464 Personen suchten Rat bei der Traunsteiner Ehe- und Familienberatung

"Wären wir nur früher gekommen"

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Ulrike Weidinger-Harrer ist die Leiterin der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Traunstein. 279 Beratungen wurden letztes Jahr von ihr und ihren Mitarbeiterinnen durchgeführt.

Traunstein - Auch "altgediente" Eheleute kommen nicht immer ohne Beratung aus. Zur katholischen Ehe- und Familienberatungsstelle kommen viele Paaren zwischen 50 und 70 Jahren.

Bei der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Traunstein an der Marienstraße 5 hat die Zahl von Paaren zwischen 50 und 70 Jahren, die hier professionellen Rat gesucht haben, deutlich zugenommen: von 18 auf 25 Prozent der insgesamt 182 beratenen Eheleute.

Gerade der Anstieg dieser Altersgruppe ist der Leiterin der Traunsteiner Einrichtung, Ulrike Weidinger-Harrer, wichtig zu erwähnen. Denn die langgedienten Ehepaare, die ihre Krisen allein meistern, erscheinen naturgemäß nicht in den Statistiken. Somit entstehe, so Weidinger-Harrer, in den Tätigkeitsberichten mitunter der Eindruck, dass feste und langandauernde Partnerschaften oder gar Ehen hoffnungslose Auslaufmodelle seien. Dieser Schein trüge aber. So seien 75 Prozent der Klienten der Traunsteiner Beratungsstelle verheiratet und die Mehrzahl davon wollte es auch weiterhin bleiben.

279 Beratungsfälle wurden letztes Jahr verzeichnet, daran beteiligt 464 Personen, 182 Paare beziehungsweise 258 Frauen und 206 Männer. Damit blieb die Zahl der Beratungen gegenüber dem Jahr 2010 so gut wie gleich. Nicht aus diesen Zahlen, aber aus der Wahrnehmung der Mitarbeiter der Beratungsstelle - neben der Leiterin eine Mitarbeiterin in Teilzeit und zwei Honorarkräfte stundenweise - ergebe sich der Eindruck, dass die Tendenz von Paaren, sich ohne Beratung zu trennen, zugenommen haben. "Und es ist zu befürchten, dass dieser Trend anhält", so Weidinger-Harrer.

Von daher möchte sie Paare ermutigen, schon zu einem frühen Zeitpunkt in die - im Übrigen kostenlose - Beratung zu kommen. Schon bei ersten Anzeichen einer Krise sollte man eine Beratung ins Auge fassen. Denn nicht wenige Eheleute, die sich erst zu einem sehr späten Zeitpunkt zu einer Beratung hatten aufraffen können, stellten dann fest: "Wären wir doch schon früher gekommen."

So hatten sich letztes Jahr 23 Personen zwar noch zu einer Beratung angemeldet, diese dann aber rückgängig gemacht. Begründungen dafür waren Bemerkungen wie: "Das hat sich jetzt erledigt. Er - oder sie - ist letztes Wochenende ausgezogen." Oder: "Mein Partner/meine Partnerin will jetzt doch nicht mehr. Wir trennen uns."

Etwa zwei Drittel derer, die dann doch zur Beratung kommen, sind zwischen 30 und 50 Jahren alt (298 Personen), ein Viertel, wie erwähnt, zwischen 50 und 70. Immerhin gab es auch bereits sechs Beratungssuchende, die unter 20 Jahre alt waren.

Die Beratungsschwerpunkte: in 170 Fällen auf dem Themenkreis Partnerschaft und Sexualität, in 41 Fällen auf dem Bereich Trennung und Scheidung, in 189 Fällen (rund 70 Prozent) bei "Maßnahmen, die das partnerschaftliche Zusammenleben fördern, die Hilfe bei Konflikten und Krisen anbieten und den Eltern helfen, im Fall von Trennung oder Scheidung die elterliche Sorge wahrzunehmen".

Neben dem Beratungsangebot vermittelt die Eheberatung auch Kommunikationskurse für Paare: mit jeweils drei Paaren und zwei Trainern in acht Einheiten. Hier sei die Rückmeldung sehr positiv, das Ergebnis zeige günstige und lang anhaltende Effekte - nach dem Motto: "So viel haben wir in 20 Jahren nicht miteinander gesprochen wie hier im Kurs."

Auch die Mitarbeiter der Eheberatung bilden sich regelmäßig weiter, nehmen Supervision in Anspruch und vernetzen sich mit anderen kirchlichen, staatlichen und anderen sozialen Angeboten. Ulrike Weidinger-Harrer hat darüber hinaus auch einige Vorträge bei Seminarveranstaltungen gehalten.

Die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Traunstein wird zu 75 Prozent von der Erzdiözese München und Freising finanziert. Weitere Zuschüsse gibt es vom Landkreis Traunstein sowie dem Familien- und Sozialministerium. Beachtliche 13500 Euro haben im letzten Jahr Klienten freiwillig gespendet - ein gutes Zeichen der Zufriedenheit mit dem Angebot. Außerdem ist diese Spende, wie Ulrike Weidinger-Harrer feststellt, "ein nicht unwesentlicher Teil" zur Finanzierung des Beratungsangebots.

Zu erreichen ist die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Traunstein unter Telefon 0861/ 6116.

edh/Chiemgau-Zeitung

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