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Tödliche Silvesternacht in Burghausen

Ukrainer brutal mit Bratpfanne erschlagen: Minderschwerer Fall?

Der russische Täter legte erfolgreich Revision gegen sein Urteil ein.
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Der Täter aus Russland legte erfolgreich Revision ein.

In der Silvesternacht 2020 kam es in Burghausen zu einem Streit, der mit dem Tod eines Ukrainers endete. Der russisch-stämmige Täter ging nun erfolgreich in Revision.

Burghausen, Traunstein – Das Opfer war ein 49-jähriger Ukrainer, der Täter ein russischer Kriegsveteran (62). Im Spiel waren diverse Beleidigungen des Ukrainers gegen den gebürtigen Russen und Putin, sowie ein Messer und eine Bratpfanne. Für den Ukrainer endete die Silvesternacht 2020/21 tödlich: Er verblutete in seinem Bett, während sein Kontrahent den Rausch ausschlief. Das Urteil des Landgerichts in Traunstein fiel am 25. Oktober 2021: Sechs Jahre Freiheitsstrafe für Körperverletzung mit Todesfolge, jedoch ohne Tötungsabsicht. Der verurteilte Sergiy K. war damit nicht einverstanden und legte erfolgreich Revision ein.

Verteidiger beantrage drei Jahre Freiheitsstrafe

Mit dem Entscheid des Bundesgerichtshofes (BGH) ist die Kammer des Landgerichts Traunstein jedoch nicht sehr glücklich. Laut Richterin Christina Braune sei deutlich aus der Begründung herauszulesen, dass der BGH die Annahme eines minderschweren Falls erreichen wollte. Die Kombination der emotionalen Belastung durch den vorangegangenen Streit der beiden Männer plus der massiven Alkoholisierung des Täters würden die Schuldfähigkeit des Täters einschränken. Das aktuelle Urteil vom 20. Juli macht allerdings wenig Unterschied, da die Freiheitsstrafe sich nur um zwei Monate verkürzt. Braune erwartet nun, dass der Täter erneut Revision einlegt, da sein Verteidiger bloß dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe beantragt habe.

Was ist damals passiert?

Laut dem Urteil von Oktober 2021 wohnte der verurteilte Sergiy K. zusammen mit Opfer Vasili S. in der Asylunterkunft in Lindach, Burghausen. Sowohl der gebürtige Russe Sergiy als auch der Ukrainer Vasili waren zu dem Zeitpunkt massive Trinker und hatten im betrunkenen Zustand heftigste Streitigkeiten wegen politischer Meinungsverschiedenheiten. Diese sollen zum Teil körperlich geworden sein. Am 31. Dezember 2020 habe der Verurteilte bereits zu Mittag begonnen, Wodka zu trinken und bis kurz vor dem Jahreswechsel einen Liter davon intus gehabt. Auch der Ukrainer habe – wie üblich – schon große Mengen Alkohol zu sich genommen.

Zwischen 22 und 23 Uhr soll es erneut zu einem heftigen Streit gekommen sein, in dessen Verlauf der Ukrainer den Russen als Kinderschänder und Putin als Päderasten bezeichnet haben. Außerdem soll er dem Russen ein Messer gezeigt und ihm damit angedroht haben ihn umzubringen. Dann soll Vasili den Russen am Kragen gepackt und mit der Faust in die Brust geschlagen haben, woraufhin Sergiy ihn weggestossen haben soll. Dann habe der Russe zu einer knapp ein Kilo schweren Bratpfanne auf dem Bettisch des Ukrainers gegriffen. Während das Opfer auf der Bettkante saß oder davor stand, habe der Verurteilte mehrmals mit der Pfanne auf den Kopf Vasilis eingeschlagen. Während dieser umkippte und seitlich auf dem Bett zum Liegen kam, habe er weiter auf Kopf und Gesicht des Ukrainers eingeschlagen.

Täter schläft ein während Opfer verblutet

Nach der massiven Körperverletzung, bei der der Ukrainer mehrere Schädelbrüche erlitt, starb er nicht unverzüglich. Vasili S. soll sich aufgesetzt, das Blut aus seinen Wunden in einem Eimer aufgefangen, mit dem Russen geredet und Wasser getrunken haben. Sergiy K. gab an gefragt zu haben, ob Vasili ärztliche Hilfe benötige, was dieser verneinte. Dann habe der gebürtige Russe den Eimer mit dem Blut in der Gemeinschaftstoilette entleert und mit einem Handtuch das Blut vom Boden gewischt. Anschließend habe er sich schlafen gelegt, während der Ukrainer laut Sachverständigem im Bett das Bewusstsein verloren und wegen Verblutens zwischen 5.30 und 8.30 Uhr gestorben sein soll. Gegen 9.30 Uhr habe Sergiy K. dem Sicherheitsdienst mitgeteilt, dass sein Mitbewohner tot sei. Im Urteil wurde dem Verurteilten für die Zeit der Tat eine Blutalkoholkonzentration von 3,6 bis 5,1 Promille zugeschrieben, während der Ukrainer 3,1 Promille Blutalkohol aufgewiesen haben soll.

Der Täter soll als gebürtiger Russe jahrelang in der ukrainischen Stadt Charkiw gelebt und dort auch eine Familie gegründet haben. Inzwischen besitzt er die ukrainische Staatsbürgerschaft, habe sich in dem Land als „Russe“ jedoch unterdrückt gefühlt. Deswegen sei er nach seiner Scheidung in die Tschechei und dann nach Deutschland gegangen.

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