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Nach plötzlicher Kehrtwende des Angeklagten im Prozess

Zwei Frauen in Rosenheim missbraucht: Landgericht spricht 32-Jährigen schuldig

Rosenheim/Traunstein - Am Dienstag (22. März) musste sich ein 32-Jähriger vor dem Traunsteiner Landgericht wegen zweifacher Vergewaltigung verantworten. Nun wurde der Mann schuldig gesprochen und muss ins Gefängnis.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Rosenheimer (32) steht als Angeklagter wegen zweifacher Vergewaltigung vor Gericht
  • Anklageschrift: Im Sommer 2021 sollen zwei Frauen unabhängig voneinander von ihm vergewaltigt worden sein
  • Aussage der ersten Frau (17) - sie hatte sich nicht getraut, um Hilfe zu rufen

Update, 16:56 Uhr - Landgericht spricht 32-Jährigen schuldig

Er drang im Juni und August 2021 bei zwei Frauen in Rosenheim mit Fingern ein, jetzt wurde ein 32-Jähriger am Landgericht Traunstein schuldig gesprochen. Für drei Jahre muss der Mann ins Gefängnis. Das Urteil: Vergewaltigung in zwei Fällen. Der Angeklagte, der die Taten zuerst vollkommen abstritt, sie dann im Laufe des Prozesses aber doch zugab, wirkte bei der Urteilsverkündung ruhig und gefasst. Er kannte die beiden Frauen erst seit kurzem und eher flüchtig.
 
Ich will es nicht verharmlosen, aber mit einer Vergewaltigung, wie es in der Öffentlichkeit oft verstanden wird, sind diese Fälle nicht zu vergleichen“, so die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler. Für den Gesetzgeber sei aber jedes sexuell motivierte Eindringen in den Körper eine Vergewaltigung.
 
Auch die beiden Taten in Rosenheim seien etwas unterschiedlich zu betrachten: Die 24-Jährige, die am 18. Juni zum Opfer wurde, habe sich noch freiwillig mit dem Angeklagten in die Wohnung begeben. Bei der Tat am 14. August sei der Mann aber auch mit zusätzlicher Gewalt vorgegangen, habe die erst 17-Jährige ins Bett gezwungen. In den Plädoyers forderte Staatsanwältin Karin Hahn zuvor drei Jahre und sechs Monate Haft, Verteidiger Pierre Torster plädierte auf zwei Jahre mit Bewährung. 

Update, 14.35 Uhr - Angeklagter leugnet alles – und macht dann plötzlich Rückzieher

Zu Prozessbeginn leugnete der 32-Jährige noch alles: Im ersten Fall, der sich nach einer Grillparty am 18. Juni abspielte, habe er sich nur „Rücken an Rücken“ zu der Bekannten gelegt und gleich danach sei man eingeschlafen. „Am nächsten Morgen hat sie sich ganz normal verabschiedet und das war’s.“
 
Auch den Vorwurf des zweiten Missbrauchs im August 2021 in Rosenheim bestreitet er. Genauso wie im ersten Fall hätte auch hier die Geschädigte den ersten Schritt gemacht. Aber passiert sei letztlich nichts. „Was in der Anklageschrift steht, stimmt nicht“, so der 32-Jährige.
 
Doch nachdem die erste Geschädigte, 17 Jahre alt, ihre Aussage vor Gericht gemacht hat, ihn der Vergewaltigung beschuldigt und kaum einer an ihrer Glaubwürdigkeit zweifelt, redet die Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler dem Verteidiger ins Gewissen. Er solle doch nochmal mit seinem Mandanten sprechen. Nach einer Pause und einem Gespräch aller Prozessbeteiligten legt der 32-Jährige dann ein Geständnis ab. Beide Taten hätten sich „im Groben“ so abgespielt, wie sie ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft.
 
Es tut mir leid“, so der Angeklagte. Bei der 17-jährigen Geschädigten entschuldigt sich der Mann auch noch persönlich. Der zweiten Geschädigten, 24 Jahre alt, bleibt der Weg in den Zeugenstand durch das Geständnis erspart. Vereinbart werden außerdem ein Kontaktverbot und jeweils 5000 Euro Schmerzensgeld für die beiden Frauen.
 
Aber mit welcher Strafe hat der Rosenheimer zu rechnen? In den Plädoyers, die anschließend von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung gehalten werden, könnte es der Angeklagte bereits ahnen. Auch mit einem Urteil wird heute am Landgericht Traunstein noch gerechnet

Update, 13.04 Uhr - 17-Jährige hatte sich nicht getraut, um Hilfe zu rufen

Man kannte sich nur flüchtig, und schon wird man nachträglich zum Geburtstag mit einer Uhr beschenkt? „Komisch“ kam das der Geschädigten vor, die angibt, im August vorigen Jahres in Rosenheim vom Angeklagten vergewaltigt worden zu sein. 17 Jahre alt ist sie gerade mal, jetzt muss sie vor dem Traunsteiner Landgericht aussagen. Im Gemeinschaftsgarten eines Mehrfamilienhauses im Rosenheimer Norden habe man sich an jenem Samstagmittag getroffen - und einige Zeit nach dem Geschenk sei es „losgegangen, dass er mich küssen wollte“.
 
Die junge Frau schildert alles ruhig und bestimmt: wie sie danach in die Wohnung hineinging, er sie verfolgte, packte und aufs Bett warf. Eine Hand immer an ihrem Handgelenk. Als es ums weitere Geschehen geht, beginnt die 17-Jährige zu weinen. Jetzt geht es um die Szenen, als sie begrapscht und in sie eingedrungen wurde. Richterin Jacqueline Aßbichler geht behutsam mit ihr um. „Ich hab‘ nicht gewusst, was ich machen soll und war so überfordert. Ich hatte mich auch nicht getraut, um Hilfe zu rufen. Ich wusste ja, dass sonst keiner da ist.“

„Warum sagst Du nicht die Wahrheit?“, will der Angeklagte von der 17-Jährigen noch wissen. Er scheint die Tat zu leugnen. Wenige Tage nach der Tat Mitte August vorigen Jahres wandte sich die Geschädigte an ihren Chef, der ihr einen Anwalt empfahl. Auch er sagt vor Gericht nun aus: „Aus meiner Sicht ist sie absolut glaubwürdig. Das ganze belastet sie enorm.“ Was wird der Angeklagte weiter zu den Vorwürfen sagen? Auch die zweite Geschädigte soll heute noch vor dem Landgericht aussagen.

Update, 10.55 Uhr - Anklageschrift wird verlesen

Es geht um nichts weniger als um zwei Vergewaltigungen: Ein 32-Jähriger aus Rosenheim steht jetzt als Angeklagter vor dem Traunsteiner Landgericht. Zwei Bekanntschaften soll er im vorigen Sommer unabhängig voneinander begrapscht und mit dem Finger missbraucht haben, was rechtlich als Vergewaltigung zu werten wäre. Um was genau geht es? Staatsanwältin Karin Hahn erhebt sich zur Verlesung der Anklageschrift.

Der erste Vorwurf: Nach Grillparty am 18. Juni 2021 landete man zu dritt in der Wohnung des 32-Jährigen im Rosenheimer Norden: Der Angeklagte, sein Bruder und eine Bekannte. Gemeinsam legte man sich auf die Couch, dann legte sich die Frau zum Schlafen aufs Bett. Der Angeklagte habe sich zu ihr gelegt, sie am ganzen Körper begrapscht. Schon da hätte sich die Geschädigte gewehrt, er habe ihr aber auch noch einen Finger eingeführt.
 
„Der Angeschuldigte hörte auch nicht auf, als die Geschädigte sich auf den Bauch drehte und versuchte, Abstand vom Angeschuldigten zu gewinnen, sondern versuchte weiter, die Geschädigte zum Geschlechtsverkehr mit ihm zu bewegen und ließ erst mehrere Minuten später von der Geschädigten ab“, so Staatsanwältin Hahn.
 
Der zweite Vorwurf, nur zwei Monate später - andere Wohnung, andere Geschädigte: Zur Mittagszeit des 14. August habe der 32-Jährige einer jungen Frau Avancen gemacht, auf die sie nicht eingegangen sei. Auch einen Kussversuch habe sie mit einem klaren „Nein“ abgeblockt. Trotzdem habe der Angeklagte die Frau gepackt und sich entblößt. Auch sie habe sich dann fortwährend gewehrt, doch der Angeklagter habe wieder mit der Hand in die Hose gegriffen und sie missbraucht. Dann habe sie sich losreißen und flüchten können.
 
Trifft alles so zu? Wenn ja, muss der Rosenheimer mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Gefängnis. Was sagt er zu den Vorwürfen? Gleich wird sich der 32-Jährige äußern. 

Die Erstmeldung

Zwei Frauen sollen - unabhängig voneinander - im Sommer 2021 Opfer eines 32-Jährigen geworden sein. Laut Staatsanwaltschaft spielte sich die erste Tat in der Nacht auf den 19. Juni vorigen Jahres in der Wohnung des Mannes in Rosenheim ab. Als sich eine Bekannte nach einer Grillfeier schlafen legen wollte, soll er einen Finger in sie eingeführt haben. Dieselbe Tat wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch bei einer weiteren Frau am 14. August 2021 in einer Rosenheimer Wohnung vor.

Angeklagt ist der 32-Jährige deshalb wegen Vergewaltigung in zwei Fällen. Seit Oktober vorigen Jahres sitzt der Mann in der JVA Traunstein in Untersuchungshaft. Der Prozess beginnt am Dienstag (22. März) um 9 Uhr vor dem Landgericht in Traunstein. Ein weiterer Verhandlungstag ist für den kommenden Donnerstag vorgesehen.

xe

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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