Grüne diskutierten Wertstoff-Konzept

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Traunstein - Diesmal waren die Kreisgrünen beim Ortsverband Chiemsee-Ost zu Gast, um über das umfassende Müllkonzept zu diskutieren.

Die Sprecher des Ortsverbands Gisela Sengl-Dandl und Thomas Heimbucher stellten den Verband vor. Alle zwei Monate gibt es dort einen festen Stammtisch. Außerdem wird etwa zweimal im Jahr die "BürgerZeitung" herausgegeben, in der die aktuellen Themen und Tätigkeiten der Grünen vor Ort dargestellt werden. Die Grünen im Bereich des Ortsverbands Chiemsee Ost sind in den Gemeinderäten in Sondermoning und Chieming vertreten.

Nach der Begrüßung leitete die Kreisvorsitzende Helga Mandl zum Hauptthema des Abends über und stellte den Traunreuter Referenten Martin Czepan vor. Dieser war vier Jahre im Bundesvorstand des Vereins "Das bessere Müllkonzept". Der Grünen Stadt- und Kreisrat hat sich detailliert mit der Abfallsituation der Bundesrepublik Deutschland und des Landkreis Traunstein befasst. Zum Einstieg führte er eindrucksvolle Zahlen auf: Im Jahr 2008 gab es in Deutschland ein Abfallaufkommen von insgesamt 344,6 Millionen Tonnen. Im Landkreis Traunstein hatte ein Einwohner im Jahr 2010 durchschnittlich 148 Kilogramm an Restmüll. Martin Czepan machte deutlich: "Wir müssen vom Müll zum Wertstoff! Wie also können wir das System so gestalten, dass möglich wenig Abfall in der Restmülltonne landet?" Er stellte das Konzept von Wertstoffmobilen vor, wie es beispielsweise im Landkreis Fürstenfeldbruck schon in Verwendung sei. Beim Wertstoffmobil können verschiedene Wertstoffe abgegeben werden, unter anderem Glas, Papier, Karton oder Textilien. Zusätzlich gibt es dort in jeder Gemeinde einen Wertstoffhof. Gerade für kleinere Gemeinden könnte sich die Einrichtung eines Wertstoffmobils rentieren. Eine weitere Option stellt laut Martin Czepan die so genannte Wertstofftonne dar.

Darin seien die klassische Gelbe Tonne, also Verpackungsmaterialien und Nichtverpackungen aus Kunststoff vereint. Martin Czepan meinte dazu: "Der Ertrag aus so einer Wertstofftonne liegt bei etwa 7 zusätzlichen Kilogramm an Wertstoffen pro Einwohner im Jahr." Spannender sei es, sich über eine eigene Tonne für Elektrogeräte Gedanken zu machen. Durch die teils wertvollen Produktbestandteile könne dies wirtschaftlich für den Landkreis sein.

Am allerwichtigsten aber sei es, Müll generell zu vermeiden. Martin Czepan stellte hierzu verschiedene Möglichkeiten vor: Den Verzicht auf Einwegprodukte und kurzlebige Gebrauchsgüter und die Wiederverwendung und Mehrfachnutzung von Produkten und Verpackungen. Karl-Heinz Boxhammer aus Trostberg stimmte dem zu: "Es ist doch ein Irrsinn, dass es heute billiger ist, einen Drucker neu zu kaufen, als ihn reparieren zu lassen!" Daneben helfe es viel, geplant und überlegt einzukaufen. 20.000.000.000 kg Lebensmittel werden pro Jahr in Deutschland weggeworfen. Das sind 250 Kilogramm pro Einwohner. Konkret für den Landkreis Traunstein hat Martin Czepan verschiedene Ansätze erarbeitet. Man könne die Küchen- und Gartenabfälle, insbesondere den Rasenschnitt zusätzlich zu Gülle und anderen organischen Reststoffen in kleine Biogasanlagen geben.

Martin Czepan informierte die Anwesenden dann darüber, dass ab 2015 die Biotonne EU-weit Pflicht werden soll. Willi Geistanger aus Siegsdorf kritisierte die geplante Regelung: "Im dicht besiedelten Raum macht das bestimmt Sinn, aber bei uns im ländlichen Raum braucht nicht unbedingt jeder eine Biotonne." Martin Czepan erklärte weiter, dass Altholz aus Sperrmüll für Biomasse-Heizkraftwerke eingesetzt werden könne. Er sprach sich außerdem klar für den Erhalt und den Ausbau der Wertstoffhöfe aus: "Durch die Wertstoffhöfe wird sehr deutlich, welche Mengen an Müll wir eigentlich produzieren. Außerdem ist die Qualität dort viel besser als an frei herum stehenden Containern. In denen landet nämlich viel, was gar nicht hinein gehört." Ludwig Nicklaser aus Grassau kritisierte, dass dafür immer ein Auto nötig sei: "Warum muss man nur für den Müll so viel herum fahren? Ist da ein Holsystem nicht sinnvoller?" Achim Kraus aus Chieming fügte hinzu: "Das Konzept Wertstoffhof funktioniert so lange, wie Autofahren billig ist." Walburga Mörtl-Körner aus Traunstein setzte dem entgegen, dass man ja die Fahrten zum Wertstoffhof mit anderen Besorgungen verbinden könne. Gisela Sengl-Dandl aus Sondermoning erklärte, dass Wertstoffhöfe auch wertvolle soziale Treffpunkte in der Gemeinde seien. Walburga Mörtl-Körner fügte hinzu, dass dadurch auch Arbeitsplätze geschaffen würden.

Martin Czepan verwies daraufhin erneut auf das mobile Sammelsystem. Generell sei bei Holsystemen zu beobachten, dass die erfasste Wertstoffmenge stark steige. In welchem Ausmaß man dies einrichte bleibe aber natürlich auch eine Kostenfrage. Der Traunsteiner Wolfgang Wörner mahnte an, dass das Abfallsystem nicht zu kompliziert gestaltet werden dürfe. Die Kreis- und Stadträtin Walburga Mörtl-Körner erklärte, dass der Umgang mit dem Abfall eine klare kommunale Aufgabe sei und dies deshalb nicht den privaten Unternehmen überlassen werden dürfe.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte die Traunsteinerin Alexandra Adler noch die Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft "Arbeit, Soziales und Gesundheit" vor. Die Gesundheitsmanagerin engagierte sich zunächst im bayerischen Landesarbeitskreis Gesundheit und Soziales. Dort überzeugte sie die Mitglieder der Arbeitsgruppe so von ihrem Fachwissen, dass sie zu der bundesweiten Arbeitsgruppe als Delegierte gewählt wurde. Alexandra Adler erläuterte: "Die Sitzungen dauern so zwischen zwei und vier Tagen, je nach dem wie viel zu bearbeiten ist. Wir beschäftigen uns dort mit ganz unterschiedlichen Themen: Vom Bedingungslosen Grundeinkommen über die elektronische Gesundheitskarte bis hin zu Finanzierungsmodellen für das Gesundheitssystem."

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen

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