BRK-Bilanz: So dramatisch war das Hochwasser

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Oft war es nur mit einem Boot der Wasserwacht möglich, Bewohner aus den Fluten in Sicherheit zu bringen. So richteten die Wasserwachtler der Schnellen Einsatzgruppe in Tittmoning einen Pendelservice per Boot für die Feuerwehr ein, um eingeschlossene Häuser zu erreichen zudem sicherten sie Feuerwehrleute an den Dammarbeiten.

Traunstein - Zwar ist die Hochwasserkatastrophe nun schon zwei Wochen her, doch die dramatischen Eindrücke davon werden länger in Erinnerung bleiben. Das BRK zeiht Bilanz:

Verzweifelte Menschen und Häuser, die in den Fluten versinken – dieses Bild bot sich den Einsatzkräften des Traunsteiner Kreisverbandes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) vor allem während der Hochwassereinsätze in Deggendorf. Verschiedene Einheiten waren in mehreren Krisenregionen im Einsatz: neben Deggendorf auch in Freilassing und im eigenen Landkreis – insgesamt über 130 Rotkreuzler. Noch immer ist es jederzeit möglich, dass wieder eine Traunsteiner BRK-Katastrophenschutz-Einheit ausrückt, um die Helfer im Hochwasser zu unterstützen.

BRK-Kreisbereitschaftsleiter Jakob Goess wird die Bilder so schnell nicht vergessen, die er seit seinem Katastrophenschutz-Einsatz in Fischerdorf in Deggendorf im Kopf hat. "Ich habe das alles sehr dramatisch empfunden. Man kann sich diese Situationen nicht wirklich vorstellen, wenn man sie nicht selbst gesehen hat." Er war als Helfer in Deggendorf dabei, wo seine Rotkreuz-Einheit zunächst von einer Sammelstelle registriert und dann eingeteilt wurde. Eine der ersten Aufgaben für die Traunsteiner Rotkreuzler bestand darin, Aufräumarbeiten in und um Fischerdorf abzusichern, um im Notfall sofort zur Stelle zu sein. Bei den Einsätzen in Deggendorf wechselten sich verschiedene Rotkreuz-Einheiten über mehrere Tage ab, um den örtlichen Rettungsdienst und verschiedene Evakuierungsmaßnahmen zu unterstützen.

"Sehr beeindruckt hat mich die Solidarität vieler Freiwilliger, die oft von weit her angereist waren, um zu helfen," erzählt der ehrenamtliche BRK-Kreisbereitschaftsleiter. Sie arbeiteten stundenlang mit Schaufel, Besen und Kübel und wurden dann in den BRK-Notunterkünften versorgt. "Hier wurden allein 2000 Essen pro Mahlzeit an die Helfer ausgegeben", so Goess, der zudem einer der beiden Leiter des BRK-Rettungsdienstes im Landkreis Traunstein ist, und auch 2002 bei dem Hochwasser in Dresden dabei gewesen war.

Die Evakuierung von Bürgern, die vom Hochwasser eingeschlossen waren oder ihre Wohnung verlassen mussten – das war eine der vielen Aufgaben der heimischen Rotkreuzler, die sowohl im heimischen Landkreis, wie auch in anderen Krisengebieten im Einsatz gewesen sind.

"Aber das hier in Fischersdorf habe ich sehr viel intensiver erlebt. Vor allem auch den Willen zum Wiederaufbau und die Dankbarkeit der Bürger gegenüber uns Hilfskräften." Zehn Einsatzkräfte der Rotkreuz-Bereitschaften Traunstein und Siegdorf, die zusammen die "Schnelle Einsatzgruppe Behandlung Mitte" bilden, machten sich am ersten Tag der Katastrophe auf den Weg nach Freilassing und halfen hier, eine Betreuungsstelle in einer Schule für etwa 200 Personen aufrecht zu erhalten. Die meisten von ihnen mussten eine Zugfahrt wegen Überflutung unterbrechen. "Betten, Decken, sowie Essen und Getränke waren hier gefragt", berichtet einer der Helfer, der Traunsteiner BRK-Bereitschaftsleiter Florian Zeltsperger.

Einsätze im Traunsteiner Landkreis

Auch im eigenen Landkreis waren die Traunsteiner Rotkreuzler mehrmals gefordert. So wurde die Mannschaft der Rettungswache in Reit im Winkl verdoppelt, da der Ort einen Tag lang von der Umwelt abgeschnitten war und Verletzte im Ort nur in der Rettungswache behandelt werden konnten oder mit dem Rettungshubschrauber ausgeflogen werden mußten. Zudem wurden auch die Rettungswachen in Grassau verstärkt und zusätzliche Rettungsfahrzeuge in Marquartstein für eine mögliche Evakuierung bereit gehalten.

In Grassau waren Rotkreuzler mit dabei, um Evakuierte in der Schule zu betreuen und zu versorgen. In Tittmoning stand ein Rettungswagen bereit, um bei Notfällen oder Unfällen während der Deicharbeiten Hilfe zu leisten. In Inzell drohte der Campingplatz zu überfluten – hier war die spezielle Katastrophenschutz-Einheit "SEG Behandlung" im Einsatz und betreute die Campingplatzbewohner. Zudem wurden alle Rotkreuz-Feldbetten im Landkreis auf dem Gelände des Traunsteiner BRK-Zentrums auf Abruf gelagert, kamen aber glücklicherweise nicht zum Einsatz.

Des weiteren übernahmen ausgebildete Rotkreuzler während der akuten Hochwasserkrise im Landkreis die Sanitäts-Einsatzleitung, die Teil des Katastrophen-Führungsstabes des Landratsamtes ist. Auch der Rettungshubschrauber Christoph 14 war während des Hochwassers ständig im Einsatz: Die Mannschaften, bestehend aus Pilot, Notarzt und BRK-Rettungsassistent, bargen fünf Patienten mit Hilfe des Rettungsseils. Günter Hocheder, einer der sechs Luftrettungsassistenten des Roten Kreuzes, erinnert sich an einen Einsatz: "Wir setzten mit dem Rettungstau einen Bergwachtler und einen Notarzt auf dem Balkon eines überfluteten Hauses in Freilassing ab. Nachdem der Notarzt den älteren Patienten untersucht hatte, wurde dieser liegend mit dem Luftrettungssack rausgeflogen und dem Rettungsdienst übergeben." Auch die Schnelle Einsatzgruppe der Wasserwacht Obing wurde zwei Mal alarmiert.

Ihr Weg führte nach Tittmoning, wo Einsiedlerhöfe vom Wasser eingeschlossen waren. Mit Hilfe von Booten richteten die Wasserwachtler hier für die Feuerwehr einen Pendelservice ein, um die Bewohner betreuen zu können – notfalls auch medizinisch.

Schäden an Wasserwachts-Hütten

Auch der Rotkreuz-Kreisverband listet einige Schäden auf – betroffen sind vor allem einige Hütten der Wasserwachtstationen, wie Tettenhausen, Taching, Schnaitsee, Obing und Waging. Am schlimmsten hat es die Überseer erwischt. Wasserwachts-Ortsgruppenleiter Markus Konstantin schätzt den Schaden auf mindestens 16 000 Euro.

Schmerzlich ist vor allem der Verlust der Funkanlagen. "Die Überseer Wasserwachtsstation hat noch nie soviel Wasser gesehen – innen stand es 71 Zentimeter hoch." Aber von Resignation ist nichts zu spüren. "Es muss weitergehen, wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir haben alles versucht möglichst viel zu retten. Aber solche Situation muss man akzeptieren. Wir sind bereits beim Aufräumen und wieder Herrichten - Dank vieler freiwilliger Helfer geht es vorwärts." Trotz eigener Schäden zieht BRK-Kreisgeschäftsführer Kurt Stemmer eine positive Bilanz der bisherigen Rotkreuz-Einsätze während des Hochwassers.

"Der Grundgedanke von Henry Dunant, der vor 150 Jahren das Rote Kreuz gegründet hat, ist wieder einmal erfolgreich umgesetzt worden: In ruhigen Zeiten eine Organisation gründen, die gut funktioniert und dann in Krisenzeiten erfolgreich helfen kann." Für Kreisbereitschaftsleiter Jakob Goess ist ein Einsatz im Hochwasser nachwievor jederzeit möglich. "Wir stehen Gewehr bei Fuß und starten dann weiß Gott wohin...."

Pressemeldung BRK Kreisverband Traunstein

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