Zeugnisübergabe bei Kerzenlicht

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Wer sein Auto liebt, der hüllt es bei Hagelwetter in Decken, wie der Besitzer dieses Autos in Bad Endorf.

Chiemgau - Bei dem stundenlangen Stromausfall bewiesen viele Chiemgauer Improvisationstalent - auch die Abgänger der Hauptschule, die an dem Abend ihre Zeugnisse erhielten.

Nach einem Blitzeinschlag im Umspannwerk in Prien ist am Donnerstagabend in vielen Ortschaften in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein der Strom ausgefallen. Nach Angaben von Josef Schönhammer, Pressesprecher von Eon Bayern, saßen 15.000 bis 20.000 Kunden im Dunkeln. Gut drei Stunden war der Strom seinen Angaben zufolge weg: Gegen 20.15 Uhr brach die Versorgung zusammen, gegen 23.30 Uhr waren alle Kunden wieder am Netz.

Dunkle Wolken, die aus dem Westen kamen, verkündeten am Donnerstag gegen Abend im Chiemgau nichts Gutes. Und in der Tat zogen dann heftige Gewitter über die Ortschaften hinweg. Blitz und Donner brachen sich Bahn, starker Regen prasselte nieder. Auch in Prien wütete das Unwetter - mit Folgen: Ein Blitz schlug in das Umspannwerk ein. Und die Stromversorgung brach zusammen.

Soweit sie schon angeschaltet waren, gingen die Lichter aus. Wie viele Ortschaften plötzlich nicht mehr am Netz hingen, konnte Schönhammer nicht sagen. Betroffen gewesen sei der "Großraum Prien": neben der Marktgemeinde selbst auch zahlreiche Kommunen, die vom Umspannwerk etliche Kilometer weit entfernt liegen. So seien zum Beispiel auch die Kunden in Halfing oder aber auch in Seebruck am Abend ohne Energie aus der Steckdose gewesen.

Nicht nur die Familien in den privaten Haushalten mussten ohne Strom auskommen. Auch bei vielen öffentlichen Veranstaltungen war Improvisieren angesagt. In Prien zum Beispiel fiel der Strom just in dem Moment aus, als die Abgänger der Hauptschule ihre Zeugnisse erhielten. Die Schulfamilie stellte sich jedoch schnell auf die veränderten Rahmenbedingungen ein. Und so fand die Zeugnisvergabe ihre Fortsetzung - bei Kerzenlicht. Improvisationstalent war auch auf der Herreninsel gefragt, wo gerade Herbert Schuch ein Klavierkonzert im Spiegelsaal des Schlosses gab. Dank eines Notstromaggregats konnte eine Notbeleuchtung für die Bühne gesichert werden und das Konzert ging weiter.

Der Strom fiel aus - und vom Himmel fiel sintflutartig Regen. In Prien erlebten auch die Autofahrer die eine oder andere unliebsame Überraschung. Weil die Pumpen ohne Strom nicht liefen, sammelte sich zum Beispiel auf der Seestraße unter der Eisenbahnlinie Wasser. Die Unterführung musste gesperrt werden.

Alles in allem scheint der Stromausfall einigermaßen glimpflich abgelaufen zu sein. Zumindest meldet die Polizeiinspektion Prien keine besonderen Vorkommnisse. Allerdings riefen zahlreiche besorgte Bürger an und baten um Auskünfte. Alle Hände voll zu tun hatten zahlreiche Floriansjünger. Die Feuerwehren in Prien und Atzing zum Beispiel waren mit rund 50 Mann über drei Stunden im Einsatz.

Nachdem der Blitz im Umspannwerk in Prien eingeschlagen und die Stromversorgung lahmgelegt hatte, zog Eon laut Schönhammer alle in der Region verfügbaren mobilen Servicekräfte zusammen, um den Schaden zu beheben. Nach Angaben des Pressesprechers waren in Prien 50 bis 60 Leute im Einsatz.

Die Techniker stellten die Versorgung Schritt für Schritt her und hängten die Kunden wieder ans Netz. Der Blitz habe "sehr viel Technik" beschädigt, sagte Schönhammer. Durch die Überspannung seien unter anderem die Batterien und einige Sicherheitsvorkehrungen kaputt gegangen. Ein Überblick über den gesamten Schaden werde sich aber erst in den nächsten Tagen ergeben.

pü/Chiemgau-Zeitung

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