Viermal die Traumnote 1,0 geschafft

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Vier Abiturientinnen des Chiemgau-Gymnasiums konnten Oberstufenkoordinator Stefan Ruß (links) und Schulleiter Klaus Kiesl (rechts) zur Traumnote 1,0 gratulieren: Monika Huber (Waging), Emma Pötscher (Traunstein), Hanna Kuzior (Bergen) und Hanna Mühlbacher (Wonneberg, von links).

Traunstein - Gute Nachricht für 154 Schüler des Chiemgau-Gymnasiums: Sie haben ihr Abi geschafft. Schlechte Nachricht für Landrat Steinmaßl: Er wird demnächst wohl anbauen müssen.

Der Grund: die Aula des Gymnasiums platzte bei der Abiturverleihung aus allen Nähten. Die vielen Schüler, Eltern und Lehrkräfte fanden kaum noch Platz.

"Es ist der größte Oberstufenjahrgang, den ich in meinen elf Jahren verabschiedet habe", sagte Oberstudiendirektor Klaus Kiesl bei der Zeugnisübergabe. Mit dem Ergebnis des Abiturs war der Schulleiter sehr zufrieden: Mehr als zwei Drittel haben mit "sehr gut" oder "gut abgeschlossen", über 30 Prozent haben eine Eins vor dem Komma und 20 einen Notendurchschnitt von 1,5 und besser erzielt. Die Prüfungsbesten mit der Traumnote von 1,0 waren Monika Huber aus Waging, Hanna Kuzior aus Bergen, Hanna Mühlbacher aus Wonneberg und Emma Pötscher aus Traunstein.

In seiner Ansprache befasste sich Kiesl mit dem Thema "Dummheit" und zitierte den Philosophie-Professor Martin Doehlemann, der sagt, dass die Dummheitsanfälligkeit unabhängig von Schulabschluss und Lebenserfolg jeden, also auch einen hochintelligenten Menschen, treffen kann, weil es jenseits der persönlichen Dummheit, im Sinne von Intelligenzmangel oder Bildungsdefizit, regelrechte "Dummheitssysteme" gibt. Als ein Beispiel nannte der Schulleiter Bereiche des Unterhaltungsfernsehens mit "Reality-Shows" und "Doku-Soaps".

Das zweite Beispiel war das Informationssystem mit einer für viele nicht mehr beherrschbaren Datenflut. Doehlemann sagt dazu: "Bezeichnenderweise weist schon das Wort 'surfen' auf geringen Tiefgang, auf Ziellosigkeit und Flüchtigkeit hin." Vermeintliche "Ozeane des Wissens" seien oft nur bloße Datenwüsten, die die Fata Morgana von Bildung vorspiegelten, so der Schulleiter. Dummheitssysteme böten scheinbar Lösungen, wenn Ziele nicht erreicht oder Vorstellungen nicht erfüllt würden. Sie seien daher Fluchtorte vor den Anstrengungen des prüfenden, differenzierenden Denkens.

"Hier muss die zeitgemäße Schule einsetzen", so Kiesl. Die zukunftsweisenden Ziele des Gymnasiums lägen nicht mehr in der Wissensanhäufung, sondern in der Kompetenzorientierung, Persönlichkeitsbildung und Sozialerziehung. "Wir wollen, dass unsere Schüler weniger anfällig für die Dummheitssysteme sind", betonte er. Voraussetzung sei richtig verstandenes Selbstbewusstsein bei gleichzeitiger Anerkennung des Anderen; andererseits schließe das Selbstbewusstsein die Selbstkritik ein.

Der Schulleiter sprach die Hoffnung aus, dass die Abiturienten die Bestrebungen ihrer Lehrkräfte erkennen konnten, ihnen eine gute Basis mitzugeben, damit sie ihr neues, freieres, individueller geprägtes Leben erfolgreich und sinnvoll gestalten könnten. "Seien Sie auf der Hut vor den Dummheitssystemen. Die bisher gestellten Anforderungen haben Sie alle auf jeden Fall erfüllt. Der Grundstein für den zukünftigen Erfolg ist gelegt."

Vom größten Abiturjahrgang in der Geschichte des CHG sprach der Oberstufenkoordinator, Oberstudienrat Stefan Ruß. Er bescheinigte den Gymnasiasten, dass sie sich in der Oberstufe nicht nur Wissen angeeignet hätten, sondern auch persönlich gereift seien, weil sie Einsichten und Kompetenzen gewonnen hätten.

Die Elternbeiratsvorsitzende Marlies Viermetz beleuchtete die vergangenen Jahre aus Sicht der Eltern. Sie hätten ihre Kinder durch Höhen und Tiefen begleitet. Zur Berufswahl legte sie ihnen einen Satz des Apple-Gründers Steve Jobs aus seiner bekannten Stanford-Rede ans Herz: "Du musst finden, was Du liebst." Ihr Rat lautete: "Habt den Mut, Euch Zeit für Entscheidungen zu nehmen und Eure Lebensträume reifen zu lassen." Gleichzeitig sollten sie acht- und wachsam sein mit den Menschen ihrer Umgebung und mit sich selbst.

Die Glückwünsche des Fördervereins überbrachte der Vorsitzende Ludwig Harkotte. Der Förderverein habe zu Fahrten, Exkursionen, Auslandsaufenthalten und anderen Gelegenheiten in vielfacher Weise seinen Beitrag geleistet.

Die Gefühlswelt der vergangenen Wochen aus Sicht der Schüler schilderten Claudia Postulka und Christian Freimoser. Sie hätten viel, wenig und manche zu wenig getan. Die Zeit im Gymnasium habe sie geprägt und es seien vielen Freundschaften entstanden. Nun stehe die Berufswahl als große Hürde vor ihnen. Postulka meinte dazu trocken: "Lieber den falschen Ehemann als den falschen Beruf, denn den Ehemann wird man schneller wieder los."

bjr/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser