Aubergtunnel: Schlagabtausch geht weiter

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Gisa Pauli (UVA-Vorsitzende) im Duell mit Sebald König (leitender Baudirektor des Straßenbauamtes in Traunstein).
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Altenmarkt/Trostberg - Zuletzt hatte der Chef des Straßenbauamtes, Sebald König, die Alternative des UVA zum Aubergtunnel zerpflückt. Nun kontert der Umweltschutzverband wieder:

Vergangenen Donnerstag hatte der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) seine Alternative zum Aubergtunnel vorgestellt. Bereits einen Tag später folgte prompt die Antwort von Sebald König, dem leitenden Baudirektor des Straßenbauamtes in Traunstein: "Zusammenfassend beurteilt das Staatliche Bauamt Traunstein die Idee des Umweltschutzverbands Alztal e.V. als Unrealistische Variante und -Alternative", so die Aussage. In einem Leserbrief kontert nun der UVA wieder: 

UVA-Gesamtkonzept statt dröhnende Transit- und Transportlawinen

Die Bundesfernstraße im Westen durch eine Osttrasse einzutauschen war weder in der Pressekonferenz noch sonst irgendwo Thema. Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung will den Verkehr aus der Tallage heraus- und nicht durch Öffnung einer Transit- und Schwerverkehrsregion, hineinbringen. Deshalb klagt der UVA auch. Doch wie so häufig ist der UVA gehörig missverstanden worden. Fast als ob es gezielt und gewollt wäre.

Der Umweltverein will den Verkehr wegbringen. Die Frage, wie das gehen soll, machen uns die erfolgreichen und deutschlandweit-erprobten Modelle vor. Es sind also keine „heroischen Ideen“ (Zitat: Bürgermeister Schleid), keine Hirngespinste, selbst überschätzte oder gar selbst verliebte Verkehrsexpertisen. Es sind schlicht und einfach bundesweit eingeholte Konzepte, auf die der Verband durch sein funktionierendes Netzwerk Zugriff hat.

Erprobte Modelle

Ein Gesamtpaket aus mehreren Maßnahmen garantiert Entlastung. Zunächst ist der Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. Laut Schweizer Modell wird damit eine Entlastungsquote bei Lastern von mindestens 50 Prozent möglich. Hand in Hand sollte dazu der Ausbau von ÖPNV und Schienenpersonen-Nahverkehr einhergehen, Fahrverbindungen und Anschlüsse funktionieren und im Landkreis ein reichhaltiges Mobilitätsangebot zur Verfügung stehen. Ruf-Busse und Shuttle-Service haben in anderen Bundesländern zur Freude der Kommunen neue Arbeitsplätze geschaffen und neue Sparten für Unternehmer aufgetan. Gekoppelt mit einem Modell aus Österreich, den durchfahrenden Lkw-Transitverkehr zu sperren, lässt sich der Verkehr weiter reduzieren. Der Entlastungseffekt dürfte dann etwa bei 70 Prozent liegen. Der, von Anwohnern und Lieferanten verbleibende Rest, könnte durch Achsen, umliegender bestandsorientierter Straßen, verkehrswirksam verteilt werden. Eine dieser Möglichkeiten hat der UVA der Pressekonferenz vorgestellt.

Klare Ansagen

Die jahrelangen Beteuerungen der Entscheidungsträger, nur ortsentlastende Umfahrungen zu bauen, sind mit den Plänen, Südostbayern zur Transitregion entwickeln zu wollen, unglaubwürdig geworden. So unterstreicht Peter Ramsauer erstmalig im Interview, dass „verkehrssichere und leistungsfähige Bundesstraßen dazu dienen den überörtlichen Verkehr zu bewältigen“ und bekräftigt damit eine frühere Aussage von Sebald König, dass „eine Entlastung bestenfalls Nebeneffekt“ sein könne. Der Leiter des Bauamtes machte zudem den Gemeinderäten klar, dass der Tunnel für Altenmarkt kaum Entlastung bringt. Die nicht vorhandene Entlastungswirkung könnte Grund sein aus dem vordringlichen Bedarf heraus zufallen. Ramsauers Kommentar zur Finanzierung steht jedoch im eklatanten Widerspruch zur Gerichtsentscheidung: Eine Finanzierungsoption sehen die Richter bislang nicht. Auch im Schreiben des parlamentarischen Staatssekretär Dr. Andreas Scheuer aus dem Jahre 2011, Bundesministerium für Verkehr und Städtebau, wurden Aubergtunnel und andere Baubeginne wegen nicht verfügbarer Mittel abgewiesen.

Die klaren Ansagen sollten verantwortungsbewusste Bürgermeister aufhorchen lassen. Verkehr gibt es weiß Gott genug. Da muss man nicht noch durch leistungsgerechte Bundesfernstraßen -im ohnehin beengten Alz- und Trauntal- dröhnenden Transit- und Transportlawinen Tür und Tor öffnen.

Ein Albtraum

So geht es also nicht nur um Natur und Naherholung, sondern auch darum, was den Betroffenen mit Bau der Westtrasse zugemutet werden soll. Sie, die Anwohner der südlichen und nördlichen Nachbarstädte sind es, die sich dem Albtraum entgegenstellen und sich nicht kampflos ergeben wollen. Nahezu 70.000 Euro wurde den BI‘s gespendet, damit der UVA Rechtsmittel ausschöpfen kann. Zusätzlich will ein Förderkreis dafür sorgen, dass dem Verband nicht die Luft ausgeht. Bauern und Grundeigentümer weigern sich für diesen Irrsinn ihren Grund zu verkaufen. Und weil es ihnen bitter ernst ist, liegen dem UVA von mehreren Zusammenschlüssen notarielle Urkunden vor.

Den Trostbergern drohen autobahnähnliche Zustände. 25.000 Fahrzeugbewegungen pro Tag prognostiziert der bayerische Verkehrspapst, Prof. Dr. Kurzak über die Dietlwiese. Das ist ein Vielfaches von dem, was Altenmarkt zu ertragen hat. Wenn Weiler und Dörfer wie Nock, Zieglstadl, Anning, Weisham hochbelastet werden und Sankt Georgen durch einen tiefergelegten Kreisverkehr in seiner Entwicklung behindert wird, dann geht die vom Bauamt so viel gepriesene Westtrasse in ihren Zielen „nicht an Wohnviertel vorbeizuführen, keine Neubelastung zu verursachen und nicht die Städteentwicklung zu beschneiden“, schon meilenweit an der Realität vorbei.

Wer will angesichts dieser Kenntnisse den Umweltschutzverband beschimpfen oder gar beschuldigen? Es ist Zeit, die Klage anzuerkennen und respektvoll mit der UVA-Position umzugehen. Den Altenmarktern kann man nur ans Herz legen, nicht Anderen etwas zu verwehren, was sie selbst in Anspruch nehmen.

 Gisa Pauli/UVA-Vorsitzende

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