Wieder Unwetter mit Sturm und Starkregen

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Auf dem Weg zu einem Unwettereinsatz in Thalham verunglückte das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Palling. Auf einer schmalen Gemeindeverbindungsstraße wich der Fahrer nach rechts auf das Bankett aus. Dieses brach an der Asphaltkante weg und das Einsatzfahrzeug fiel zur Seite um und landete in einem überfluteten Feld. Alle fünf Feuerwehrler kamen mit dem Schrecken davon und konnten sich selbst unverletzt aus dem Fahrzeug befreien.

Landkreis - Mehr als 160 Einsätze mussten die Feuerwehren im Landkreis Traunstein am Sonntag abarbeiten. Im Einsatz verunglückte auch ein Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Palling. Verletzt wurde aber niemand.

Ein Unwetter mit Sturmböen und sintflutartigen Regenfällen hat am Sonntagabend die Feuerwehren mehrere Stunden lang beschäftigt. Rund die Hälfte der 81 Feuerwehren im Landkreis wurde alarmiert, um die mehr als 160 Einsätze abzuarbeiten, die wegen Unwetterschäden als Notruf bei Polizei und Integrierter Leitstelle eingingen. Fast auf den Tag genau vier Wochen ist es her, dass ein schweres Unwetter große Schäden im Landkreis Traunstein anrichtete. Am Sonntag ging es glimpflicher ab, denn diesmal fiel nur wenig Hagel vom Himmel. Doch wie schon am 11. Juni wurden Straßen und Unterführungen überflutet, vom Sturm entwurzelte Bäume und abgerissene Äste blockierten Straßen und Wege und zahlreiche Keller wurden bis zu 30 Zentimeter hoch überflutet. Auf dem Weg zu einem Unwettereinsatz verunglückte das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Palling. Bei Thalham kam das Einsatzfahrzeug auf einer schmalen Gemeindestraße auf das rechte Bankett. Dieses brach wegen des durchnässten Untergrunds weg, das Tanklöschfahrzeug kippte zur Seite und kam mit der Beifahrerseite in einem überfluteten Feld zu liegen. Alle fünf Feuerwehrler, die sich im Fahrzeug befanden, blieben unverletzt.

Gegen 20 Uhr zogen bedrohlich dunkle Wolkengebilde vom Chiemsee ostwärts und starker Wind mit Böen von mehr als 100 km/h ließ Bäume umstürzen und blies davon, was nicht niet- und nagelfest war, vom Gartentrampolin über Blumentöpfe bis zum Baustellentoilettenhäuschen, dass in Nußdorf in der Strohmaierstraße einen mehr als fünf Meter weiten Satz von seinem eigentlichen Standort auf die Straße machte. Die heftigen, wie eine Sintflut hereinbrechenden Regenschauer und der starke Wind führte zu Sichtweiten von weniger als dreißig Metern. Für die Autofahrer war es ratsamer anzuhalten und abzuwarten, bis das Schlimmste vorüber war.

Die Gischt, die durch Starkregen und orkanartigem Wind entstand, erschien einem Autofahrer, der auf der Gemeindestraße von Nußdorf nach Mögstetten unterwegs war, wie Brandrauch. Er setzte einen Notruf bei der Integrierten Leitstelle ab und meldete „Rauch im Wald bei Mögstetten“ gesehen zu haben. Die Feuerwehr Nußdorf rückte aus, konnte jedoch kein Feuer ausfindig machen. Andernfalls wäre ein Feuer wegen des extrem starken Regens wohl auf natürliche Weise gelöscht worden.

Ab 20 Uhr hatten die Disponenten in der Integrierten Leitstelle Traunstein alle Hände voll zu tun, um alle Hilfeersuchen, die wegen der Unwetterschäden eingingen, an die Feuerwehren weiterzugeben. Pausenlos wurden mehr und mehr Feuerwehren alarmiert. Besonders viele Einsätze gab es für die Feuerwehren in der Landkreismitte. Allein im "HELFEN IN NOT - IST UNSER GEBOT" Stadtgebiet Traunreut waren nach Auskunft von 1. Kommandant Ingo Klepke rund 60 Einsätze zu erledigen, hauptsächlich wegen vollgelaufener Keller und umgestürzter Bäume. Unterstützt von den Kameraden der Außenwehren aus Stein, Pierling, Traunwalchen und Matzing, die zuvor in ihrem Schutzgebiet jede Menge Unwetterschäden behoben hatten, waren die Helfer bis weit nach Mitternacht unterwegs, um Keller leer zu pumpen und umgestürzte Bäume von Straßen zu schneiden. An einigen Einsatzstellen konnten die Floriansjünger erst tätig werden, nachdem der Strom abgeschaltet und ein gefahrloses Betreten der überfluteten Keller möglich war.

Bei Matzing war die Bundesstraße 304 kurzzeitig unpassierbar, weil ein großer Baum auf die Fahrbahn stürzte und auch die Leitplanken zerstörte. Besonders viel zu tun hatten auch die Feuerwehren Chieming, Hart, Nußdorf und Kammer, die jeweils zu mehr als einem Dutzend Einsätze gerufen wurden. Auch die Feuerwehr Traunstein und die Haslacher Floriansjünger wurden mehrmals alarmiert. Ein Anrufer bei der Integrierten Leitstelle meldete einen Feuerschein der Nähe der Wegscheidbrücke und Brandrauch. Auch hier war kein Brand feststellbar; vermutlich wurde eine große Plane an die Oberleitung der Bahn geweht, die zu Funken und zu einem Lichtschein führte. Vielerorts schlugen die automatischen Brandmeldeanlagen Alarm, so in einer Bank in Traunstein, in einem Alten- und Pflegeheim in Waging und in der Turnhalle in Erlstätt. Die Feuerwehren rückten jeweils mit mehreren Fahrzeugen an, doch überall handelte es sich um Fehlalarme. Auf der Bahnlinie von Traunstein nach Ruhpolding musste der Bahnverkehr kurzzeitig eingestellt werden, weil bei Bäume auf den Schienen lagen.

Alarm für Feuerwehren und Wasserrettung gab es, nachdem zu Beginn des heftigen Sturms ein Ruderer auf dem Waginger See, nahe am Campingplatz bei Gaden gesichtet wurde. Der Mann konnte unversehrt gerettet werden, die anrückenden Kräfte von DLRG und Wasserwacht konnten den Einsatz teilweise noch auf der Anfahrt abbrechen.

Erst gegen 1 Uhr morgens hatten die Feuerwehren die allermeisten der rund 160 Unwettereinsätze erledigt und konnten wieder einrücken. Insgesamt waren über 300 Feuerwehrmänner und –frauen im Einsatz. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr wurden bei dem Unwetter keine Personen verletzt. Auch Einsatzkräfte der Feuerwehren kamen nicht zu Schaden. Am Montag gab es für gemeindliche Bauhöfe und Baulastträger jede Menge Arbeit, um Laub, ausgeschwemmten Kies und Steine von Straßen zu räumen und die Fahrbahnen wieder befahrbar zu machen.

pv (Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis Traunstein)

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