Über 50 Bürger bei Vorstellung der Discounter-Pläne

Ein Penny für die Ameranger? Markt- und Bedarfsanalyse erwünscht

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Rewe plant einen Penny-Markt, der so oder ähnlich aussehen könnte, im Norden von Amerang zu errichten. 
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Amerang - Der kleine Gemeindesaal platzte aus allen Nähten, so groß war das Interesse an der öffentlichen Diskussion im Gemeinderat über die möglichen Ansiedlung eines Penny-Marktes am Ameranger Ortseingang. Kritische Stimmen wechselten sich mit positiven ab. Eine Entscheidung blieb aus. 

So viele Zuhörer gibt es selten in einer Sitzung eines Gemeinderats. Amerangs Bürgermeister August Voit eröffnete die Sitzung am Mittwochabend mit den Worten: "Ich glaube so voll war es hier noch nie." 

Der Grund für die Ansammlung von über 50 Amerangern im Gemeindehaus: In der öffentlichen Sitzung am 31. Januar wurde erstmals das Projekt der Ansiedlung eines Einzelhandelsmarktes an der Wasserburger Straße vorgestellt. 

Projekt-Vorstellung Discounter-Ansiedlung

Dafür erläuterte Christian Hoffmeister, Expansionsleiter der Rewe-Group, das geplante Konzept des Penny-Marktes. "Bereits vor Jahren haben wir bei Bürgermeister Voit ein großes Interesse an einer Ansiedlung kundgetan", leitete Hoffmeister seinen Vortrag ein. Nun sei ein "schönes großes Grundstück" im nördlichen Bereich der Gemeinde Amerang an der Wasserburger Straße in der Nähe des Gewerbegebiets "Am Kroit" freigeworden.

Die Bruttogeschäftsfläche soll 1.350 Quadratmeter nicht überschreiten, die Verkaufsfläche maximal 800 Quadratmeter betragen. An den geplanten Discounter sollen knapp 60 Parkplätze grenzen. 

"Uns ist die Nähe zum Wohngebiet und die fußläufige Erreichbarkeit ein Anliegen", erläuterte der Expansionsleiter. Die Rewe-Group habe sich bewusst für die 3.700-Seelen-Gemeinde Amerang entschieden, da Konkurrenz-Märkte erst in einem Radius von über fünf Kilometern wie in Wasserburg oder Obing zu finden seien. 

Der rot markierte Bereich kennzeichnet in etwa den Standort des geplanten Penny-Marktes. 

Im Rahmen der Veröffentlichung der Discounter-Pläne erreichte August Voit eine Stellungnahme des Ameranger Gewerbevereins, die eine Einschätzung zum Thema beinhaltete und unter anderem folgende Punkte ansprach: 

  • Amerang besitze einen einzigartigen Dorfcharakter, man sei bemüht darum diesen zu erhalten und sorgsam damit umzugehen. Der Ortskern sei mit Gewerben besiedelt, die Entwicklung des Dorfes gestalte sich positiv
  • Eine zusätzliche Kaufkraft würde nach Ansicht der Mitglieder des Gewerbevereins dazu führen, dass die kleineren Läden und familienbetriebenen Geschäfte um ihre Existenz fürchten müssten. 
  • Durch eine Discounter-Ansiedlung sehe der Gewerbeverein die Erweiterung des angrenzenden Sportgeländes als nicht mehr umsetzbar.
  • Der Standort sei vielmehr für ein Vereinshaus oder ein Veranstaltungsgebäude geeignet. Dies stelle nach Ansicht des Gewerbeverbands eine deutlich hochwertigere und nachhaltigere Nutzung des Geländes an der Wasserburger Straße dar. 

Stimmen aus dem Gemeinderat: 

  • Konrad Linner (SPD), Zweiter Bürgermeister, war der Meinung, man müsse das wertvolle Gelände als Gesamtkonzept sehen und erschließen. "Wir dürfen uns kein einzelnes Grundstück nach der Salami-Taktik rauspicken und sollten das Gesamtprojekt im Auge haben", so Linner.
  • Ins gleiche Horn blies Matthias Schmid (SPD): "Wir wollen in erster Linie unsere Individualität erhalten, unseren Dorfkern erhalten und die tatsächlichen Ziele des Gemeindeentwicklungskonzepts verfolgen. Das geht nur, wenn man das Gesamtkonzept für das Gelände fokussiert." 
  • Wolfgang Wittwer (Freie Wähler Kirchensur) erklärte, die Entscheidung müsse kommen, es ginge hier zuallererst nur um den Penny-Markt, darauf solle sich die Gemeinde fokussieren. "Wobei ich Bauchweh bekomme, ist der Standort für diesen Zweckbau am Ortseingang - schön wird es wohl nicht werden."
  • Simon Strell (CSU) ist die Meinung der Bürger wichtig, die müssten dort schließlich auch einkaufen: "Wir müssen und Gedanken darüber machen, wohin die Leute zum einkaufen fahren und uns gut überlegen, was wir die nächsten 20 Jahre aus Amerang machen wollen." 
  • Andreas Schauberger (Ökologisch-Demokratische Partei) sprach den Bedarf an: "Die Versorgung vor Ort ist ein wichtiger Aspekt. Wir müssen strategisch in die Zukunft sehen. Wenn der Bedarf da ist und viele Leute gerne in einem Penny-Markt einkaufen gehen würden, bin ich auch gerne für die Ansiedlung. Vorher ist aber eine Marktanalyse vonnöten, um Klarheit über die Einkommenstruktur der Ameranger zu bekommen." 
  • Thomas Kasparetti (SPD) erachtete ebenso ein unabhängiges Gutachten als sinnvoll. "Wir brauchen eine genaue Analyse, um das Thema zu betrachten und die Zielgruppen zu ermitteln. Wir sind einfach anders in Amerang und das macht uns aus. Wir dürfen unserer Identität und den Dorfcharakter nicht durch unüberlegte Schnellschüsse aufs Spiel setzen. Eine Analyse wird uns zeigen, was wir wirklich brauchen."
  • Annemarie Linner (SPD) erklärte, es sei möglicherweise arrogant zu sagen, sie persönliche brauche keinen Discounter, da sie ausschließlich in Dorfläden und kleineren Märkten einkaufe. "Ich glaube aber sehr wohl, dass andere Menschen in einem Penny einkaufen würden und darf hier nicht nur von mir ausgehen. Wir müssen die unterschiedlichen Zielgruppen sehen und erfassen." An einen Konkurrenzkampf zwischen einem Penny-Markt und dem bereits ansässigen kleinen Edeka-Markt glaubt die Gemeinderätin nicht. "Jeder kauft dort ein, wo er gerne möchte. Ich denke nicht, dass jemand, der Qualität schätzt, dem Dorfladen untreu wird und zum Discounter abwandert."
  • Renate Stein (CSU) war der Meinung, dass Amerang zwei große Märkte nicht vertragen würde. 
  • Rupert Mayer (CSU) hingegen könne sich an dem fraglichen Standort sowohl einen Penny-Markt als auch ein Vereinsheim vorstellen. 
  • Bürgermeister August Voit (CSU) erklärt abschließend, man dürfe nicht salopp davon ausgehen, dass Amerang keinen Discounter brauche. "Denken wir über ein Gutachten und eine Bedarfsanalyse nach, das ist meiner Meinung nach gut angelegtes Geld. Wir dürfen die Thematik nicht emotional bewerten, sondern auf Basis sachlicher Kriterien entscheiden." 

Die weiteren Schritte: 

Voit betonte am Ende der Sitzung, dass an diesem Abend kein Beschluss fallen würde. "Es geht vorerst um einen Aufstellungsbeschluss des Gebiets an der Wasserburger Straße mit freier Beratung und Meinungsbildung über das Projekt. Der nächste Schritt wird neben einer Markt- und Bedarfsanalyse eine öffentliche Informationsveranstaltung für die Bürger sein." 

mb

Quelle: wasserburg24.de

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