Das Werk ist vollbracht

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Fertig ist das Keramikrelief mit Szenen aus Mozarts "Zauberflöte". Dargestellt ist auch Sarastro (unser Bild).

Marquartstein - Beinahe 40 Meter lang ist das farbige, wunderschöne Keramikrelief mit Szenen aus Mozarts "Zauberflöte" im Festsaal des Staatlichen Landschulheims in Marquartstein.

Über sieben Jahre hinweg haben fast 50 Schüler aus der Kollegstufe unter Leitung von Werklehrerin Majlis Dobel, die zugleich akademische Bildhauerin und Keramikerin ist, im Kurs "Kunst am Bau" daran gearbeitet. Jetzt ist das Werk vollendet.

Stück für Stück hatte man das Relief wachsen sehen können, da die fertigen Teile gleich montiert wurden. Nun wurde das Kunstwerk bei einem Schulkonzert eingeweiht, bei dem Schüler und einige Lehrer mit viel Fantasie in verschiedenen Besetzungen Szenen aus der "Zauberflöte" sangen und spielten. Majlis Dobel erläuterte eingangs kurz den Werdegang des aufwändigen Friesprojekts. In der Keramik werden die Szenen in märchenhaft erzählerischer Weise so dargestellt, wie sie als Visionen eines Zaubergartens im Inneren auftauchen können. Gezeigt wird, wie die Protagonisten Tamino und Papageno von dem Herrscher Sarastro durch Prüfungen auf einen Weg der Erkenntnis gebracht werden, der zu Weisheit, Tugend und Standhaftigkeit führt. Sarastro, dem Hohepriester der Weisheit, ist als Gegenspielerin auf der anderen Seite des Raumes die Königin der Nacht, Urmutter und Naturgottheit, direkt gegenübergestellt.

Das Stück spielt einerseits im Orient, enthält andererseits aber das Gedankengut der europäischen Aufklärung. So ist auch das Relief technisch und formal eine Verbindung zwischen Orient und Okzident. Die Geschichte von Göttern, Halbgöttern und Menschen ist eine griechische Erfindung, die vielfarbige, mit Gold verzierte Glasierung jedoch ein Element des Orients. Jeder, der das Fries genau betrachtet, sieht und spürt, mit wieviel Liebe zum Detail und Begeisterung hier künstlerisch, keramisch und auch technisch eine großartige Gemeinschaftsleistung entstanden ist. Rechtzeitig zur Einweihung war, entworfen von Majlis Dobel, eine kleine Broschüre über Entstehungsgeschichte und Bedeutung des Reliefs erschienen.

In Verbindung mit dem Fries stellte das Schulkonzert zur Einweihung unter der Gesamtleitung von Musiklehrerin Rothraud Knirsch unter Mitwirkung von Elke Gruber und Dagobert Müller ein kleines Gesamtkunstwerk dar. Zu den einzelnen Musikstücken wies Dobel auf die im Fries dargestellte Szene und nannte Musikstück und Interpreten.

Musikalische Szenen der "Zauberflöte"

 Wirkungsvoll eingeleitet von Trommlern der zehnten Klasse begeisterten schon die ersten musikalischen Beiträge. Die bekannte Melodie "Der Vogelfänger bin ich ja" wurde mehrfach auf ganz verschiedene Weise zu Gehör gebracht: Die beiden Mathematiklehrer Rainer Hoff und Markus Schlager versetzten das überaus zahlreich erschienene Publikum gleich in die richtige, fröhliche Stimmung, als sie mit Klangröhren auf verschiedene Stellen ihrer Köpfe schlugen und so, vom Klavier begleitet, die Melodie erklingen ließen. Klar wie aus einem Munde wurde sie von der Klasse 5c gesungen, perfekt eingeübt von Elke Gruber, und danach harmonisch musikalisch vom Klarinettenquintett (Mako und Amir Sangmonkhon, Maxi Leidel, Michael Krause aus der zehnten, elften und zwölften Jahrgangsstufe) geblasen. Ein weiterer Höhepunkt kam dann, als Dominik Nitsche (achte Klasse) die Arie - auch äußerlich als Vogelhändler mit Jägerhut angetan - die Melodie ausdrucksstark zum Besten gab. Die Leistung von Gesangs- und Instrumentalsolisten vor so viel Publikum kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Auch das wunderschöne Duett "Bei Männern welche Liebe fühlen" mit Janine Geigenmüller (elfte Klasse) und Kilian Lehrberger (zehnte Klasse) war stimmlich und im Ausdruck eine Spitzenleistung. Wer die Gesangssolisten im Laufe mehrerer Jahre gehört hat, kann nur beeindruckt sein, mit welch vollem Klang und Modulationsfähigkeit sich die Stimmen entwickelt haben.

Kraftvoll, mit Schwung und gut einstudiert, spielte auch das Schulorchester unter Leitung von Rothraud Knirsch Teile aus der "Zauberflöte" und - obwohl nicht Mozart, hier gut passend - den "Carneval der Tiere" von Camille Saint-Saens zur Illustration der wilden Tiere, die auf Taminos Flötenspiel hin ganz zahm werden. Klar und rein übernahm Nathalie Kling (zehnte Klasse) den Solopart der Querflöte. Auf dem Klavier überzeugten Franziska Gröbner (zehnte Klasse) mit der "Glockenspielmelodie" und Saskia Boxleitner (fünfte Klasse) zusammen mit Elke Gruber. Beeindruckend war auch das flüssig gekonnte Spiel des Duos Cäcilia Blank und Natascha Chen (beide neunte Klasse) auf dem Violoncello, nicht zu vergessen das Lehrer-Oboenduo Rainer Hoff und Markus Schlager.

gi/Chiemgau-Zeitung

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