Salzmuseum weiter nicht in Sicht

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Salzkristalle aus einem Salzbergwerk.

Traunstein - Trotz zahlreicher Unsterstützer ist ein Salzmuseum in Traunstein nach wie vor nicht in Sicht. Die öffentliche Hand winkt ab: In den Kassen ist kein Geld.

Ein Salzmuseum in Traunstein ist nach wie vor nicht in Sicht. Hinter den Kulissen bemühen sich Bürger, unterstützt vom Förderverein Alt-Traunstein und vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein, um die Schaffung einer Einrichtung, die die fast 300-jährige Salzgeschichte in der Stadt dokumentiert - bislang jedoch ohne Erfolg. Die öffentliche Hand winkt ab: In den Kassen ist kein Geld.

Zur Sprache kam das Projekt in der Jahreshauptversammlung des Historischen Vereins dieser Tage in der Zieglerwirtsstube des Heimathauses. Und für alle, die ihre Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, hatte Vorsitzender Hans Helmberger keine guten Nachrichten. Im Gegenteil, was er über ein Gespräch mit Landrat Hermann Steinmaßl und Oberbürgermeister Manfred Kösterke zu berichten wusste, stimmte nachdenklich. In der Besprechung seien die Befürworter eines Salzmuseums "auf den Boden der Tasachen geholt" worden. Aus "finanziellen Gründen" bestehe "keine Chance" auf Verwirklichung des Vorhabens. Im Klartext: Weder der Landkreis noch die Stadt haben Geld für die Errichtung und den Betrieb eines Museums.

Schon seit geraumer Zeit bemühen sich einige Privatleute in Traunstein - allen voran Otto Huber und Dietrich von Dobeneck - um die Errichtung eines Salzmuseums. Möglichkeiten haben sie in Vorträgen bereits mehrfach aufgezeigt. Etwa die Umnutzung des Rupertistadels, früher ein Bestandteil der salinarischen Anlage in der Au, heute Unterkunft für die Flussmeisterstelle, haben sie angedacht. Diese Möglichkeit ist allerdings zu streichen. Der Grund: Das Wasserwirtschaftsamt hat zu verstehen gegeben, den Rupertistadel nicht herzugeben. Auch einen Neubau haben sie angeregt. Doch eine Baumaßnahme kostet viel Geld - Geld, das die öffentliche Hand, in erster Linie die Stadt und der Landkreis, nicht auf der hohen Kante liegen haben.

Die historische Ausgangslage: Von 1616 bis 1619 ließ der damalige Herzog, später Kurfürst, Maximilian eine Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein bauen. Als die Sole, das Salzwasser, nach Traunstein zu fließen anfing, nahm die Saline ihren Betrieb auf. Fast 300 Jahre produzierte sie Salz, das "Weiße Gold". 1912 stellte der Staat dann den Betrieb ein, weil er nicht mehr den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg brachte. 2019 jährt sich die Inbetriebnahme der Saline zum 400. Mal - ein guter Grund, die Geschichte des Salzwerkes wieder aufleben zu lassen, das die Entwicklung der Stadt und ihrer Umgebung über Jahrzehnte und Jahrhunderte doch so sehr geprägt hat.

In der Versammlung des Historischen Vereins betonte Oberbürgermeister Kösterke, dass die Stadt auf das Jubiläum 400 Jahre Saline hinarbeite. Die Inbetriebnahme der Saline sei "eines der wichtigsten Daten in der Stadtgeschichte" - was auch zu würdigen sei. Im Rathaus sei eine Arbeitsgruppe geplant. Als Ziel gab der Oberbürgermeister aus, 2019 eine Reihe von Veranstaltungen anzubieten. Kösterke betonte: "Wir brauchen eine deutliche Veränderung der Präsentation der Salzgeschichte."

Auch und gerade mit Blick auf das Jubiläum denkt Kösterke - selbst auch ein Mitglied des Historischen Vereins - daran, die Soleleitung als "erste Pipeline der Welt" in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Und ebenso bemühe sich die Stadt um einen Anschluss an den geplanten "Salzalpensteig". Der "Premiumwanderweg" werde - so weit sich die Vorbereitungen bislang abzeichnen - an Traunstein vorbeigehen. Über Siegsdorf und Inzell werde die Stadt jedoch versuchen, sich anzuhängen.

Freude wie auch Enttäuschung lösten die Worte des Oberbügermeisters in der Versammlung aus: zum einen Freude darüber, dass die Stadt die Präsentation der Salzgeschichte verbessern wolle, zum anderen Enttäuchung, weil das Projekt Salzmuseum nicht die von den Befürwortern erhoffte finanzielle Unterstützung erfährt. Die Kritik: Der Stadt sollte doch ihre Salzgeschichte etwas wert sein.

In der Diskussion forderte der Oberbürgermeister mit Nachdruck, nicht in Wunschdenken zu verfallen, sondern die Realitäten im Auge zu behalten. Insbesondere führte er aus, dass nicht nur die Errichtung eines Salzmuseums viel Geld kosten würde, sondern - wenn man noch einen Schritt weiter geht - dann vor allem auch der Betrieb. Er sah keine Möglichkeit, das nötige Geld zu beschaffen. Ein Museum würde den Haushalt der Stadt "stark strapazieren", winkte er ab.

Dr. Jürgen Eminger, der Leiter des Heimatmuseums, machte deutlich, dass die Idee, ein Salzmuseum zu schaffen, keineswegs neu sei. Im Gegenteil, schon vor 30 Jahren seien Pläne im Raum gestanden, die in diese Richtung gegangen seien. Immer wieder habe sich jedoch gezeigt, dass sie sich - aus finanziellen Gründen - nicht haben verwirklichen lassen. Eminger schlug vor, wie er weiter ausführte, einen anderen Weg einzuschlagen: das bestehende Heimatmuseum zu erweitern.

In diesem Zusammenhang sieht Oberbürgermeister Kösterke, wie er am Rande der Versammlung deutlich machte, eine Vergrößerung für gar nicht so abwegig. Im Gegenteil: Langfristig sei durchaus denkbar, dass sich die Stadt um angrenzende Räume bemüht und schließlich dem Museum zuschlägt.

pü/Chiemgau-Zeitung

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