„Ja, auch du kannst was bewegen!“

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Von links: Hermann Schätz, ehem. MdB, Maria Noichl, MdL, Sandra Schneider, Schülerin, Bärbel Kofler, MdB, Andreas Deutinger, Landesvors. KLJB, Benedikt Weigl, Jusos Pressereferent

Traunstein - Unter dieser Devise stand die Podiumsdiskussion beim SPD-Ortsverein im Gasthof Sailer Keller. Die Hälfte der über fünfzig Besucher waren Jugendliche:

Ortsvorsitzender Christian Kegel konnte mit der Bundestagsabgeordneten Dr. Bärbel Kofler, der Landtagsabgeordneten Maria Noichl und Hermann Schätz als ehemaligem Bundestagsabgeordneten politisch Aktive von heute und früher auf dem Podium begrüßen. Mit Andreas Deutinger aus Tacherting, dem Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung und Benedikt Weigl, Pressereferent der Traunsteiner Jusos, saßen zwei sehr junge politisch Aktive mit auf dem Podium, dazu die Traunsteiner Schülerin Sandra Schneider. „Ich habe keinen Bock auf Politik! Die da oben machen eh, was sie wollen, was soll ich als Einzelner da ausrichten? Diese Aussagen vieler Jugendlicher welche häufig dann auch nicht zur Wahl gehen, nahm der Vorsitzende der Traunsteiner SPD zum Anlass, um Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen zu aktiver Teilnahme junger Menschen an unserer Gesellschaft.

Das Elterhaus hat Einfluss,ob sich Kinder später für Poltik interessieren

Dass das Elternhaus einen großen Einfluss darauf hat, ob sich die Kinder später für Politik interessieren, wurde bei mehreren Podiumsteilnehmern sehr deutlich, als sie berichteten, wie sie zur Politik gekommen seien. Wenn es ganz normal ist, dass in der Familie über das aktuelle Tagesgeschehen auch in der Politik gesprochen wird, wirkt sich das auch auf das spätere Verhalten von Jugendlichen aus, hieß es. Die Schule dagegen hat hier offenbar einen geringeren Einfluss. Hier hätte Sandra Schneider gerne, dass mehr Zeit für das Fach Sozialkunde bliebe und dass öfter Aktuelles aus der Politik im Unterricht besprochen würde. Hermann Schätz berichtete, dass er aus Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen nach dem Krieg zur Politik gekommen sei. Benedikt Weigl will sich für Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen und findet es richtig, dass dies in Parteien geschieht, da nach unserem Grundgesetz die Parteien bei der Willensbildung des Volkes mitwirken (Artikel 21).

"Nicht nur für das eigene Interesse, sondern auch für die Belange anderer einsetzen"

Auch Andreas Deutinger möchte etwas bewegen und hat sich für die Katholische Landjugend entschieden, wo er als Landesvorsitzender auch bei kirchlichen Angelegenheiten mitreden kann. Maria Noichl hält es für wichtig, sich nicht nur für eigene Interessen, sondern auch für die Belange Anderer einzusetzen, wozu sie früher in der Kommunalpolitik und jetzt im Bayerischen Landtag vielfältige Möglichkeiten hat. Bärbel Kofler bedauerte, dass es im Bundestag nicht so viele junge Abgeordnete gibt. Allerdings brauchten junge Leute auch Zeit, um ihr Persönlichkeit und ihre Meinung zu entwickeln, sie sollten aber auch Dinge sagen dürfen, die nicht glattgeschliffen und mit der herrschenden Meinung konform sind. Jugendliche davon zu überzeugen, dass sie Verantwortung übernehmen, ist für Hermann Schätz wichtig, ganz nach der Aussage von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.

Auch Benedikt Weigl möchte Jugendliche zu mehr Engagement aufrufen. Politik ist für ihn keineswegs „fad“. Dafür gebe es die Jugendorganisationen der Parteien und Verbände - so ist Politik spannend und macht Spaß, meinte er. Für Andreas Deutinger steht auch das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund, wie etwa beim Pfingsttreffen der Landjugend. Außerdem hält er Vorbilder für wichtig. Politikverdrossenheit und schlechte Wahlbeteiligung liegen für Maria Noichl auch daran, dass die Sprache der Politik oft unverständlich ist und die Probleme zu komplex sind. Man könne nicht alles auf einen einfachen Nenner bringen, aber es sollte mehr Mühe darauf verwendet werden, forderte die Abgeordnete die Politiker auf. Andreas Deutinger berichtete von einem Jugendaustausch mit Weißrußland, wo kirchliche Jugendgruppen im Untergrund arbeiten mussten. So etwas könne man sich bei uns zum Glück gar nicht vorstellen. Umso wichtiger sei es, dass wir die demokratischen Rechte, die wir haben, auch wahrnehmen. Das bekräftigte auch Bärbel Kofler: „Demokratie muss immer wieder neu erarbeitet werden, sie ist auch in Europa nicht überall selbstverständlich“.

Jugendliche müssen schon in der Schule lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden

Christian Kegel fragte die Jugendlichen nach ihren Vorstellungen, wie sie ihre Anliegen besser vorbringen wollen. Für eine Jungbürgerversammlung sprach sich Andreas Deutinger aus. Benedikt Weigl wünscht sich in Traunstein einen Jugendbeirat mit beratender Stimme im Stadtrat. Sandra Schneider möchte, dass Jugendliche schon mit sechzehn Jahren wählen dürfen. Sie hätte gerne beim Volksbegehren gegen Studiengebühren mit abgestimmt. Wie man Schülerinnen und Schüler aller Schularten für Politik gewinnen könne, fragte Florian Kick in der anschließenden Diskussion. Das Problem sei, dass viele Jugendliche nach dem Abitur zum Studium aus der Region weggingen. Eine Möglichkeit sei das persönliche Gespräch, zum Beispiel bei einem politischen Stammtisch, schlug Benedikt Weigl vor. Franziska Wallner fand, dass die Jugendlichen in der Schule schon lernen sollten, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese in einer Diskussion zu vertreten.

Ernst Holl hat gute Erfahrungen damit gemacht, Jugendliche direkt anzusprechen, zum Beispiel an Info-Ständen. Maria Noichl plädierte dafür, dass ältere Politiker auch rechtzeitig für Jüngere Platz machen sollten. Dass es keine Patentlösung gibt, wie man Menschen dazu bringt, sich in die Gesellschaft und in die Politik einzubringen, das stellte Christian Kegel in seinem Fazit fest. Er bedankte sich deshalb besonders bei den ganz jungen Diskussionsteilnehmern, weil sie ohne Scheu gegenüber den „Politprofis“ öffentlich Stellung bezogen hatten. Der Ortsvorsitzende forderte sie auf, sich weiterhin einzumischen, ganz im Sinne von John F. Kennedy, der einmal gesagt hat: „Frage nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern frage, was du für deinen Staat tun kannst“.

Ingrid Bödeker, SPD Traunstein

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