Was ein 23-Jähriger in Chicago erleben musste

"Der Horror": Michi aus Altenmarkt im US-Abschiebeknast

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Michi Huber aus Altenmarkt: Die Nacht in der Abschiebezelle am Flughafen von Chicago war die schlimmste, die er je erlebte. 
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Altenmarkt/Chicago - Die US-Polizei ist nicht zimperlich, das weiß man: doch was Michi aus Altenmarkt nun in Chicago erlebte, ließ ihn aus allen Wolken fallen - "das Gefühl zu haben, rechtlos zu sein, war unbeschreiblich schlimm."

Rund 24 Stunden waren es, in denen es kein Vor und kein Zurück für ihn gab: Bei der Einreise in die USA ging es für Michi Huber aus Altenmarkt am Chicagoer Flughafen zuerst in ein stundenlanges Verhör, danach ins Abschiebegefängnis. "Es war einfach nur der Horror", so der junge Altenmarkter über die Nacht auf den 5. September gegenüber chiemgau24.de.

Als Fitness-Coach in den USA - bis zur versuchten Rückkehr...

Eigentlich lief alles nach Plan: Der Hobby-Bodybuilder bekam ein Angebot eines Bekannten aus Cleveland - er solle ihn coachen und trainieren, ihm Ernährungspläne erstellen. Geld bekam er dafür nicht, dafür ein Gratis-Appartement: Mit dem Drei-Monats-ESTA-Visum in der Tasche ging es Anfang August in die Staaten. Ein Traum erfüllte sich

Als Ende August aber Michis Opa verstarb, war für ihn klar: "Ich muss zurück." Für eine Woche sollte seine Familie im Chiemgau ganz im Zentrum stehen. Doch nach dem Rückflug in die USA sollte die Tortur am Flughafen von Chicago beginnen.

"Wie können Sie sich das überhaupt leisten?!"

"Als ich den Immigration Officer gesehen habe, hatte ich schon ein schlechtes Gefühl", beginnt der 23-Jährige zu erzählen. "Wie lange wollen Sie hier bleiben? Wie können Sie sich das überhaupt leisten?", so einige der strengen Fragen des Beamten. Der Polizist hatte Michi Huber im Verdacht, auszuwandern und in den USA unerlaubt eine Arbeit aufzunehmen. "In dem Moment habe ich mir noch nichts Schlechtes gedacht, das kann ja passieren."

Sieben Stunden im Polizeiverhör

Was dann folgte war ein wahrer Verhör-Marathon. Ein abgetrenntes Zimmer am Flughafen und die gleichen Fragen wie zuvor, was er in den USA wolle und wie viel Geld er habe. Sogar sein Vermögen in Deutschland wollten die Beamten wissen. Er berichtete den Beamten auch von der Vollzeitstelle in Deutschland. Eine Stunde Pause. 

Die nächste Runde: "Do you have a mobile phone?" Michi Huber kam den Aufforderungen nach, entsperrte sein Handy und rückte es heraus. "Ich wollte mich kooperativ zeigen und mich nicht querstellen." Wieder eine Stunde Pause. Die Beamten durchsuchten währenddessen sein Handy, vor allem seine Fotos waren wohl interessant. Darunter ein Bild der letzen Familienfeier, mit einem Geschenk seiner Schwestern: Ein Kissen mit der Aufschrift "Remember us" (Vergiss uns nicht).

Ein Familienfoto wurde Michi zum Verhängnis

"Warum schenken die Dir sowas, wenn Du in drei Monaten wieder zurück wärst?", hieß es, als Michi nach der nächsten Wartepause wieder zum Verhör musste: "Ich war innerlich auf 580", so der Altenmarkter. Natürlich fielen den Beamten auch Michis Bodybuilding-Fotos auf. Auf der Suche nach Anabolika-Spritzen wurde anschließend der Koffer durchsucht. Ohne Ergebnis.

Wieder eine Stunde Wartezeit für Michi Huber. Langsam plagte ihn ein schlechtes Gefühl, schließlich konnte er seiner Familie noch immer nicht bescheid sagen, dass er inzwischen längst gelandet war. Das nächste Verhör: "Warum sind Sie nach einer Woche wieder aus Deutschland zurückgekommen?" Der Trauerfall in der Familie ließ die Beamten nicht mit der Wimper zucken - ganz im Gegenteil: "Er meinte, er könne nicht verstehen, dass ich dann so schnell wieder zurückkomme. Das wäre erst recht ein Zeichen, dass ich in den USA ein Business aufbauen will."

Mit Mexikaner, Russen und Rumänen in Mini-Zelle

Nach einer weiteren halben Stunde Warten wird dem Altenmarkter klar gemacht, dass er nicht einreisen darf: "Da war für mich erstmal alles kaputt." Fingerabdrücke, Fotos, Papierkram - und die Bitte der Polizisten, die Bänder aus seiner Hose und seinem Pullover herauszunehmen, "damit Sie sich nicht selbst oder jemand anderen umbringen".

Die Handschellen klickten, es ging in Richtung Abschiebezelle auf dem Chicagoer Flughafen: "Ich dachte mir 'Wo ist die versteckte Kamera? Ich bin doch legal hier, was habe ich verbrochen?" Zusammen mit sechs weiteren Gefangenen - Russen, Spanier, Asiaten, Mexikaner, Rumänen - landete er in einer kleinen Zelle, musste am Boden schlafen. Michi Huber wusste noch immer nicht, wie es eigentlich weiter gehen wird. 

In Polizeibegleitung zum Flieger

"Es war einfach nur der Horror", erzählt der 23-Jährige: "Vor allem das Gefühl, keine Rechte zu haben, gefangen zu sein und nichts dagegen tun zu können, war unbeschreiblich schlimm." Obwohl der Hunger unerträglich wurde, verzichtete er auf das Essen: "Ich wollte nicht in die Situation kommen, mich vor allen anderen auf das Klo setzen zu müssen."

Erst am Mittag des Folgetags wurde ihm klar gemacht, dass er bald zurück nach Deutschland könne. In Begleitung zweier Polizisten ging es dann zum Boarding, zu all den anderen Passagieren, die ihn mit Blicken löcherten.

Michi lässt vorerst die Finger von den USA

"Bock auf die USA habe ich eigentlich immer noch, aber da muss jetzt erst mal Gras drüber wachsen. Nach so kurzer Zeit wieder in die USA zu reisen, wäre wahrscheinlich zu riskant", so Michi Huber. Er ist schon froh, dass die Horror-Nacht am Flughafen von Chicago für ihn letztlich keine Konsequenzen hatte. Dafür nimmt der Altenmarkter in drei Wochen nun die süddeutsche Meisterschaft im Bodybuilding mit - auch nicht schlecht.

Die ganze Geschichte im Video

xe

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