Der Täter gestand in letzter Minute

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Traunstein/Rosenheim - Ein 42-jähriger Deutschrusse hatte seinen „besten Freund“ brutal getötet und wurde nun vor dem Schwurgericht Traunstein zu acht Jahre Gefängnis verurteilt.

Massivste Schläge ins Gesicht eines 43 Jahre alten Deutschrussen in der Nacht zum 17. September 2008 in Rosenheim und ein gebrochener Kehlkopf aufgrund eines Würgegriffs brachten dem Angeklagten die Strafe ein - wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Das Opfer, „bester Freund“ des Täters, erstickte buchstäblich im eigenen Blut.

Der bislang alles leugnende Täter hatte unmittelbar vor den Plädoyers ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Allerdings ließ Vorsitzender Richter Karl Niedermeier keinen Zweifel, dass der Angeklagte auch ohne Geständnis anhand von Zeugenaussagen und objektiven Beweismitteln hätte überführt werden können.

Der Vorsitzende weiter: "Obwohl das Geständnis auf den letzten Drücker kam, hat es gleichwohl ein gewisses Gewicht. Auch hat er damit Reue gezeigt." Über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Harald Baumgärtl aus Bernau, räumte der 42-Jährige gestern die Tat ein, gespickt allerdings mit Erinnerungslücken. Es sei zu einem Streit mit heftigen Schlägen und Würgen gekommen.

Der Anlass: Der betrunkene 43-Jährige habe ihn aus dem Schlaf gerissen. Keinesfalls habe er den Geschädigten töten wollen, zitierte Baumgärtl seinen Mandanten. Mit stoischer Miene, wie durchgehend in dem viertägigen Prozess, verfolgte der zuletzt in einer Hausmeisterei angestellte Angeklagte gestern die Schlussanträge. Staatsanwalt Bernd Magiera argumentierte, der 42-Jährige habe den Freund "nicht nur ein bisschen abgewatscht, sondern mehrfach brutalst geschlagen". Nachbarn hätten Tumulte und Rumpeln in der Wohnung des Opfers gehört. Der Angeklagte habe den Oberkörper des blutüberströmten Getöteten entkleidet, Jacke und T-Shirt versteckt, die Leiche mit einem Schwamm und einem Handtuch gereinigt - "um Tatspuren zu beseitigen".

In der Wohnung seien zahlreiche Blutspuren des Opfers und DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden, etwa auf der Ober- wie der Unterseite des Teppichs, mit dem er die Leiche zudeckte. Magiera beantragte zehn Jahre und sechs Monate Haft wegen vorsätzlichen Totschlags.

Von "zunächst nur wenigen Fakten in dem Verfahren" sprach gestern Verteidiger Harald Baumgärtl, der wegen Körperverletzung mit Todesfolge eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als fünfeinhalb Jahren forderte. Für das, was an jenem Abend geschah, gebe es wenig Beweise und viele offene Fragen. Deshalb sei das Geständnis "von hohem Wert": "Der Angeklagte ist der einzige, der berichten konnte, was geschehen ist." Der 42-Jährige sei angesichts des Todes seines Freundes nach den Schlägen außer sich gewesen. Der Verteidiger weiter: "Das Spurenbild allein hätte nur Spekulationen zugelassen, war aber nicht geeignet, ihn der alleinigen Täterschaft zu überführen."

Im Urteil hob der Vorsitzende Richter heraus, der Erstickungstod des Opfers sei für den Angeklagten vorhersehbar gewesen. Der genaue Tatzeitpunkt habe nicht geklärt werden können, ebenso wenig der exakte Tatablauf und - wegen eines eventuellen Nachtrunks in einer Tankstelle - der Grad der Alkoholisierung des 42-Jährigen zur Tatzeit. Nach dem Geständnis und den übrigen Ergebnissen der Hauptverhandlung sei die Kammer überzeugt: "Der Angeklagte hat dem Opfer die tödlichen Verletzungen beigebracht. Niemand anderes kann den Toten mit dem Teppich abgedeckt haben. Wenn er nicht am Tod beteiligt war, hätte es keinen Sinn gehabt, den Toten zu verbergen."

Der Vorsitzende Richter weiter: "Ein bedingter oder gar direkter Tötungsvorsatz konnte nicht mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden." Das Gericht hielt dem Deutschrussen eine gewisse Enthemmung durch die Alkoholisierung zugute. Das Opfer habe die Auseinandersetzung initiiert. Gegen den Angeklagten sprachen seine Vorstrafen, davon zwei einschlägige mit Gewalt. 

kd/Oberbayerisches Volksblatt

Rubriklistenbild: © dpa

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