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Opfer seit der Tat ein lebenslanger, schwerer Pflegefall

Den eigenen Vater im Wahn ins dauerhafte Wachkoma geschlagen - Urteil nach Tat in Rimsting

Rimsting/Traunstein – Die grausame Tat vom 2. Oktober 2021 in Rimsting ist juristisch aufgearbeitet: Damals war ein Streit zwischen einem 32-jährigen, psychisch Kranken und seinem Vater total eskaliert. Am Montag entschied das Traunsteiner Landgericht über diesen Fall.

Update, 19.34 Uhr - Urteil gefallen

Der 32 Jahre alte Angeklagte wird zeitlich unbegrenzt in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Das entschied das Traunsteiner Landgericht am Montagnachmittag. Der Angeklagte schlug unter Wahnvorstellungen in der gemeinsamen Wohnung zuerst mit einer Glasflasche ins Gesicht seines 68-jährigen Vaters, dann trat er mehrmals mit dem Fuß in sein Gesicht.

Der Vater wurde durch die Gewalttaten zu einem lebenslangen Pflegefall. Er erlitt zahllose Frakturen an Kopf und Gesicht, außerdem wurden Nerven im Gehirn geschädigt. Er liegt seit der Tat im Wachkoma, mit einer Besserung seines Zustandes wird nicht gerechnet. Der 68-jährige ist durch die Tat vierfach gelähmt, kann nicht mehr sprechen, sich nicht mehr selbst ernähren und auch seine Augen nicht mehr selbst schließen. 

Von einem klassischen „Vater-Sohn-Konflikt“ wollte der psychiatrische Gutachter am Traunsteiner Landgericht nicht sprechen. Der 32-Jährige erlitt einen „Schub“ seiner Krankheit, weil er die entsprechenden Medikamente nicht mehr einnahm. In einer anderen Situation hätte es auch einen Pfleger, Bekannten oder Nachbarn treffen können, betonte schließlich auch der Vorsitzende Richter, Volker Ziegler.

Update, 15.45 Uhr - Gutachter: „Völlig utopisch, dass er jemals alleine leben wird“

Jetzt gibt ein psychiatrischer Gutachter Einblick ins Krankheitsbild des Angeklagten. Schon im Jugendalter seien psychische Krankheiten beim 32-jährigen Rimstinger festgestellt worden. Über lange Zeit erhielt er mehrere Medikamente, Ärzte hätten es immer wieder mit verschiedenen Psychopharmaka beim Angeklagten probiert. Alkohol oder Drogen hätten nie eine bestimmte Rolle bei ihm gespielt, auch nicht in der Familie.

2016 wurde er zuletzt aus einer Einrichtung entlassen, der Vater wehrte sich dann wohl dagegen, dass der Sohn dort wieder zurückkehren sollte. Doch jetzt scheint klar: Der 32-Jährige muss im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum bleiben. „Er wird sein ganzes Leben lang auf Hilfe von Fachpersonen angewiesen sein“, so der psychiatrische Gutachter. „Dass er jemals alleine lebt, halte ich für völlig utopisch.“

Auch mit einem Urteil wird noch für den heutigen Montag gerechnet.

Update, 13.08 Uhr - Im Gesicht des Vaters ging „alles kaputt“ - jetzt ist er ein Vollpflegefall

Der Bericht der Gerichtsmedizinerin ist nichts für schwache Nerven. Sie gibt dem Landgericht Auskunft über die Verletzungen des Vaters des Angeklagten und wie es ihm heute geht. Durch die Tritte ins Gesicht ging „alles kaputt, was man hat. Man kann die Frakturen im Prinzip gar nicht abzählen“, so die Gutachterin Bettina Zinker. Auch Nervenschäden im Gehirn blieben dem Mann dadurch. Hinzu kämen allerlei Kratzer und Schnittwunden im Gesicht durch die Splitter der zerborstenen Glasflasche.

Der Vater des Angeklagten wurde durch die Tritte und Schläge des Sohnes zu einem „Vollpflegefall“, so die Gerichtsmedizinerin. Er ist vierfach gelähmt, kann weder Arme, noch Beine bewegen. Der Mann kann nicht mehr selbst atmen, kann sich nicht mehr selbst ernähren und auch nicht mehr aktiv die Augen schließen. Eine Besserung seines Zustandes sei nicht in Sicht.

Vor Gericht sagt außerdem noch ein Priener Polizist aus, der als einer der ersten an jenem 2. Oktober an der Rimstinger Wohnung eintraf. „Der Angeklagte war völlig neben sich. Es war, als würde man durch ihn durchschauen.“ Er habe nur gesagt, dass er seinem Vater etwas angetan hätte und dass es ihm leid tue. „Mein Bauchgefühl hat mir schon gesagt, dass etwas Schlimmes passiert ist“, so der Polizist.

Wie schlimm, das sah er kurz darauf später in der Wohnung: Mit offenen, verdrehten Augen und offenem Mund habe er den Vater am Boden aufgefunden; rundherum Glasscherben. „Ich dachte, er ist nicht mehr am Leben.“ Im Prozess gegen den 32 Jahre alten, psychisch kranken Rimstinger wird noch heute ein Urteil erwartet. 

Update, 11.11 Uhr - Wollte Sohn seinen Vater in Rimsting töten? Blick in familiäre Abgründe vor Gericht

Was passiert ist, scheint klar - aber bei der Verhandlung gegen den 32-Jährigen blickt man in familiäre Abgründe. Auch wenn der Mann leise und etwas abwesend spricht, kann er sich erinnern und gesteht die Tat ein: „Ich dachte, die Flasche sei nicht so dick und es kann nicht so viel passieren...“ Auch die Fußtritte ins Gesicht seines Vaters gibt der Angeklagte zu.

Der Verteidiger Harald Baumgärtl gibt etwas Einblick ins Zusammenleben der beiden. Früher sei der Sohn im Wasserburger Inn-Salzach-Klinikum untergebracht gewesen. Seit 2016 hätte er dann wieder beim Vater in Rimsting gelebt. „Noch am Tag vor der Tat sei alles in Ordnung gewesen, aber dann sei meinem Mandanten aufgefallen, dass der Vater viel telefoniere, wohl mit der Klinik in Wasserburg.“ Der 32-Jährige habe befürchtet, wieder zurück in die „Geschlossene“ zu müssen.

Schon früher sei der Angeklagte immer wieder aus dem Inn-Salzach-Klinikum geflohen. „Immer, wenn‘s mir dort zu viel geworden ist, bin ich abgehauen. Dann ist immer wieder die Polizei zu uns gekommen“, so der 32-Jährige. Laut Vorsitzendem Richter Volker Ziegler habe er in Wasserburg auch schon mit Geiselnahme gedroht, um herauszukommen, und sei auf Pfleger losgegangen.

Vater und Sohn hätten in Rimsting distanziert und sehr zurückgezogen zusammengelebt. Auch Besuch hätten die beiden kaum bekommen. Jeder für sich, so Richter Ziegler, hätte viel Zeit an seinem Computer verbracht - der Sohn mit Spielen, der Vater oft mit Verschwörungstheorien. 2019 habe der Sohn seinem Vater schon mit einer Pistole in der Hand gedroht: „Ich will Dein Herz.“ Die Familie war „polizeibekannt“.

Nun wird eine Gerichtsmedizinerin über die Verletzungen des Vaters berichten, und wie es ihm heute geht. 

Update, 9.48 Uhr - Vater zum schweren Pflegefall geschlagen: Prozess um Familiendrama in Rimsting gestartet

Der Prozess gegen einen 32-jährigen Rimstinger ist eröffnet. Das Traunsteiner Landgericht soll heute die Hintergründe dieses Familiendramas aufklären: denn der Angeklagte soll im vergangenen Oktober fast seinen Vater getötet haben. Versuchter Totschlag und Körperverletzung wird ihm vorgeworfen. Der 32-Jährige leidet aber unter einer psychischen Krankheit, die Staatsanwaltschaft sieht ihn daher als schuldunfähig an.

Am 2. Oktober gegen 23 Uhr soll es gewesen sein, als es in der gemeinsamen Wohnung in Rimsting zum Streit zwischen Vater und Sohn kam. Der Vater sei bereits auf einer Matratze gelegen, dann habe ihm der Angeklagte „mehrfach mit einer Glasflasche in Tötungsabsicht gegen den Kopf geschlagen“, so Staatsanwalt Wolfgang Fiedler. „Anschließend trat er ihm mehrmals mit dem Fuß gegen den Kopf und den Oberkörper.“

Der Mann habe lebensgefährliche Verletzungen an Kopf und Oberkörper erlitten, unter anderem mehrere Brüche im Gesicht und einen Schädelbasisbruch. „Komplexe Operationen“ seien notwendig gewesen, so die Staatsanwaltschaft. Über zehn Wochen musste der Vater in einer Klinik behandelt werden - und: „Er ist in Siechtum verfallen und wird für den Rest seines Lebens ein schwerer Pflegefall bleiben“, so Staatsanwalt Fiedler.

Nun wird es die Aufgabe des Landgerichts, die Hintergründe dieses Familiendramas herauszuarbeiten und den Angeschuldigten zur Tat zu befragen. 

Erstmeldung:

Immer wieder soll ein 32-jähriger Rimstinger seinem Vater Anfang Oktober 2021 mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen haben, nachdem ein Streit zwischen den beiden eskaliert war. Laut Staatsanwaltschaft habe er dann auch noch mit dem Fuß auf ihn eingetreten. Das Opfer erlitt laut Staatsanwaltschaft lebensgefährliche Verletzungen und ist seitdem für den Rest seines Lebens ein schwerer Pflegefall.

Am Montag (9. Mai) wird vor dem Landgericht in Traunstein gegen den 32-Jährigen verhandelt. Er wollte seinen Vater umbringen, so die Staatsanwaltschaft. Versuchter Totschlag und schwere Körperverletzung wird dem Angeklagten vorgeworfen. Jedoch habe er im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt, da der Sohn psychisch krank ist und zur Tatzeit wohl unter Wahnvorstellungen litt. Der Prozess beginnt um 8.30 Uhr. rosenheim24.de wird aktuell berichten.

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Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini

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