Streit um Jobs: OB Kösterke contra Telekom

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Traunstein - Die Traunsteiner Telekom-Mitarbeiter wollen nicht, dass ihre Arbeitsplätze nach Augsburg verlagert werden. OB Manfred Kösterke unterstützt sie. NEU: Jetzt wehrt sich die Telekom.

Traunsteins OB Manfred Kösterke

Als „Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter“ hat Oberbürgermeister Manfred Kösterke die Ankündigung der Deutschen Telekom kritisiert, den Geschäftskundenbereich am Standort Traunstein zu schließen und die Arbeitsplätze nach Augsburg zu verlagern. Von den Plänen der Telekom sind in Traunstein 32 Mitarbeiter betroffen. Am Donnerstag wurde noch dazu bekannt, dass die Telekom offenbar auch die Verlagerung von zwölf Arbeitsplätzen in der IT-Sparte plant. Das berichtete eine Abordnung von Telekom-Mitarbeitern, die in der Mittagspause ins Rathaus kamen, um ihrem Ärger über die Arbeitsplatzverlagerung Luft zu machen: In Wirklichkeit gehe es der Telekom um ein „billiges Personalabbaukonzept“, da Arbeitnehmer mit Familie und Eigenheim nicht die Möglichkeit hätten, an den neuen Standort umzuziehen. Vor allem ältere Mitarbeiter, die auf dem Arbeitsmarkt ohnehin chancenlos seien, würden dadurch auf der Strecke bleiben und durch schlechter bezahlte Zeitarbeitskräfte ersetzt, lautet der Vorwurf der Telekom-Beschäftigten, die seit dem Bekanntwerden der Umbaupläne in Traunstein keine berufliche Perspektive mehr für sich sehen.

Oberbürgermeister Manfred Kösterke versicherte den Telekom-Mitarbeitern, sie in der Auseinandersetzung um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu unterstützen. „Mit ein wenig gutem Willen findet die Telekom sicher eine Lösung, die Arbeitsplätze in Traunstein zu belassen.“ Nach den ersten Berichten über die geplante Arbeitsplatzverlagerung hat Kösterke bereits ein Schreiben an Telekom-Chef René Obermann verfasst und die Arbeitsplatzverlagerung scharf kritisiert. Unter anderem schreibt der Oberbürgermeister: „Ich bitte Sie dringend, den Schritt noch einmal zu überdenken, bedeutet er doch für viele Beschäftigte den Schritt in die Arbeitslosigkeit.“

Sollte der Geschäftskundenbereich tatsächlich von Traunstein nach Augsburg verlagert werden und darunter die Servicequalität leiden, erwartet Kösterke auch Widerstand von Seiten der Unternehmen im Landkreis Traunstein: „Gerade für Geschäftskunden ist es wichtig, dass Sie vor Ort einen kompetenten Ansprechpartner haben und nicht irgendwo in 200 Kilometer Entfernung.“ Die Telekom sollte nicht vergessen, dass nicht nur Arbeitsplätze mobil sind – sondern auch ihre Geschäftskunden jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln können, wenn sie mit dem Service unzufrieden sind.

Pressemitteilung der Stadt Traunstein

Reaktion der Telekom auf die Kösterke-Initiative:

In der Mitteilung der Stadt Traunstein wird der Telekom in Zitaten unterstellt, ein "billiges Personalabbaukonzept" zu verfolgen, dass zudem der Service-Qualität schade. Telekom-Beschäftigte würden in Traunstein keine berufliche Perspektive mehr sehen. Dazu möchte ich folgende Stellungnahme geben:

Es geht in Traunstein um rund 20 Arbeitsplätze aus dem Bereich Geschäftskunden Service und Vertrieb, die nach Augsburg in ein neues, modern ausgestattetes Vertriebszentrum umziehen sollen, sowie um drei Arbeitsplätze aus dem Bereich Geschäftskunden IT-Fachkräfte, die nach Regensburg umziehen werden. Bürgermeister Kösterke befürchtet, dass die Servicequalität leiden könnte.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Standortentscheidungen werden die Marktposition des Geschäftskundenbereiches durch eine wettbewerbsfähigere Flächenstruktur verbessern. Derzeit hat die Telekom in diesem Bereich noch eine stark zersplitterte Struktur aus kleinen Außenstellen und kleinsten Büros. Diese Struktur stammt noch aus der Vergangenheit der Telekom und ist nicht mehr zukunftsfähig.

Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten, kein Mitarbeiter wird bei dem Umzug im Regen stehen gelassen. Wer aus guten Gründen seinen Arbeitsplatz in Augsburg nicht einnehmen kann, wird ein Angebot für eine vergleichbare Tätigkeit in seiner Nähe erhalten, denn der Standort Traunstein bleibt natürlich mit mehreren hundert Mitarbeitern erhalten. Insofern ist die Rede vom "billigen Personalabbau" und vom "Schritt in die Arbeitslosigkeit" vollkommen haltlos.

Im Gegenteil: das Standortkonzept der Telekom sieht Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe für moderne Arbeitsplätze in den Vertriebs- und Innovationszentren vor. Es kommen vier Millionen Euro für Maßnahmen zur Weiterbildung der Mitarbeiter hinzu.

Udo Harbers, Pressesprecher Region Süd, Deutsche Telekom AG

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