Vielen das Schnitzen beigebracht

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VHS-Geschäftsführer Günter Scholz überreicht Klaus Weitemeyer (von rechts) die Ehrennadel des Bayerischen Volkshochschulverbands.

Traunstein - Seit drei Jahrzehnten bringt Klaus Weitemeyer Kursteilnehmern der Volkshochschule (VHS) Traunstein das Schnitzen bei.

Mit der Ausstellung "30 Jahren schnitzen mit Klaus Weitemeyer" in der "Alten Wache" des Rathauses will die VHS auf dieses Jubiläum gebührend hinweisen.

Zu sehen ist mit mehr als 100 Exponaten vom Eichenlaub zur Kerbschnitzarbeit, von der Madonna bis zur modernen Plastik so ziemlich alles, was man aus Holz fertigen kann. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 11. September, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

"Der den Bayern das Schnitzen beibringt" betitelte die Leine-Deister-Zeitung 2005 einen Beitrag über den gebürtigen Niedersachsen. Wie sehr dies stimmt, belegte bei der Ausstellungseröffnung VHS-Geschäftsführer Günter Scholz mit einer imponierenden Zahl. "Bis heute nahmen rund 1300 Personen an Weitemeyers Schnitzkursen teil. In den vergangenen 30 Jahren musste kein einziger Kurs abgesagt werden. Das ist eine ganz besondere Leistung." Pro Semester werden immer zwei Kurse gegeben, die stets ausgebucht sind. Waren seine Schnitzkurse zu Anfang noch eine reine "Männersache", beträgt der Frauenanteil heute mehr als 50 Prozent. Die Emanzipation am Schnitzmesser ist also vollkommen.

Die ganze Bandbreite und Faszination des Schnitzens ist noch in der Ausstellung bis Sonntag, 11. September, in der "Alten Wache" zu sehen.

Dabei hat Weitemeyer 1975 als reiner Autodidakt mit dem Schnitzen begon-nen. Bereits sechs Jahre später war er in der VHS Traunstein als Dozent für Ornamentik und Kerbschnitzen tätig. Er nahm an Seminaren und Schulungen des Bayerischen Volkshochschulverbands (BVV) teil, um seine Pädagogik und Didaktik für den Kursbetrieb zu optimieren. Von 1983 bis 1986 belegte er ein Fernstudium für Malerei und Aktzeichnen in der Kunstschule Paris in Hamburg. Von 1989 bis heute folgten regelmäßige Studienwochen in Schnitzschulen in Deutschland und Österreich.

Für sein unermüdliches Engagement in der Volkshochschule Traunstein und für seine langjährige verdienstvolle Förderung der Erwachsenenbildung überreichte Scholz ihm die Ehrennadel des Bayerischen Volkshochschulverbands. Für ihre langjährige Kursteilnahme bekamen Theresia Straßer (16 Jahre) und Rudolf Böhm (19) einen Gutschein für den nächsten Schnitzkurs.

Ein Hobby sei harte Arbeit, die niemand täte, wenn sie sein Beruf wäre, sagte Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholer-Niederlöhner, die die Ausstellung eröffnete. "Doch im Gegensatz zum Beruf ist ein Hobby eine Tätigkeit, der man nicht aus Notwendigkeit nachgeht, sondern aus Interesse, Faszination und Leidenschaft." Warum sich auch in Traunstein so viele Menschen für das Schnitzen begeisterten, zeige diese Ausstellung. Sie sprach sowohl Weitemeyer als auch seinen Kursteilnehmern ein Kompliment aus und dankte ihnen im Namen der Stadt für die Durchführung der Ausstellung.

Wiesholer-Niederlöhner nannte gleich mehrere Gründe, was Schnitzen zu einer ebenso beliebten wie besonderen Freizeitbeschäftigung macht: Schnitzen ist ein Kunsthandwerk, das bis zu den Anfängen der Menschheit zurück reicht. Schnitzen bedeutet Faszination durch verschiedene Formen, Muster und Symbole, verschiedene Materialien und unterschiedliche Werkzeuge sowie die eigene Kreativität. Schnitzen schafft etwas Einzigartiges, da keine Maschine in der Lage ist, die Individualität des Künstlers zu kopieren. Schließlich entfacht Schnitzen eine Leidenschaft, die in jedem fertigen Stück ihren Höhepunkt findet. "Es gibt also nichts Schöneres als Holz." Die Bürgermeisterin war sich sicher, dass die Besucher in der "Alten Wache" nicht nur einen Einblick in die Welt des Schnitzens erhielten, sondern der eine oder andere selbst Lust bekomme, es einmal auszuprobieren.

bjr/Chiemgau-Zeitung

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