Votum für Wertstoffhofsystem

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Traunstein/Landkreis - Der Landkreis Traunstein bleibt bei seinem seit 20 Jahren bewährten Abfallkonzept mit Wertstoffhöfen in den 35 Gemeinden, in die die Bürger ihre Wertstoffe bringen können.

Diese Entscheidung traf gestern der Kreisumweltausschuss unter Leitung von Landrat Hermann Steinmaßl mehrheitlich. Das letzte Wort zu dem künftigen Abfallkonzept liegt beim Kreistag.

Anlass, das Abfallkonzept zu überarbeiten, bieten zwei neue Gesetze - das ab 1. Juni 2012 geltende neue Kreislaufwirtschaftsgesetz und weitere neue Vorgaben zum 1. Januar 2015 hinsichtlich Bioabfällen sowie Gebrauchsgegenständen aus Wertstoffen.

Konkret für die Bürger soll sich schon in Kürze einiges ändern. So sollen sie auch bislang nicht erlaubte Dinge an den Wertstoffhöfen anliefern können. Beispiele sind Elektrogeräte und - gegen Gebühr - Sperrmüll. Der Bereich Grüngut soll weiterentwickelt werden. Neue Wege sollen für Bioabfälle gefunden, die Notwendigkeit einer Biotonne geprüft werden. Der Landrat wird mit dem ZAS (Zweckverband für Abfallverwertung Südostbayern) wegen einer zentralen Biogasanlage in Burgkirchen verhandeln. Des Weiteren soll die Abfallvermeidung noch mehr propagiert werden.

Den Energiewert ausnutzen

Die wesentlichen Teile des "Kreislaufwirtschaftsgesetzes" erläuterte in der Sitzung gestern Dr. Werner Bauer, dessen Firma 2011 vom Kreis mit einem neuen Abfallkonzept betraut worden war. In dem Gesetz werde letztlich "alles relativiert durch Vorrang für den Umweltschutz". Als Beispiel nannte der Referent eine "Ökobilanz", die für jede Maßnahme gezogen werden müsse. Ziel sei insgesamt eine höhere stoffliche Verwertung, etwa der organischen Bestandteile des Abfalls. Es gelte, den Energiewert zu nutzen. Das "Zauberwort" bei den Wertstoffen sei eine akzeptable, bürgerfreundliche Entsorgung.

Aus seiner Sicht seien die Wertstoffhöfe im Landkreis sauber und penibel geführt, die Bürger zufrieden. Eine Wertstofftonne/Grüne Tonne/gelber Sack - die Namen bedeuten alle das gleiche - sei überflüssig, fasste Bauer zusammen. Der Landrat ergänzte, künftig müsse man genauestens eruieren, wie viel Energie das Sammeln erfordere. Eine eigene Biogasanlage sei aus heutiger Sicht nicht wirtschaftlich für den Landkreis. Zusammen mit dem Nachbarkreis Berchtesgadener Land könne man vielleicht einen Standort suchen. Zu den Transportkosten merkte Dr. Bauer an, in Ingolstadt gingen sie mit lediglich einem Prozent in die Ökobilanz ein - gegenüber dem Vorteil der Energiegewinnung.

Der Gutachter hatte seine Vorschläge letztes Jahr im Umweltausschuss unterbreitet. Zwischenzeitlich konnten sich die Kreistagsfraktionen dazu ihre Gedanken machen. Gestern präsentierte der Landrat die Stellungnahmen. Sebastian Röckenwagner für die CSU, Dirk Reichenau, SPD, Martin Czepan, Bündnis 90/Die Grünen, Georg Huber (ÖDP) für die Fraktionsgemeinschaft aus Bayernpartei, ÖDP und FDP sowie für die FW/UW Markus Putzhammer begründeten die Vorschläge und gingen auf Details ein.

Die Konzepte deckten sich in wesentlichen Teilen. Lediglich die SPD scherte aus: Sie wollte statt eines Bringsystems ein Holsystem. Deshalb versagten bei einigen Einzelbeschlüssen Dirk Reichenau und Franz Gnadl ihre Zustimmung. Josef Konhäuser, ebenfalls SPD, stimmte indes mit der Ausschussmehrheit. Reichenau führte an, jeder Bürger bezahle über den Grünen Punkt - dafür, dass er sammelt, selber in der Gegend herumfährt: "Beim Kauf eines Joghurtbechers ist eigentlich schon das Entsorgen bezahlt." Die ganze Republik sammle Wertstoffe über Holsysteme ein. Deshalb sollten auch im Landkreis Biotonne und Wertstofftonne kommen. Viele Bürger beteiligten sich nicht am Sammeln von Wertstoffen.

Verwertungsquote über Vorgaben

Der Landrat widersprach, verwies auf das erfolgreiche Wertstoffhofsystem. In anderen Kreisen würden Wertstoffe wegtransportiert und woanders verwertet. "Ich bin begeistert, wenn wir für Bioabfälle eine Biogasanlage im Landkreis bekommen", fügte Steinmaßl an. Er habe inzwischen mit allen Bürgermeistern gesprochen. 34 von 35 seien für Wertstoffhöfe gewesen, nur einer nicht. Und von 35 habe kein einziger einen Standort für eine Biogasanlage gewusst.

"Wir haben eine Verwertungsquote, die jetzt schon über den gesetzlichen Vorgaben liegt. Die Wertstoffhöfe bieten den Vorteil, jederzeit schnell auf Gesetzesänderungen reagieren zu können - ohne große Logistik", argumentierte Markus Fröschl, CSU. Für die Bürger wäre es "eine schallende Ohrfeige", alles anders zu machen. Skeptisch sei er bei der Biotonne. Beim Vergären von Rasen- und Strauchschnitt sei keine Energie herauszuholen - "sonst hätte es schon längst jemand gemacht". "Vor und nach dem Teller" werde bereits alles von privaten Betreibern entsorgt: "Ich sehe überhaupt keinen Grund, eine Biotonne einzuführen. Wenn uns ein Gesetz zwingt, sieht es anders aus."

Kostenlose Annahme von Grüngut in beliebiger Menge, wie von manchen Rednern gestern gefordert, sei nach dem Verursacherprinzip abzulehnen. Dirk Reichenau erwiderte, die Verwertungsquote sei gut, könne aber per Holsystem noch besser werden. Eine Wertstofftonne fördere das "Ex und Hopp-Denken", warf der Landrat ein. Er erinnerte, ohne Wertstoffhöfe bekomme der Landkreis keine Erlöse mehr von der DSD (Duales System Deutschland).

In der Aussprache kamen noch viele Redebeiträge und häufig Wiederholungen.

vd/Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser