Schnaitseer (34) wegen Vergewaltigung verurteilt

Richter: "Eine Frau ist keine Sado-Maso-Testperson"

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Der bisher turbulente Prozess gegen den Angeklagten aus Schnaitsee (rechts) könnte am Montag ein Ende finden. 
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Traunstein/Schnaitsee - Über die Dating-App "Lovoo" lernte ein Schnaitseer eine Frau kennen - der harte Sex bei ihm daheim lief schließlich aus dem Ruder: Das Landgericht verurteilte den 34-Jährigen wegen zweifacher Vergewaltigung.

Update 18.40 Uhr: Das Urteil

Zwei Jahre und neun Monate muss ein 34-Jähriger aus Schnaitsee ins Gefängnis. Das Landgericht Traunstein unter Vorsitz von Richter Erich Fuchs sieht den Mann der zweifachen Vergewaltigung und der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig. 

Über die Dating-App "Lovoo" lernten sich die beiden kennen. Beiden war klar, dass es um Sex gehen sollte - beim Angeklagten daheim in Schnaitsee kam es dann auch dazu. Als der 34-Jährige schließlich auch zuschlug, zubiss und seine 21-jährige Bekanntschaft mit einem T-Shirt würgte, wurde es ihr zu viel. Trotzdem übernachtete sie bei ihm, am Morgen darauf wiederholte sich das Spiel. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass die Geschädigte mit den Handlungen nicht einverstanden war.

Eine Frau sei "keine Sado-Maso-Testperson", auch wenn sie auf einem Chatportal Sex suche, so Richter Fuchs. Die Verteidigung plädierte dagegen, dass der Schnaitseer die Schreie der Frau als "Zeichen der sexuellen Lust und der Zustimmung" deutete. "Dass ihr das nicht recht war, konnte er nicht erkennen", so das Plädoyer seiner Anwälte.

Update, 16.25 Uhr: Plädoyers gehen weit auseinander

Plädoyer Staatsanwaltschaft

"Es war ihm total egal, was die Geschädigte will. Es kam ihm nur auf sein eigenes Vergnügen an", so das harte Urteil der Staatsanwältin in ihrem Plädoyer in Richtung des Angeklagten. Ja, das Treffen und der erste Geschlechtsverkehr seien noch einvernehmlich gewesen, "aber dann fing er an, die Geschädigte zu schlagen, zu beißen und zu würgen". Wenn jemand sage "Ich mag das so nicht", dann müsse das deutlich genug sein - "auch beim Sado-Maso", sagt die Staatsanwältin im Plädoyer. Zudem hätten sich die beiden ja gerade erst kennengelernt.

Vier Jahre Haft fordert die Staatsanwältin für den 34-jährigen Schnaitseer. Er sei schuldig der Vergewaltigung sowie der gefährlichen und vorsätzlichen Körperverletzung. Der Kokainkonsum des Angeklagten könne sich aber strafmildernd auswirken, ebenfalls sein bisher straffreies Leben, das Schmerzensgeld, die Entschuldigung des Angeklagten und, dass sich die Frau freiwillig mit dem Schnaitseer getroffen hätte.

Plädoyer Verteidigung

"Sex ist kein Vertrag und in der Hitze des Gefechts, ist es im Sado-Maso-Bereich oft schwierig, was wörtlich zu nehmen ist und was nicht", beginnt dagegen die Verteidigung ihr Plädoyer. Die Geschädigte habe nur gemeint, es würde ihr weh tun - nicht mehr: "Die Schreie hat unser Mandant als Zeichen der sexuellen Lust und der Zustimmung gedeutet. Dass ihr das nicht recht war, konnte er nicht erkennen - auch weil beide davor gesprochen haben, dass sie nicht auf Blümchensex stehen würden."

Dass die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer von "erniedrigendem Vaginalverkehr" sprach, ist für den Verteidiger des Schnaitseers dagegen "schockierend" - schließlich habe auch die Geschädigte nicht behauptet, dass es zum Vaginalverkehr kam. Außerdem dürfe man nicht die sexuellen Neigungen des Angeklagten verurteilen. Und: Als die Frau klar gesagt hätte, dass sie nicht mehr wolle, habe der Angeklagte auch sofort aufgehört. Die Verteidigung fordert eine Haftstrafe von maximal einem Jahr - ausgesetzt zur Bewährung - wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Angeklagter entschuldigt sich

"Ich bereue es und es tut mir wahnsinnig leid, dass es so gekommen ist", sind die letzten Worte des Angeklagten. Am späten Nachmittag wird mit einem Urteil des Traunsteiner Landgerichts gerechnet.

Update, 13.45 Uhr: Schmerzensgeld bar übergeben

Auch das gibt es vor Gericht nicht alle Tage: Verteidigung und Nebenklage haben sich auf Schmerzensgeld geeinigt - "zur Entschädigung des zugefügten Leids", wie einer der drei Verteidiger anmerkt. Die 4.000 Euro werden zu Beginn der Verhandlung bar an den Anwalt der Geschädigten übergeben.

Zwei gut gefüllte Umschläge mit Euro-Scheinen drückt die Familie des Angeklagten dem Verteidiger in die Hand, der sie dann der Nebenklage übergibt. Der macht auf und zählt nach: 10er, 20er, 50er... "Stimmt, 4.000 Euro", bestätigt der Vertreter der Nebenklage. "Die Geschädigte ist zwar noch immer durch den Wind, aber sie akzeptiert es. Sie will mit der Sache jetzt endlich abschließen."

Nun beginnen die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Im Laufe des Prozesses wurde die Anklage der Vergewaltigung der zweiten Geschädigten wegen eines weiteren Gutachtens abgetrennt. Nur die zweifache Vergewaltigung des ersten Opfers wird ihm jetzt noch zur Last gelegt.

Vorbericht

War es einvernehmlicher Sex oder waren es Vergewaltigungen? Über die Dating-App "Lovoo" lernte ein Schnaitseer zwei Frauen (20 und 21 Jahre alt) kennen. Laut Staatsanwaltschaft soll er beide unabhängig voneinander am 17. Juni 2017 in seiner Wohnung vergewaltigt haben - eine Frau in der Nacht und am Morgen des 17. Juni, die andere Frau gegen Mittag. Beide Dates waren einvernehmlich, doch den Frauen wurde nach Sicht der Staatsanwaltschaft das Liebesspiel dann zu viel: Der 34-Jährige soll gebissen und geschlagen haben, die Frauen hätten sich erfolglos gewehrt

Der Prozess begann bereits im Januar, das Urteil war für den 1. Februar vorgesehen. Diverse Anträge der drei Verteidiger des Mannes zogen die Verhandlung aber in die Länge: Sie stellten einen Befangenheitsantrag gegen den vorsitzenden Richter Erich Fuchs und versuchten auch die Staatsanwältin Veronika Ritz abzulehnen und somit das Verfahren auszusetzen. Der Angeklagte machte bisher von seinem Schweigerecht Gebrauch. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. 

Am Montag um 13 Uhr wird die Verhandlung vor dem Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Es werden die Plädoyers und das Urteil erwartet. chiemgau24.de wird aktuell berichten

xe

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