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Ungewöhnliche Ausbildung mitten in der Natur

Wasserwirtschaftsamt Traunstein bietet Lehrstelle zum Wasserbauer an

Teamarbeit wird in der Ausbildung großgeschrieben: Vorarbeiter Willi Hollinger (hinten links) arbeitet gemeinsam mit seinen beiden Lehrlingen Philipp Wallner-Mayer (vorne links) und Martin Schuhbeck (vorne links). Ausbildungsleiter Andreas Philipp sieht ebenfalls regelmäßig nach den Azubis.
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Teamarbeit wird in der Ausbildung großgeschrieben: Vorarbeiter Willi Hollinger (hinten links) arbeitet gemeinsam mit seinen beiden Lehrlingen Philipp Wallner-Mayer (vorne links) und Martin Schuhbeck (vorne links). Ausbildungsleiter Andreas Philipp sieht ebenfalls regelmäßig nach den Azubis.

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein informiert über einen vielseitigen Beruf in der Natur.

Pressemitteilung im Wortlaut

Landkreis Traunstein – Bis zu den Knien steht Philipp Wallner-Mayer im eiskalten Wasser der Isen. Über seine grüne Schutzhose hat er beinlange Watstiefel gezogen. Seinen Kopf schützt ein orangefarbener Sicherheitshelm mit schwarzem Visier. Der 18-Jährige hält einen Stab in der Hand, den er immer wieder neu positioniert. Der Stab dient zur Höhenmessung per Laser. Denn heute geht es darum, in regelmäßigen Abständen die Oberkante des Wasserspiegels zu kontrollieren. Wallner-Mayer arbeitet konzentriert. Er steht sicher im Fluss, in den eine Baggerschaufel gerade riesige Wasserbausteine hievt. 

Eine Fischaufstiegshilfe wird hier entstehen und Wallner-Mayer hilft dabei kräftig mit. Er steckt gerade mitten in seiner Ausbildung zum Wasserbauer an der Flussmeisterstelle Salzach, die als eine von drei Flussmeisterstellen zum Wasserwirtschaftsamt Traunstein gehört. Es ist ein eher ungewöhnlicher Lehrberuf, für den sich junge Frauen und Männer noch bis 5. Dezember bei der Behörde bewerben können. Das neue Ausbildungsjahr beginnt im September 2022.

Mitarbeit am Fischaufstieg 

Hier, auf Höhe des Sportplatzes in Winhöring (Landkreis Altötting), gibt es viel zu tun in der Isen: Das alte Wehr ist bereits ein gutes Stück abgefräst. Unüberwindbar hoch war es für Barben, Nasen und andere Fischarten auf ihrem Weg flussaufwärts. Das soll sich ändern. Die Fische sollen ohne Hindernis die Isen hinauf schwimmen können, neue Plätze für die Nahrungsaufnahme und zusätzliche Laichmöglichkeiten finden. Die Hilfe besteht aus Felsbrocken, die ein Bagger wie zufällig im Wasser verteilt. Doch jede Stelle ist genau bestimmt: Die Steine bilden eine leicht ansteigende Rampe. Hinter jedem der Brocken können sich die Fische im strömungsarmen Wasser aufhalten, ehe sie rasch durch die Strömung zum nächsten Stein schwimmen und nach und nach die Isen hinaufschlüpfen. Die Aufstiegshilfe ist ein Bauwerk für und mit der Natur, geplant vom Wasserwirtschaftsamt. Azubi Philipp Wallner-Mayer und sein Lehrlingskollegen Martin Schuhbeck (18) setzen die Pläne um, gemeinsam mit Vorarbeiter Willi Hollinger und Ausbildungsleiter Andreas Philipp. Eigentlich gehört auch der dritte Azubi, Andreas Posch (17), zum Team. Doch heute hilft er anderswo aus.

Neben Philipp Wallner-Mayer steht nun Martin Schuhbeck im Wasser. Gestern hat er im Fluss noch Teichmuscheln abgesammelt. Heute unterstützt er seinen Kollegen bei der Laservermessung. Die beiden 18-Jährigen helfen gerne zusammen.

Was sie verbindet, ist die Freude an der Arbeit draußen, das Interesse für Natur und Umwelt. Beide mögen den Umgang mit technischem Gerät. Die jungen Männer seien „geländegängig“, sagt Ausbildungsleiter Philipp. Sie packen gerne an, stehen im Wasser ebenso sicher wie am Hang und trotzen den widrigsten Wetterbedingungen.

Körperliche Fitness ist wichtig, Mathe auch

Gemeinsam mit Andreas Posch sind sie stolz auf das, was sie schon erreicht haben. So haben sie auch am Fischaufstieg in Kirchanschöring (Landkreis Traunstein) mitgewirkt. Haben die Höhe und Länge des Absturzbauwerks eingemessen und ganz selbstständig die Fischaufstiegsrinne gebaut. Sie haben Bäume gepflanzt und Grassoden gesetzt. Eine spannende Zeit, aber auch eine Herausforderung. Denn die Arbeit strengt an, erfordert eine gute körperliche Konstitution. „Du musst die Natur mögen und bereit sein, sich ihr auszusetzen“, sagt Vorarbeiter Hollinger. Doch die Arbeit bringt den angehenden Wasserbauern durchaus auch Erfüllung: „Am Abend ist man schon müde“, sagt Martin Schuhbeck, „aber man sieht, was man alles geschafft hat.“ Ein gutes Gefühl nach einem langen Tag, der in der Regel morgens um 7 Uhr beginnt und gegen 16.30 Uhr endet. 

Radlader fahren schon mit 16 Jahren

Die Ausbildung ist vielfältig wie kaum eine andere: Das Aufforsten gehört dazu, das Freischneiden von Wegen, das Messen von Abflüssen an Gewässern. Beim Beseitigen von Hochwasserschäden helfen die Lehrlinge ebenso mit wie bei der Biotop-Pflege. Dass dabei auch Geräte und Maschinen im Einsatz sind, dass man schon mit 16 den Führerschein der Klasse T in der Tasche haben muss, um beispielsweise einen Radlader fahren zu dürfen: das kommt bei den drei Azubis ebenfalls gut an.

Bei all der Praxis dürfen zwei Dinge allerdings nicht fehlen: ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen – und solide Fähigkeiten in Mathematik. „Also einen Zweier sollte man schon im Zeugnis stehen haben, sonst wird das nichts“, sagt Vorarbeiter Hollinger. 

Für die überbetriebliche Ausbildung fahren die Azubis mit dem Zug zum Blockunterricht nach Koblenz. Dort, im Berufsbildungszentrum, treffen sie unter anderem auf die Auszubildenden der anderen 16 bayerischen Wasserwirtschaftsämter. Gemeinsam büffeln sie für den Bootsführerschein, dessen Besitz für jeden Wasserbauer/jede Wasserbauerin Pflicht ist. Sie berechnen Flächen, Volumina und Massen, zeichnen Pläne und planen Wasserbaustellen. Erfahren, wie man pflastert und mauert, wie man Deiche saniert und erhalten Einblicke in den Umweltschutz. 

Sicherer Arbeitsplatz nach der Ausbildung

Die Breite der Aufgaben war für die jungen Männer ebenfalls ein wichtiges Argument bei der Entscheidungsfindung. Martin Schuhbeck hatte zudem bei einem einwöchigen Schulpraktikum an der Flussmeisterstelle Piding erste Eindrücke gesammelt. Er steht mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr. Für Andreas Posch und Philipp Wallner-Mayer endet die Lehrzeit bereits im nächsten Jahr. Darüber, was im Anschluss kommen soll, denken die beiden bereits nach. Vielleicht, so überlegen sie, wäre der nächste Schritt die Weiterbildung zum Bautechniker. Eines jedenfalls wissen sie schon heute: Der Entschluss Wasserbauer zu lernen, war der richtige. Nicht zuletzt deshalb, weil sie nach der Ausbildung übernommen werden und davon ausgehen können, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist.

Weitere Infos zu Bewerbung und Ausbildung gibt es auf der Homepage des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamtes: https://www.wwa-ts.bayern.de/stellenangebote/doc/azubi_wasserbauer.pdf. Die Bewerbung von jungen Frauen ist ausdrücklich gewünscht.

Pressemitteilung Wasserwirtschaftsamt Traunstein

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