Sechseinhalb Jahre Haft für Messerstich in Bauch

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Traunstein - Zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wurde ein 35-Jähriger verurteilt, der einen 24-Jährigen mit einem Messerstich in den Bauch lebensgefährlich verletzt hat.

Nur dank einer Notoperation überlebte der 24-Jährige einen Messerstich in den Bauch, den er im September 2008 in einem Ruhpoldinger Lokal erhalten hatte. Der Täter, ein 35-Jähriger mit langer Vorstrafenliste, muss nun wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung für sechseinhalb Jahre hinter Gitter.

Mit bleichem Gesicht und starrem Blick nahm der Angeklagte die langjährige Haftstrafe auf. Es ist nicht die erste in seinem Leben. Der 35-jährige Hotelfachmann war lange im Rotlichtmilieu von Saarbrücken tätig und hat es dabei auf neun Vorstrafen gebracht. Am 28. September 2008 hatte der 35-Jährige, der im Hotel seiner Mutter in Ruhpolding arbeitete, einen Streifzug durch Lokale im Ort gemacht.

Als ihm der Wirt des "Outback" um 0.30 Uhr mit Verweis auf den Lokalschluss eine neue Flasche Prosecco verweigerte, wurde er aggressiv: Er zerdrückte mit der Hand ein Glas und warf eine leere Flasche zu Boden. Als der Wirt auch sein Trinkgeld nicht annehmen wollte, schlug der 35-Jährige mit der Faust zu. Mit Hilfe anderer Gäste und dem Einsatz eines Ochsenfiesels, den er dem Hotelfachmann zweimal über den Rücken hieb, konnte der Wirt den aggressiven Gast aus dem Lokal bugsieren.

"Der Rauswurf hat ihn sehr gewurmt", sagte der Vorsitzende Richter Karl Niedermeier in seiner Urteilsbegründung: "Er fühlte sich vom Wirt gedemütigt, wollte sich Genugtuung verschaffen und seine Ehre wieder herstellen." Der 35-Jährige ging ins mütterliche Hotel und holte ein Ausbeinmesser, mit dem er ins "Outback" zurückgekehrte. Ein 24-jähriger Gast versuchte, ihn am Betreten des Lokals zu hindern, und hielt die Tür von innen zu. Der Angeklagte warf sich gegen die Tür und öffnete sie. Den 24-Jährigen, der dabei im Weg stand, stach er mit der 14,5 Zentimeter langen Klinge in den Bauch und verletzte den Mann lebensgefährlich.

Dazu das Gericht: "Der Angeklagte hat gesehen, dass es sich nicht um den Wirt, sondern um einen anderen Mann handelt. Er hat willentlich zugestochen - auch, wenn er das bestreitet." Für einen willentlichen Stich sprächen die Zeugenaussagen und das rechtsmedizinische Gutachten.

Der 35-Jährige stürmte nach dem Stich zum Wirt und hielt diesem das Messer nahe an das Gesicht. Als der Wirt wieder zum Ochsenfiesel griff, ließ der Angeklagte von dem 51-Jährigen ab und setzte sich für eine Zeitlang, ehe er sich auf den Heimweg machte. Nahe seiner Wohnung nahm ihn die Polizei fest. Eine Blutprobe ergab eine Alkoholisierung von 1,8 Promille.

Laut Ansicht des psychiatrischen Sachverständige Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee hat dieser Wert wenig Aussagekraft: "Der Angeklagte war Alkohol gewohnt und hatte keine Ausfallerscheinungen." Trotz einer gewissen affektiven Aufschaukelung sei er zur Tatzeit voll schuldfähig gewesen.

Den Messerstich hatte Staatsanwalt Christian Sattelberger als versuchten Totschlag angeklagt. Deshalb forderte er zehneinhalb Jahre Haft. Strafschärfend wertete Sattelberger "die menschenverachtende Art" des 35-Jährigen, seine unglaubliche Brutalität und die hohe kriminelle Energie. Nebenklagevertreter Andreas Daxenberger aus Traunstein schloss sich an.

Der Verteidiger, Dr. Herbert Buchner aus Traunstein, bestritt einen Tötungsvorsatz seines Mandanten. In dem Stich sah der Anwalt lediglich eine gefährliche, wenn nicht gar eine fahrlässige Körperverletzung. Eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren sei ausreichend. Im "letzten Wort" beteuerte der Angeklagte: "Es tut mir alles sehr leid. Ich bin nicht nach Ruhpolding gekommen, um Mord und Totschlag zu verüben."

Das Schwurgericht bejahte bezüglich des Messerstichs einen "bedingten Vorsatz" des Angeklagten: "Wir glauben, dass er den Tod des 24-Jährigen billigend in Kauf genommen hat." Dennoch, so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung, sei die Kammer nicht zu versuchtem Mord oder zu versuchtem Totschlag gelangt. Der Grund: Der 35-Jährige sei freiwillig von der Tat zurückgetreten. Verwirklicht habe der Angeklagte jedoch eine gefährliche Körperverletzung. Zu seinen Gunsten seien das Teilgeständnis und eine gewisse affektive Erregung durch die Schläge mit dem Ochsenfiesel, den Rauswurf und die empfundene Ehrverletzung zu sehen.

kd/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © pa

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