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Zweiter Tag im Töginger Mordprozess

Diskussion über Erbschaft noch am Todestag losgetreten

Vor dem Landgericht Traunstein beginnt der Prozess gegen zwei Tögingerinnen.
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Mutter und Tochter auf der Anklagebank: Sie sollen ihren Vater und Großvater vergiftet haben.

Traunstein/Töging – Ihnen wird vorgeworfen, gemeinsam ihren Vater und Großvater vergiftet zu haben: Mit einem tödlichen Medikamentencocktail sollen zwei Tögingerinnen einen 75-Jährigen vergiftet haben. Die Aussagen der beiden Angeklagten widersprechen sich aber in vielen Punkten. Der Vorsitzende Richter hat die Verhandlung am Donnerstagnachmittag unterbrochen. Weiter geht es am Freitag (16. September).

Update, 16.58 Uhr - Angeklagte haben mit Zeugin noch am Todestag über das Erbe diskutiert

Richter Volker Ziegler ruft den Schwager der Angeklagten K. in den Zeugenstand. Der Zeuge sagt aus, dass er die Familie in Töging nur zwei bis drei Mal im Jahr gesehen habe. Seine Ehefrau habe eine engere Beziehung zu ihrer Nichte, der Angeklagten S. als zu ihrer Schwester unterhalten. So habe auch er mitbekommen, dass deren Ehemann Probleme mit Alkohol hatte.

Bei der Beerdigung habe ihn sehr nachdenklich gemacht, wie versteinert seine Nichte war. Seine Schwägerin, die Angeklagte K. habe geweint. Der Zeuge habe auch mitbekommen, dass wohl gleich am Todestag über das Erbe geredet wurde. Dies hatte seine Frau vorher schon als Zeugin ausgesagt. Sie sei dabei von den beiden Angeklagten so bedrängt worden, dass sie nur noch in Ruhe gelassen werden wollte und fast schriftlich auf ihren Pflichtteil verzichtet hätte. 

„Sie hatte die Lippen fest aufeinander gepresst“

Über die Bitte um ein Gespräch seitens des Ehemannes seiner Nichte, habe er sich sehr gewundert, weil das noch nie vorher passiert wäre. Bei dem Gespräch habe der Mann seiner Nichte die Schwägerin beschuldigt, ihrem Vater Medikamente ins Essen gemischt zu haben. Daraufhin sei es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden gekommen und der Ehemann habe S. bedrängt, die Wahrheit zu sagen. „Sie hatte die Lippen fest aufeinander gepresst. Ihre Mutter hat ihr dann einen Blick zugeworfen, der für mich bedeutet hat, dass sie schweigen soll.“

Angeklagte K. soll Tat zugegeben haben „Ich hab nicht mehr können“

Der Zeuge und seine Frau hätten die Familie anschließend heim nach Töging gebracht und dann die Schwägerin besucht. Der Zeuge habe gesehen, wie seine Frau ihre Schwester in den Arm genommen und gefragt habe: „Warum hast du das getan?“ Seine Schwägerin sei daraufhin zusammengebrochen, habe geschluchzt und geantwortet: „Ich hab nicht mehr gekonnt

Von Gutachterin Dr. Susanne Lausch befragt, sagt der Zeuge aus, dass die Angeklagte K. auf ihren Vater einen großen Hass hatte. Angeklagte S. sei unnötig, recht unselbständig gewesen und habe sich stark von anderen Menschen abhängig gemacht. Gegenüber dem Verteidiger der Angeklagten S. sagt der Zeuge aus, dass der Verstorbene öfter mal einen „saloppen Spruch“ losgelassen habe, dass er nicht mehr möge. 

Der Vorsitzende Richter Volker Ziegler unterbricht die Verhandlung. Diese wird am morgigen Freitag (16. September) um 9 Uhr fortgesetzt.

+++ innsalzach24.de berichtet auch dann wieder live aus dem Gerichtssaal +++

Update, 15.23 Uhr - „Gesichtsausdruck war nicht so wie ich das kenne, wenn jemand natürlich gegangen ist“

Die beste Freundin des Verstorbenen sagt aus, dass sie einige Monate vor dem Tod nicht mehr zu Besuch gekommen sei, weil es Streit mit der Enkelin ihres Freundes und deren Mann gegeben hatte. Grund für den Streit sei ein Besuch von ihr gewesen, bei dem sie Essen für den Verstorbenen mitgebracht habe und dieser ihr gegenüber erwähnt habe, dass er nichts zum Essen bekäme, und „dass die oben nichts tun.“ Bei diesem Gespräch hätten die Enkelin oder ihr Ehemann an der Tür gelauscht, was dann zu der Auseinandersetzung geführt habe. Die Zeugin erwähnt, dass die Wohnung des 75-Jährigen zu dem Zeitpunkt in katastrophalem Zustand war, und er auch schon bei den Nachbarn um Essen gefragt habe.

„Die da oben müssen raus“

Mit dem Sohn der Angeklagten K., seinem Lieblingsenkel, sei der Verstorbene ein Herz und eine Seele gewesen. Der 75-Jährige habe oft gesagt „Der Bua muss kema. Der muss endlich Ordnung schaffen. Die da oben müssen raus. Das packt er nicht.“ Auch seine Urenkelin sei regelmäßig bei Streit zu ihrer Oma, der Angeklagten K. abgehauen. Die Zeugin war von Beruf Krankenschwester. Bei der Befragung durch Staatsanwalt Andrä sagt sie aus: „Ich habe so viele Leichen gesehen, so viele Gesichtsausdrücke. Es war nicht natürlich, sein Gesichtsausdruck war nicht so, wie ich das kenne, wenn jemand natürlich gegangen ist.

Trennung des Ehepaares kurz nach der Beerdigung

Richter Ziegler ruft die Tochter der Zeugin in den Zeugenstand. Auch sie hatte nach der Beerdigung Kontakt mit der Angeklagten S., der Enkelin des Verstorbenen. Zuerst sollte sie ihr helfen, weil ihr Ehemann so aggressiv war „und die Wohnung zerlegte.“ Die Schwester der Angeklagten K. hatte als Zeugin bereits ausgesagt, dass es zwischen der Enkelin des Verstorbenen und deren Ehemann nach der Beerdigung zur Trennung gekommen sei, „weil er sich so aufgeführt habe.“ Die Zeugin habe die Wohnung gesehen, und es sei eindeutig randaliert worden. Etwas später habe die Angeklagte S. der Zeugin davon erzählt, dass ihre Mutter dem Opa einen Lappen ins Gesicht gedrückt habe. S. habe bei dem Geständnis gezittert und geweint.

Richter Volker Zielger unterbricht die Verhandlung.

Update, 14.23 Uhr - „Die Oberen müssen raus“: Gute Freundin des Verstorbenen sagt als Zeugin aus

Bei der Befragung durch den Verteidiger ihrer Nichte (*Anm. der Redaktion: der Angeklagten S.) erwähnt die Zeugin, dass die Nachbarn erwähnt hätten, dass ihr verstorbener Vater öfter um Geld für Hundefutter gebeten habe. Außerdem habe der 75-Jährige dort gesagt, dass er nichts zum Essen bekomme. Die Zeugin bestätigt außerdem, dass ihr Vater schon vier Monate vor seinem Tod abgenommen hatte und ein ungepflegtes Erscheinungsbild hatte. Allerdings habe er noch 14 Tage vor seinem Tod einen Gartenzwerg bemalt.

Verstorbener sei „ein Anderer“ geworden

Der Vorsitzende Richter Volker Ziegler ruft die beste Freundin des Verstorbenen in den Zeugenstand. Die 67-jährige Rentnerin kannte den 75-Jährigen und dessen Frau bereits seit etwa 40 Jahren. In den Monaten vor seinem Ableben sei der Verstorbene zusehends „ein Anderer“ geworden. Er wirkte verwahrloster und schwerfälliger als früher. Die Zeugin sagt aus, dass der Verstorbene oft wiederholt habe, dass er nicht mehr könne. Dabei habe er mit dem Finger nach oben gedeutet und die Familie seiner Enkelin im ersten Stock gemeint. Dort sei es öfters zu häuslicher Gewalt und vielen lautstarken Streitereien gekommen, die sie selbst gehört habe.

Wollte ‚Mistmatz‘ nicht mehr im Haus sehen

Die Zeugin habe selbst erlebt, wie der Ehemann der Angeklagten S. aggressiv auf den Verstorbenen zugegangen sei. Auch verbale Attacken kann sie bezeugen. Auf seine Tochter, der Angeklagten K. war der Verstorbene nicht gut zu sprechen: „Er hat gesagt, die ‚Mistmatz‘ will er nicht mehr im Haus sehen, und dass die Oberen rausmüssen“, so die Zeugin. Der Verstorbene sei laut der Zeugin früher ein lebensfroher und lebendiger Mann gewesen: „Vielleicht haben die ihm früher schon was ins Essen getan. Er wollte alles erleben, was zum erleben ist. Seine Urenkel hatte er geliebt und er wollte nicht, dass seine ‚Mistmatzen‘ was bekommen. Der hat sicher nicht nachgeholfen“, so die Rentnerin.

Die Todesnachricht habe ihr die Angeklagte S., Enkelin des Verstorbenen, telefonisch mitgeteilt. Erst sei ihr mitgeteilt worden, dass der 75-Jährige an Herzschwäche gestorben sei. Er habe einen Spaziergang mit seiner Hündin unternommen, der ihn überanstrengt habe. Später habe die Enkelin des Verstorbenen der Zeugin und ihrer Tochter erzählt, dass sie ihre Mutter mit dem Lappen auf dem Gesicht des verstorbenen Großvaters gesehen hätte. Die Zeugin ist emotional sehr aufgewühlt und weint während ihrer Zeugenaussage. Auf die Pflichtteile der Erben angesprochen sagt die Zeugin aus, dass die Angeklagte K. nie auf ihren Pflichtersatzteil aus gewesen sei, weil das Haus dann verkauft werden hätte müssen. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter sei von vielen Streitereien geprägt gewesen.

Update, 12 Uhr - Sterbetag war gleichzeitig Hochzeitstag des Tögingers

Staatsanwalt Markus Andrä übernimmt nach einer kurzen Pause die Befragung der Zeugin. Bereits vorher war erwähnt worden, dass der 4. August und Sterbetag des Vaters gleichzeitig der Hochzeitstag des Verstorbenen war. Er habe laut der Zeugin zwar seine verstorbene Frau mehr und mehr vermisst. Als sie ihren toten Vater ansah, fiel ihr auf, dass er kleine Bläschen zwischen den Lippen hatte. Außerdem fand sie auffällig, dass er auf dem Rücken lag, weil er sonst immer seitlich und sehr hoch liegen musste. Entsetzt war sie außerdem, weil der verstorbene Vater so wenig Kleidung im Schrank hatte. Außerdem habe der 75-Jährige zu seinem Todeszeitpunkt einiges an Gewicht verloren.

Bei dem Erbe gehe es laut der Zeugin um einen geringen fünfstelligen Betrag, die Zeugin gibt an, auf ihr Pflichterbe nicht gepocht zu haben. Sie sei nicht gerne in das Haus gegangen. Auch ihre Schwester, die Angeklagte K. habe gesagt: „Ich möchte nichts von dem Geld, weil das Haus von meinem Bua is.“ Das Haus sei nicht sehr viel wert, so die Zeugin: „Dieses Geld wird jetzt eigentlich eingesetzt, um Reparaturen zu bezahlen.“ Zu weiterem Vermögen des Großvaters befragt sagt die Zeugin: „Er hatte Schmuck und ein Auto, weiß aber nicht, wo das hingekommen ist.“ Außerdem sollen Nachbarn des Vaters der Zeugin berichtet haben, wie der Ehemann der Angeklagten S., – und Nichte der Zeugin – ihren 75-jährigen Vater der Zeugin in dessen Garten beschimpft und geschubst habe.

Angeklagte S. soll leicht beeinflussbar sein

Die Zeugin sagt über die Angeklagte K: „Meine Schwester hatte immer Geldprobleme. Aber wenn sie was ausgegeben hat, dann hat sie es für ihre Tochter und deren Enkel ausgegeben.“ Auch gegenüber Dr. Susanne Lausch, der psychiatrischen Gutachterin, sagt die Zeugin aus: Meine Schwester hätte alles für ihre Kinder und ihre Enkel getan.“ Ihre Nichte, die Angeklagte S., sei charakterlich eher vorsichtig und ängstlich. Außerdem sei S. leicht beeinflussbar und um des Friedens willen sehr nachgiebig.

Update, 11 Uhr - Familie bat Angeklagte um Selbstanzeige

Die Schwester der Angeklagten K. sagt weiter aus, dass der Schwiegersohn ihrer Schwester dieser verboten habe, das Elternhaus zu betreten und deren Enkelin zu sehen. Sowohl der Sohn der Angeklagten K., als auch deren Lebensgefährtin und K. selbst hätten ihr von Schwierigkeiten mit dem Schwiegersohn erzählt. Sie selbst könne aber nichts über seinen Charakter aussagen. Einmal habe ihr aber die Lebenspartnerin von K. eine Nachricht geschickt, in der sie sie um Hilfe gebeten habe, weil der Schwiegersohn „wieder durchdrehte.“

Dass der Verstorbene jemals über seine Töchter gesagt haben soll „Die zwei Hexen sollen nichts kriegen“, kann sich die Zeugin nicht vorstellen. Ihr Vater habe sich auch nie darüber geäußert, dass er „nicht mehr wolle.“ Am fraglichen 5. August habe die Zeugin zwischen 8 Uhr und 9 Uhr einen Anruf ihrer Schwester bekommen, dass der gemeinsame Vater verstorben sei: „Ich glaube, sie sagte, er sei eingeschlafen. Als ich dann ankam, lag mein Vater auf der Couch.“ Laut der Zeugin soll ihre Nichte, Angeklagte S., den Großvater tot aufgefunden haben.

Dann befragt der Vorsitzende Richter die Zeugin zu dem Familientreffen in ihrem Garten, welches im September nach der Beerdigung des Großvaters stattgefunden hatte. Im Verlauf des Treffens habe der Ehemann ihrer Nichte, der Angeklagten S., den anwesenden Familienmitgliedern mitgeteilt, dass die Angeklagte K. den Vater umgebracht habe. Er habe sich ständig wiederholt, habe gezittert, geschwitzt und große Pupillen gehabt. Die Zeugin habe dann über WhatsApp mit ihrer Nichte kommuniziert und ihr mitgeteilt, was der Schwiegersohn erzählte. Weil der Schwiegersohn ihr Angst machte, habe die Zeugin den Nachbarn hinzugezogen und auch ihre Schwester angerufen. Im Verlaufe des Abends sei es zum großem Geschrei und Gebrüll sowie zu einem Handgemenge gekommen. 

Am nächsten Vormittag habe die Zeugin ihre Nichte darum gebeten ihr die Wahrheit zu sagen und die habe geantwortet: „Ja, das war so und der Mama tut das schon so leid.“ Ihre Nichte habe auch gesagt, dass ihre Mutter dem Verstorbenen „die Luft genommen habe.“ Die Angeklagte S. soll gesagt haben, dass sie den Gesichtsausdruck und die offenen Augen und das Tuch nicht aus dem Kopf bekomme. Auf die Fragen der Zeugin an ihre Schwester, ob das alles wahr sei, habe die Angeklagte K. geantwortet: „Ich bringe doch den Papa nicht um. Ich habs ihm nur hingestellt.“ Nach dem Treffen habe die Zeugin und der Sohn der Angeklagten K. diese darum gebeten, Selbstanzeige zu erstatten. Als diese ihren Gang zur Polizei aber hinauszögern wollte, sei die Zeugin laut eigener Angaben wütend geworden und mit ihrem Neffen zur Polizei gefahren, um Anzeige zu erstatten. Dabei habe sie noch einen Anruf von der Angeklagten K. erhalten, in dem sie darum bat, ihre Tochter - Angeklagte S. - aus der Sache rauszuhalten.

Update, 10 Uhr - Schwester der Angeklagten K. sagt aus

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages ruft der Vorsitzende Richter Volker Ziegler die Schwester der Angeklagten K. in den Zeugenstand. Die 52-Jährige arbeitet im pädagogischen Bereich und möchte sich zur Sache äußern. Zuerst möchte der Richter mehr über das familiäre Aufwachsen der beiden Schwestern wissen. Die Zeugin sagt aus, dass es nicht immer leicht für die beiden Schwestern war. Sie seien von den Eltern auseinandergehalten worden: Während die Angeklagte K. eine innige Beziehung mit ihrer Mutter hatte, wuchs die Zeugin bei ihren Großeltern auf, die mit der Mutter der beiden Schwestern nicht gut standen.

Vater habe häufig Streit in der Familie provoziert

Es habe sehr viel Streit in der Familie gegeben, welcher vor allem durch den Vater provoziert worden sei. Die Zeugin sei sehr viel von ihrer Mutter geschlagen worden und auch die Großeltern hätten das mitbekommen. Obwohl sie drei Jahre jünger als die Angeklagte K. war, habe sie oft den Auftrag bekommen, auf ihre Schwester aufzupassen. Wegen der Schläge habe die Zeugin schon mit 16 Jahren eine Arbeitsstelle gesucht und sei ausgezogen. Durch die Trennung der Schwestern seien die beiden auf verschiedene Seiten gezogen worden und als Einzelkämpfer aufgewachsen.

Angeklagte K. war immer liebevolle Großmutter für Enkel

Die Zeugin habe sporadisch Kontakt mit der Schwester gepflegt, auch weil diese ein Drogenproblem gehabt habe. Das Verhältnis zwischen dem Vater und der Angeklagten K. sei sehr angespannt gewesen. Das Leben von K. sei sehr turbulent verlaufen, weswegen es häufig Streit mit dem Vater gegeben habe. Allerdings sei K. eine sehr liebevolle Großmutter. Die enge Beziehung zwischen der verstorbenen Mutter der Schwester finde sich wieder in der engen Beziehung zwischen der Angeklagten K. und deren Tochter und Enkelin.

Die Angeklagte K. soll zu ihrer Schwester gesagt haben: „Als meine Kinder klein waren, konnte ich nicht da sein. Jetzt möchte ich da sein.“ Um ihren Sohn habe sich Angeklagte K. nicht so viel kümmern müssen, weil dieser stark auf seinen eigenen Beinen gestanden habe. „Aber eine Mutter wird sich immer schützend vor ihre Kinder stellen“, so die Zeugin. In der Ehe ihrer Nichte, der Angeklagten S., sowie zwischen deren Ehemann und ihrer Schwester, der Angeklagten K., habe es Streitigkeiten gegeben. Gerade nach der Beerdigung habe es richtiggehend „Explosionen“ gegeben.

Vorbericht

Am Dienstag (13. September) begann der Prozess gegen zwei Frauen aus Töging: Der Angeklagten K.(55) wird vorgeworfen, zusammen mit ihrer Tochter, der Angeklagten S.(30), ihren Vater vergiftet zu haben. Laut Anklageschrift soll K. am 4. August dem 75-Jährigen einen tödlichen Medikamentencocktail in dessen „Saures Lüngerl“ gemischt haben. Dieses habe K. eigens für ihren Vater gekocht. „Das hat sie eigentlich sonst nie getan“, sagte S., die Tochter der Angeklagten bei ihrer Befragung aus. Sie wohnte mit ihrem Mann und zwei Kindern im Obergeschoss des Hauses des Großvaters, während er selbst im Erdgeschoss lebte. Ihre Mutter K. habe ihr den leeren Teller des 75-Jährigen gegen 16 Uhr zum Abwaschen gebracht, danach sei S. auch hinunter – in die Wohnung des Opas.

Der „orange Lappen“

Der sei ganz leblos auf seiner Couch gesessen, als sie ankam. Als S. den Notarzt rufen wollte, habe die Angeklagte K. zu ihrer Tochter gesagt: „Es ist schon zu spät für den Arzt, ich habe ihm Medikamente gegeben.“ Daraufhin sei S. wieder in den ersten Stock und bei ihrer Rückkehr ins Erdgeschoss habe sie beobachtet, wie ihre Mutter dem Großvater einen „orangen Lappen“ an den Mund tupfte. „Die Sache mit dem Lappen ist mir lange durch den Kopf gegangen. Ich konnte mir das nicht erklären“, so die Angeklagte S.

K. wiederum hatte in ihrer eigenen Befragung ausgesagt, dass der Vater schon eine ganze Weile davon geredet habe „nicht mehr zu wollen.“ Er habe die Streitereien seiner Enkelin mit deren Mann nicht mehr hören und sehen wollen. Am 4. August soll er K. ausdrücklich um Medikamente gebeten haben, die sie ihm an jenem Tag dann in der Originalverpackung auf den Tisch gelegt habe. Anschließend sei sie nach Hause, und ihre Tochter und die beiden Enkel hätten sie ab 17 Uhr zu Hause besucht. Dem widerspricht die Angeklagte S. aber.

Schwester und Sohn als Zeugen erwartet

Dem Gericht liegen noch weitere widersprüchliche polizeiliche Vernehmungsprotokolle vor. So will der Ehemann der Angeklagten S. gegen 19 Uhr desselben Tages gesehen haben, wie der Großvater zuckend auf der Couch lag. Seine Frau sagte aus, dem Mann von ihrer Schlussfolgerung erzählt zu haben, dass ihre Mutter dem Großvater Medikamente in das Essen gemischt habe. Der Schwiegersohn wollte dies nicht auf sich beruhen lassen und stellte seine Schwiegermutter bei einem Familientreffen zur Rede. Sowohl die Schwester, der Schwager und der Sohn der Angeklagten K. sollen bei dem Treffen anwesend gewesen sein. Die Familie soll beschlossen haben, dass K. sich bei der Polizei stellen solle. Tatsächlich kam es nicht dazu, denn vorher erstatteten die Schwester und Sohn der Angeklagten K. Anzeige. Die beiden werden wohl in den kommenden Verhandlungstagen als Zeugen geladen sein.

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