas, Vorstand der „Allianz für Wildtiere“, im Gespräch mit chiemgau24.de. Denn bei uns sei die Dichte an Wildtieren viel geringer als in Österreich.

Rudel wäre „Stabilitätsfaktor“ im Verhalten der Wölfe

Blas beschäftigt sich seit vielen Jahren nicht nur mit dem Verhalten der Wölfe, sondern auch mit deren „Leibspeise“, den Wildtieren. Und weil es die in Österreichs Bergen viel häufiger gäbe, findet der Wolf bei uns nicht die besten Lebensgrundlagen. Der Traunsteiner wünscht sich mehr Vernunft in der momentanen Debatte. Ein Abschuss des Wolfs, wie von der Regierung von Oberbayern beschlossen und vom Verwaltungsgericht zurückgenommen, sei eine „Scheinlösung der Politik, die ins Nirwana führen kann“. Durch eine Tötung würde man sich nur „ungeordneten Nachzug“ schaffen.

In den Augen von Christian Blas wäre ein von vielen befürchtetes, angestammtes Wolfsrudel im Chiemgau sogar die beste Lösung für alle, einschließlich der Almbauern und Schafhalter. „Eine Rudelbildung wäre ein Stabilitätsfaktor. Auffällig werden vor allem einzelne Wölfe, junge Ausbüxer, die umherstreifen, wie zum Beispiel in Bergen. Mit einem Rudel in der Region käme sowas kaum noch vor.“ Gäbe es dann nicht noch mehr Risse? Nein, ist sich Blas sicher. Denn Wölfe suchen sich ihre Beute vor allem unter Wildtieren und Aas sei ihnen noch lieber, als die Beute zu jagen und zu reißen.

Sollte also eine Gruppe Schafe wieder einmal Opfer einer Wolfsattacke werden, rät Christian Blas dazu, die toten Tiere einfach liegen zu lassen. „Dringt ein Wolf in eine Herde, tötet er wegen der Fluchtreaktion der Schafe erstmal alles, was er erwischt, obwohl er gar nicht so viel Hunger hat.“ Die weiteren toten Tiere seien „Vorrat“, um in den nächsten Tagen zurückzukommen und an den anderen erlegten Schafen zu fressen. Auch über solch unkonventionelle Tipps solle man sich Gedanken machen, denn man müsse sich darauf einstellen, immer wieder mit Wölfen leben zu müssen - Abschuss hin oder her.

Wolf gefährlich für den Menschen? Nur beim Anfüttern oder Weglaufen

Blas bietet Landwirten, Almbauern oder Schafhaltern auch gerne seine Expertise an. Zur Prävention empfiehlt er moderne, mobile Zäune. Den „zaunüberspringenden“ Wolf hält er für eine Mär: „Sie versuchen wenn dann, sich unten durchzugraben. Und bei einer Stromführung wird der Wolf einen Schlag auf die Schnauze bekommen und abhauen.“ Genauso helfe es, als Tierhalter öfter bei der Herde zu sein und dadurch „Duftspuren“ zu setzen. „Der Wolf riecht das und wird Abstand halten“, so Christian Blas. „Oder bei einem Fall in Reit im Winkl war beispielsweise ein Abwasserrohr das Problem, durch das der Wolf gekrochen und so zur Herde gekommen ist.“

Tipps, die einzuhalten sind, wenn man einem Wolf begegnet.

„Der Wolf ist keine Gefahr für den Menschen“, ist sich der Traunsteiner Blas außerdem sicher. Er sei zu scheu. „Der Wolf vergleicht Menschen mit zweibeinigen Tieren die er kennt, nämlich mit Bären - und vor denen hält er Abstand. Er schaut sich das vielleicht im Abstand von 50 Metern an, zieht dann aber weiter.“ Gefährlich werde es nur wenn der Mensch einen Fehler mache: Davonlaufen, weil beim Wolf dann der Beuteinstinkt geweckt werden könnte, sei der eine Fehler. Blas warnt außerdem davor, Wölfe anzufüttern. Dann könnten die Tiere uns Menschen dauerhaft mit Nahrung assoziieren.

xe