Über 110 Flussmeister in Inzell -100000 Wasserkilometer "Lebensnetzwerk" Bayerns

Wasserkraft ein Zukunftsthema

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Bei der Flussmeistertagung in Inzell: (von links) Bernd Wucherpfennig, Volker Hemrich (beide BFB), Markus Götz (Verband der Straßenmeister), Bürgermeister Martin Hobmaier, Michael Haug und Leonard Dobler vom Umweltministerium, Landtagsabgeordneter Klaus Steiner, Josef Gabereder (BFB), Hans Grieblinger (Regierung von Oberbayern, Landrat Hermann Steinmaßl, Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner und Erich Schmid (BFB).

Inzell - Der traditionsreiche Beruf eines Flussmeisters lässt sich urkundlich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen.

Am 4. November 1906 schlossen sich erstmals rund 70 Flusswarte zum "Verein der königlich bayerischen Flußwarte e.V." mit dem Sitz in Regensburg zusammen, Vorläufer des heutigen "Bund der Flussmeister Bayerns" (BFB). Jedes Jahr tagt die berufsständische Vertretung in einem anderen Regierungsbezirk. Heuer war Oberbayern dran. Mit über 110 Flussmeisterinnen und Flussmeister aus ganz Bayern signalisierte der BFB nun bei seiner Tagung im Festsaal Inzell seine Einheit gegenüber den Ehrengästen aus Politik und Verwaltung, darunter Landrat Hermann Steinmaßl.

Seinerzeit trugen die Flussmeister noch Uniformen. Die Original-Uniform eines königlich bayerischen Flussmeisters ist im "Inn-Museum" des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim zu besichtigen. Heute sind die Flussmeister als Leiter von Fluss- und Seemeisterstellen für den Ausbau und die Unterhaltung der Flüsse und Seen, der Wildbäche - wie kürzlich bei der Sanierung des Großwaldbachs in Inzell - die staatlichen Speicher- und Rückhaltebecken sowie den Lawinenverbau zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Beratung der Gemeinden und Bürger sowie die "technische Gewässeraufsicht". Sie überwachen alles, wo eine Gefährdung für Grundwasser und Gewässer denkbar ist: Wasserschutz- und Überschwemmungsgebiete, Klär- und Stauanlagen, Fischteiche, Kiesabbaugebiete, Mülldeponien sowie Industrie- und Gewerbebetriebe.

Der BFB hat derzeit etwa 254 Mitglieder. 98 Prozent der aktiv im Dienst stehenden Flussmeister - aktuell 208 - sind dabei.

"Bayern ist ein Wasserland. 100000 Kilometer Bäche und Flüsse bilden unser Lebensnetzwerk", hieß es im Grußwort der verhinderten Umweltstaatssekretärin Melanie Huml, das Zweiter BFB-Vorsitzender Volker Hemrich vortrug. "In Anbetracht der Herausforderungen der Zukunft - Klimawandel, Verlust der Biodiversität, Energiewende - erfordert die Verantwortung für unser Wasser ein ganzheitliches Konzept", stellt Huml weiter fest. Mit "integriertem Wasserressourcenmanagement" gelte es, unterschiedliche Belange in Einklang zu bringen, wie Energie aus Wasserkraft und Gewässerökologie.

Sorge machen dem Landesvorsitzenden Erich Schmid fehlende Stellen, die durch die zwölfmonatige Wiederbesetzungssperre in den Wasserwirtschaftsämtern und die Verwaltungsreform ausgelöst sind. Diese Stellen fehlten bei wichtigen und oft nicht aufschiebbaren Aufgaben. Dazu gehöre unter anderem der Betrieb von Warndiensten und der Betrieb und Unterhalt von staatlichen wasserwirtschaftlichen Anlagen wie zum Beispiel 26 Talsperren, Hochwasserrückhaltebecken und Polder mit einem Anlagevermögen in Höhe von allein rund 1,5 Milliarden Euro, rund 40000 Wildbachsperren, rund 1400 Deich-Kilometer und 50 Kilometern Hochwasserschutzwände. Das vorhandene Personal sei überlastet und erreiche oft die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

Eine "riesige Aufgabe" für die Zukunft seien die Wasserkraftanlagen. Durch den Klimawandel seien die Flussmeister immer häufiger mit extremen Hochwassern, aber auch mit Trockenphasen mit Niedrigwasserständen konfrontiert.

Der Landrat würdigte die besondere Rolle der Flussmeister im Kreis Traunstein, eines der wasserreichsten Landkreise. Für den Hochwasserschutz habe es unter anderem die Deichsanierung an der Traun und die Deichrückverlegung an der Salzach gegeben. "Die Flussmeisterinnen und Flussmeister sind die Visitenkarte der Wasserwirtschaftsämter", sagte Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner. Sie versprach Unterstützung bei der "dringenden Rückführung" der Wiederbesetzungssperre.

vm/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser