Kinderkrippen: Richtiger Weg in die Zukunft?

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Traunstein/Berchtesgadener Land - Die Freien Wähler informierten sich in der Kinderkrippe Siegsdorf über Chancen ganzheitlicher Frühförderung.

Ein früher umstrittenes Thema wird Alltag: Ab 1. August haben Eltern in Deutschland für jedes Kind ab dem vollendeten 1. Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Auf Initiative des Siegsdorfer Landtags-Direktkandidaten Dr. Lothar Seissiger trafen sich aus diesem Anlass die Land- und Bezirkstagskandidaten der Freien Wähler (FW) im Kreis Traunstein und Berchtesgadener Land zu einem Informationsgespräch in der Kinderkrippe Siegsdorf. Die Gemeinde Siegsdorf war hier unter den Landgemeinden ein Vorreiter.

Bürgermeister Thomas Kamm berichtete vom wachsenden Bedarf: 2009 zunächst in einem umgebauten Einfamilienhaus eröffnet, wurde die Siegsdorfer Krippe bereits 2011 auf zwei Gruppen erweitert. Dafür wurde das ehemalige Nebengebäude einer Metzgerei zum Null-Energie-Haus umgebaut. „Für mich ist die Kinderkrippe eine Einrichtung, an der wir in Zukunft nicht mehr vorbei kommen“, eröffnete Allgemeinarzt Dr. Seissiger eine rege Diskussion. Die oft hoch qualifizierten Mütter bräuchten Freiräume, um ihren Beruf auszuüben. Unverzichtbar für ganzheitliche Frühförderung der Kinder sind Krippen nach Ansicht des FW-Gemeinde- und Kreisrats bei Alleinerziehenden und sozial schwachen Familien: Sie beugten späteren Jugendhilfe-Fällen vor. Auch ein Gefühl für Naturkreisläufe werde vermittelt.

Er erkundigte sich nach Erfahrungen mit Kindern mit Migrationshintergrund. Wie Krippen-Leiterin Kerstin Hagenauer berichtete, nahm sie zwei solche Kinder auf, die dann auf einmal Deutsch sprachen, obwohl daheim nur ihre Muttersprache gesprochen wird. Durch Verse und Lieder, oft mit Bewegung verbunden, entwickelten die Kinder spielerisch sprachliche Fähigkeiten. Auch für Wege der Kooperation mit den Eltern und der Qualitätssicherung interessierten sich die Kandidaten, darunter auch Michael Koller aus Berchtesgaden für den Landtag sowie Annelie Gromoll aus Inzell und Brigitte Rudholzer aus Laufen für den Bezirkstag.

Dazu tragen laut Karl-Heinz Oberhuber, Leiter des Trägers St. Josef Traunstein, jährliche Elternbefragungen und Mitarbeitergespräche sowie Fortbildungen bei. Koller erzählte aus seinem Alltag als Berufsschullehrer, dass vielen Jugendlichen soziale, emotionale und körperliche Fähigkeiten fehlten. Dies deckt sich Hagenauers und Oberhubers Erfahrung aus Elterngesprächen: Viele interessiere nur, was die Kinder kognitiv lernen. Freiräume, Entspannung, Kreativität und emotionale Förderung komme oft kurz. In Elternabenden, zum Beispiel zum Thema „Freispiel“ oder „Spielen“, versucht Hagenauer, den Eltern die Bedeutung solcher Aktivitäten für das soziale und emotionale Lernen zu vermitteln. „Der Aufwand für die ,Elternerziehung' wird immer größer. Aber wenn ich etwas verändern will, geht es nur miteinander“, betonte Oberhuber. Um den angesprochenen Werteverlust aufzufangen, regte Gromoll ein soziales oder ökologisches Pflichtjahr und Rudholzer eine gezieltere Förderung einzelner Familien sowie lebenspraktische Fächer an der Schule an.

Pressemitteilung Freie Wähler

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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