Zypris gegen Sterbehilfe

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Bundesjustizministerin Brigitte Zypris mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Kofler (von links).

Traunstein - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries besuchte gestern Traunstein. Seit sieben Jahren Bundesjustizministerin, "entschuldigte" sie sich zu Beginn, einer jahrelangen Einladung der örtlichen SPD erst jetzt Folge geleistet zu haben.

Eingeladen hatten zu dem Frühschoppen im "Wochinger Brauhaus" die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler sowie der SPD-Kreisverband.

Kofler freute sich in ihrer Einführung über den vollbesetzten Gastraum - musste doch aufgrund des großen Andrangs von über 100 Zuhörern die Veranstaltung kurzfristig vom Nebenzimmer in den großen Gastraum verlegt werden. Kofler wies darauf hin, dass Zypries in ihrer Amtszeit neben der laufenden Gesetzgebung viele Grundsatzfragen des menschlichen Zusammenlebens wie beispielsweise die Thematik "Leiden, Krankheit, Sterben" im Rahmen der Patientenverfügung bearbeitet habe.

Zypries sagte eingangs: "Bei dem Thema haben wir versucht, dieses ethnisch wichtige Thema aus dem Parteiengerangel herauszuhalten." Der Gesetzesentwurf über die Patientenverfügung sei mit einer breiten Mehrheit zum 1. September verabschiedet worden.

"Wir, die wir hier sitzen, betrifft die Patientenverfügung nicht, wir können uns alle zu vorgeschlagenen ärztlichen Behandlungen äußern." Umso wichtiger sei es, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, so lange man seine eigene, freie Entscheidung treffen könne. "Was will ich, wenn es mit meinem Leben zu Ende geht. Dieser 'letzte Wille' sollte von jedem von uns gut überlegt werden."

Zypries brach eine Lanze für ein offenes Gespräch zwischen Familienangehörigen: "Kinder sollten wissen, wie sich Eltern ihr Lebensende vorstellen", empfahl die Bundesjustizministerin, die persönliche Entscheidungen im Rahmen einer Patientenverfügung mit nahen Angehörigen abzusprechen. Den Vorschlag eines Zuhörers, hierzu einen Arzt zu Rate zu ziehen, begrüßte sie. Auch solle man verschiedene soziale Organisationen wie beispielsweise Hospizbewegung sowie Wohlfahrts-, Patienten- und Verbaucherschutzverbände oder Kirchenvertreter hinzuziehen.

Eine klare Abgrenzung traf sie zur aktiven Sterbehilfe. Ein Verzicht eines medizinischen Eingriffs sei durch die Patientenverfügung gedeckt, nicht aber die Zugabe von lebensverkürzenden Mitteln. Die Unterschiede zwischen Patientenverfügungen und der Vorsorge- und Betreuungsvollmacht erklärte sie den interessierten Anwesenden und wies auch auf die Aufgaben des Staates hin: "Wir haben einen Sozialstaat. Wir kümmern uns um die Menschen, die bestimmte Entscheidungen nicht mehr treffen können."

Die umfangreiche Diskussion, an der sich die Zuhörer während des Vortrags zum Teil auch kontrovers immer wieder beteiligten, zeigte, wie sehr das Thema "beide Seiten" betraf.

wz/Chiemgau-Zeitung

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