Traunstein im Energiewandel

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Energiewende in Traunstein: Das Wasserkraftwerk St. Johann an der Mittleren Salzach erzeugt in Zukunft den Strom für die Kunden der Stadtwerke Traunstein. (Foto: Salzburg AG)

Traunstein - Während sich Landrat Herrmann Steinmassl gegen den Einsatz von Windkraftausspricht, ist die Umstellung der Stadt auf erneuerbare Energien bereits beschlossene Sache. Und schon 2011 soll es los gehen.

Während Bundesregierung und Opposition noch über die Energiepolitik der Zukunft streiten, vollzieht auf lokaler Ebene die Stadt Traunstein eine Energiewende von historischer Bedeutung: Die Stadtwerke werden am 1. Januar 2011 die Stromversorgung auf erneuerbare Energien umstellen und ihre Kunden zu 100 Prozent mit Strom aus Wasserkraft beliefern. Für das gute Gefühl, die Umwelt und das Klima für nachfolgende Generationen zu schützen, müssen die Stromkunden der Stadtwerke keinen Cent mehr bezahlen. „Der Strompreis bleibt unverändert und auch sonst merken die Verbraucher keinen Unterschied“, betonten die Geschäftsführer Stefan Will und Josef Loscar, als sie am Freitag die Neuausrichtung der Stadtwerke bekannt gaben. Erzeugt wird der umweltfreundliche Strom für Traunstein in einem Wasserkraftwerk der Salzburg AG im benachbarten Österreich. Die Umstellung für die rund 12.000 Privat- und Gewerbekunden der Stadtwerke erfolgt automatisch zum 1. Januar nächsten Jahres.

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Von einer „zukunftsweisenden Entscheidung“ sprach Oberbürgermeister Manfred Kösterke. „Der Ansatz, ausschließlich Strom aus Wasserkraft anzubieten, macht die Stadtwerke Traunstein zu einer umweltfreundlichen Alternative zu Anbietern, die auf den konventionellen Energiemix und damit auf Atomstrom setzen“, so der Oberbürgermeister. Als Vertreter der Stadt Traunstein, die der einzige Gesellschafter der Stadtwerke ist, wird Kösterke in zwei Wochen den Vertrag mit der Führungsspitze der Salzburg AG unterzeichnen. Mit dem österreichischen Energieversorger arbeiten die Stadtwerke seit vielen Jahren eng zusammen.

Die mit der Salzburg AG vereinbarte Liefermenge reicht aus, um den Verbrauch der Traunsteiner Kunden vollständig aus Wasserkraft zu decken. Durch den Vertragsabschluss sichern sich die Stadtwerke eine jährliche Strommenge von 60 Millionen Kilowattstunden aus dem Laufwasserkraftwerk St. Johann, das nur 70 Kilometer von Traunstein entfernt liegt. Die Anlage mit einer Leistung von 16,5 Megawatt ist Teil der Gemeinschaftskraftwerke an der Mittleren Salzach. Stadtwerke-Geschäftsführer Josef Loscar sieht in der regionalen Erzeugung einen klaren Vorteil gegenüber anderen Ökostrom-Anbietern und betont, dass der Strom auch tatsächlich in das deutsche Netz eingespeist wird: „Es handelt sich um eine echte, physikalische Lieferung und nicht nur um ein virtuelles Windspiel.“

Auch der Oberbürgermeister macht deutlich: „Ich finde es wichtig, dass der Strom nicht irgendwo eingekauft wird, sondern die Kunden die Herkunft genau nachvollziehen können“ Den Stromkunden empfiehlt Kösterke, sich nicht von Kampagnen zum Anbieter-Wechsel blenden zu lassen, wie sie von einigen ökologischen Parteien und Gruppen auch in der Stadt betrieben werden. Genau wie Ökostrom-Anbietern setzen die Stadtwerke in Zukunft auf erneuerbare Energien, haben laut Kösterke aber den Vorteil einer starken regionalen Ausrichtung: „Die Stadtwerke gehören der Stadt Traunstein und damit den Traunsteiner Bürgern. Wer seinen Strom von den Stadtwerken kauft, unterstützt seine Heimatstadt.“ Die Gewinne der Stadtwerke würden nicht an Aktionäre ausgeschüttet, sondern kämen über den Stadthaushalt wieder wichtigen öffentlichen Einrichtungen wie den Kindergärten, der Stadtbücherei oder der Musikschule zu Gute.

Pressemitteilung der Stadt Traunstein

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