Wollte Münchner einen Mann aus dem Landkreis Rosenheim umbringen?

Angeklagter: „Es tut mir aus der tiefsten Tiefe meines Herzens leid, was ich dir angetan habe“

Versuchtes Tötungsdelikt im Raum Frasdorf: Auf diesem Parkplatz soll es zu dem brutalen Messerangriff gekommen sein.
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Auf diesem Parkplatz im Raum Frasdorf soll es zu dem brutalen Messerangriff gekommen sein.

Frasdorf - In der Nacht auf den 28. Januar kam es im Raum Frasdorf zu einem versuchten Tötungsdelikt. Ein damals 18-Jähriger soll einen jungen Mann schwer verletzt haben. Der mittlerweile 19-jährige Angeklagte muss sich ab Dienstag vor Gericht verantworten, am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

Update, 13. Oktober 17.10 Uhr - Angeklagter: „Es tut mir aus der tiefsten Tiefe meines Herzens leid, was ich dir angetan habe“


„Es tut mir aus der tiefsten Tiefe meines Herzens leid, was ich dir angetan habe“, entschuldigt sich der Angeklagte bei dem Geschädigten. „Alles was ich dir antun wollte, war eine kleine Verletzung, dass du das ernst nimmst und ich das Auto nehmen kann um Suizid zu begehen“. Der Geschädigte reagiert mit Schweigen auf die Entschuldigung des Angeklagten.

Die Hauptverhandlung wird am 14. Oktober, 9 Uhr am Landgericht Traunstein fortgesetzt.


Update, 13. Oktober 15.45 Uhr - Opfer: „Ich habe nur noch gedacht, jetzt ist es zu Ende, jetzt bin ich tot“

Er habe seine Fahrt von Zürich in den Chiemgau in einem Internetportal für Mitfahrgelegenheiten angemeldet, woraufhin sich dann zwei Personen gemeldet haben, sagt der Geschädigte vor Gericht aus. In München habe er dann den ersten Mitfahrer aussteigen lassen, zusammen mit dem Angeklagten sei man dann weiter Richtung Frasdorf gefahren. „Eigentlich war es abgemacht, dass ich ihn in Frasdorf an der Autobahn rauslasse, aber als er dann gesagt hat, dass er eigentlich nach Aschau müsse, habe ich gesagt, ich fahre ihn, dass er nicht in der Nacht zu Fuß laufen muss.“

Plötzlich habe der Angeklagte in einem relativ aggressiven Ton gesagt, dass er pinkeln muss, woraufhin der Geschädigte dann angehalten und der Angeklagte ausgestiegen sei. Dann soll plötzlich die Beifahrertüre aufgegangen sein und jemand habe ihn angegriffen.

„Ich habe die ganze Zeit gerufen ‚warum machst du das?‘ Zuerst habe ich gedacht es war jemand anderer und er hilft mir, aber irgendwann habe ich dann verstanden, dass er das war. Wir haben auf Leben und Tod gekämpft. Am Anfang habe ich gar nicht gemerkt, dass ein Messer im Spiel ist, erst als das Blut gespritzt hat. Ich habe mir nur noch gedacht jetzt ist es zu Ende, jetzt bin ich tot. Das war wie ein Todeskampf, ich habe die ganze Zeit versucht das Messer abzuwehren“, schildert der Geschädigte die Tat. Ihm sei es so vorgekommen als hätte der Angeklagte die ganze Zeit versucht, weiter auf ihn einzustechen. „Er hat dabei die ganze Zeit gar nichts gesagt.

Erst als er dem Angeklagten in den Daumen gebissen hat, sei es ihm gelungen den Gurt zu lösen, aus dem Auto zu springen und auf die Fahrbahn zu flüchten, wo er dann ein Auto angehalten hat. Nach einiger Zeit sei der Angeklagte dann mit seinem Auto mit quietschenden Reifen davon gefahren.

Auf die Frage hin, ob ihm während der Fahrt am Angeklagten irgendetwas komisch vorgekommen sei antwortet der Geschädigte: „Wir haben uns alle gut verstanden. Auf mich hat es so aber gewirkt, als würde er gar nicht so genau wissen, wo er hin möchte. Auch hat er erzählt, dass er nur rohes Hackfleich isst, das ist mir schon komisch vorgekommen.“

Update, 13. Oktober 13.12 Uhr - Angeklagter habe Geschädigten nicht töten wollen

Der Angeklagte möchte sich erst am zweiten Verhandlungstag vor Gericht äußern. Sein Anwalt, Alexander Esser aus München verliest daher am heutigen Prozesstag eine Erklärung für seinen Mandanten.

Laut dieser Erklärung sei der Angeklagte auf Suche nach Arbeit in Aschau im Chiemgau gewesen und habe daher dort hin fahren wollen. Er und der Geschädigte haben sich auf der Fahrt gut verstanden, der Geschädigte sei ihm sofort sympathisch gewesen. Auf dem Weg ins Chiemgau sei er dann von Gefühlen übermannt worden, keine Arbeit zu finden und habe auf einmal völlige Perspektivlosigkeit verspürt.

Auch ein Streit mit seinem Vater sei wieder hochgekommen, weswegen sich in ihm der Gedanke Suizid zu begehen manifestiert habe. Aus kameradschaftlichen Gründen habe er es nicht über‘s Herz gebracht, dem Geschädigten in die Augen zu sehen und ihn aufzufordern, aus dem Auto zu steigen. Es sei ihm auch peinlich gewesen, den Fahrer mit dem Messer zu bedrohen. Deshalb habe er ihn angegriffen. Laut Erklärung habe er jedoch nur einmal mit dem Messer auf ihn eingestochen, nicht wie in der Anklageschrift dargelegt, mehrere Male. Sein Mandant habe den Geschädigten nie töten wollen, sondern nur sich selbst. Er sei nach der Tat unter Schock gestanden.

Update, 13. Oktober 11.01 Uhr - Angeklagter soll mit Messer auf Hals des Geschädigten eingestochen haben

Laut Anklageschrift soll der Geschädigte in der Nacht vom 27. Januar 2020 auf den 28. Januar 2020 mit seinem Auto von Zürich über München zurück zu seinem Wohnort im Landkreis Rosenheim gefahren sein und über eine Internet-Mitfahrzentrale den Angeklagten sowie einen weiteren Mann, der auch als Zeuge aussagen soll, als Mitfahrer mitgenommen haben. „Nachdem der Geschädigte den Zeugen in München hatte aussteigen lassen, wollte er den Beschuldigten nach Aschau fahren, der dort angeblich eine Wohnung suchen und übernachten wollte“, so die Anklageschrift weiter.

Als der Geschädigte an der Autobahnausfahrt Frasdorf von der Autobahn abgefahren war, habe der Angeklagte aufgrund seiner psychischen Probleme spontan entschlossen, Suizid zu begehen. Er soll zu diesem Zweck beschlossen haben, sich des Fahrzeugs des Geschädigten mit Gewalt zu bemächtigen und damit mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Wand zu fahren.

Er soll deshalb den Geschädigten gebeten haben anzuhalten, um auszutreten. „Nach einigen Minuten kehrte er mit einem Taschenmesser mit einer Klingenlänge von 6,5 Zentimeter in der rechten Hand über die Beifahrerseite zurück in das Auto. Er stürzte sich sofort auf den Geschädigten, packte dessen linke Hand und stach mit dem Messer in den Hals des Geschädigten“, so die Anklageschrift weiter. Immer wieder soll er auf den Geschädigten eingestochen haben, der versucht habe, die Stiche abzuwehren. 

„Um sich zu verteidigen, biss der Geschädigte nun unter Zufügung großer Schmerzen längere Zeit fest in den linken Daumen des Beschuldigten. Ohne den Biss in den Daumen hätte der Beschuldigte weiter auf den Geschädigten eingestochen“, so Staatsanwalt Oliver Mößner. Der Geschädigte habe irgendwann flüchten können. Der Angeklagte sei dann mit dem Auto des Geschädigten zurück nach München gefahren.

Eine akute Lebensgefahr habe laut Anklageschrift nicht bestanden, jedoch war vor allem die Halsverletzung potentiell lebensgefährlich. Bei nur geringfügig größerer Tiefe des Schnittes wäre die dort befindliche Halsvene eröffnet oder durchtrennt worden, was zu einem schnellen Verbluten des Geschädigten hätte führen können.

Der Angeklagte habe laut Staatsanwalt zur Tatzeit an einer akuten psychischen Erkrankung gelitten. Seine Steuerungsfähigkeit sei hierdurch erheblich vermindert und nicht ausschließbar vollständig aufgehoben gewesen. Er soll demnach im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben.

Wollte Münchner (19) Mann aus Rosenheim töten?

Er soll auf einen damals 19-Jährigen hinterrücks mit einem Messer eingestochen haben, der dadurch erhebliche Verletzungen davon geteragen hatte. Deshalb muss sich nun ein 19-Jähriger Münchner wegen versuchten Mordes am Dienstag, 13. Oktober neun Uhr vor der Jugendkammer des Landgerichts Traunstein verantworten. Das Gericht setzte drei Verhandlungstage an. Fortsetzungstermine: 14. und 16. Oktober jeweils neun Uhr.

Der Geschädigte soll über ein Mitfahrerportal zwei Personen aus Zürich nach Deutschland in seinem Fahrzeug mitgenommen haben, wie die Polizei damals mitteilte. Während eine Person in München ausgestiegen sein soll, haben der Geschädigte und der Angeklagte Beifahrer mit aktuellem Wohnsitz in München ihre Fahrt in Richtung Süden fortgesetzt

Auf einem Parkplatz in Frasdorf soll es es dann zu dem tätlichen Angriff auf den Fahrer aus dem südlichen Landkreis Rosenheim gekommen sein. Der Angeklagte soll den Geschädigten schwer verletzt, ihn auf der Straße liegen gelassen haben und mit dem Wagen des Fahrers nach München zurück gefahren sein. 

Der Mann wurde gerichtlich untergebracht, er wurde eingewiesen“, erklärte Fabian Bernhardt, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf Nachfrage von rosenheim24.de kurz nach der Tat. Seitdem befindet er sich in psychiatrischer Behandlung.

jb

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