Jugendzentrum steht vor dem Aus

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Die Obinger Jugendlichen hoffen auf einen neuen Treffpunkt. Ihr JUZ wird für den Rathausneubau abgerissen, im alten Rathaus kommen der Trachtenverein und ein Museum unter, für die Jugendlichen ist dort kein Platz.

Obing - Mit dem geplanten Rathausneubau steht das Obinger Jugendzentrum in der alten Grundschule vor dem vorläufigen Aus. Das Gebäude soll dem Rathausneubau weichen und Anfang Juni abgerissen werden.

 Rund 25 Jugendliche verlieren damit ihren Treffpunkt, finden sich nicht bald geeignete Räume.

"Die reißen uns hier einfach raus und wir müssen wieder auf die Straße" sagt die 19-jährige Kerstin. "Hier soll ein Glashaus hin und was aus uns wird, ist denen egal" pflichtet ihr der 20-jährige Josef bei und fügt hinzu, dass er enttäuscht darüber ist, dass die Verantwortlichen nicht mit den Jugendlichen über den geplanten Abriss und mögliche Alternativen gesprochen hätten.

Kerstin, Josef und einige andere der rund 25 Jugendlichen sind im Alter von 14 Jahren ins "JUZ" gekommen und haben hier eine zweite Heimat gefunden. Im Rahmen der offenen Jugendarbeit können sie hier ohne Verpflichtung und Zwang Zeit miteinander verbringen und auch Sorgen und Nöte loswerden. Viele finden hier auch ein Ventil für ihre oft schwierigen familiären Situationen. Deshalb wollte Jugendpfleger Karl Katz ein zweites Wohnzimmer schaffen, wo die Jugendlichen mit Freunden zusammenkommen und sich wohlfühlen können. Der Religionspädagoge betreut die jungen Leute seit rund zweieinhalb Jahren und erntet Lob von allen Seiten. Auch er zeigt sich enttäuscht über das bevorstehende Ende des JUZ und auch seiner Tätigkeit, in der viel Herzblut stecke. Er würde sich wünschen, dass gemeinsam mit dem Gemeinderat nach Lösungen gesucht und auch abgeklärt werde, was die Jugendbegegnung einbringen könne. Seiner Meinung nach müsse intensiver nach neuen Räumen und Alternativen gesucht werden.

"Im JUZ kann man viel machen" findet der 15-jährige Konstantin. Billard, Kickern, Dart oder auch das Internet-Cafe gehören ebenso zu den Freizeitangeboten wie verschiedene Projekte von Street Dance über Ausflüge bis hin zum Mario-Kart-Turnier und Graffiti-Workshop. Zudem bietet das JUZ einheimischen Bands eine Bühne, auch die Konzerte und das "Sound am See"-Festival sprechen Jugendliche weit über die Gemeindegrenzen hinaus an.

"Wir haben uns hier mit Hilfe vieler Obinger in den letzten zweieinhalb Jahren was aufgebaut, aber das juckt niemanden", bedauert der 21-jährige Christopher. Ähnlich sieht es Lisa Brader vom Trägerverein, der Jugendbegegnung Obing. Sie findet, dass das JUZ die Jugendlichen auf ihrem Weg, ihren Platz im Leben zu finden, unterstützt. Das Argument die Jugendlichen sollten sich den Ortsvereinen oder der Landvolkbewegung anschließen, kann sie nicht nachvollziehen. Ihrer Meinung nach fehlt ein Jugendbeauftragter, der sich in der Gemeinde für die Belange der Jugendlichen einsetzt. Nachdem Daniel Lebert das Amt nach Querelen mit der Verwaltung niedergelegt hatte, hat es Bürgermeister Hans Thurner übernommen.

Der Posten sei nach wie vor vakant und könnte gerne wieder besetzt werden, betont Thurner. Er wünsche auch, dass das JUZ weitergeführt werde, allerdings müssten sich die Kosten im Rahmen halten. Er stehe in regem Kontakt mit Karl Katz und informiere ihn regelmäßig über die Entwicklungen in Sachen JUZ. Demnächst solle gemeinsam eine verfügbare Immobilie besichtigt werden, allerdings auch nur eine Übergangslösung. Das Angebot eines Bauherrn, in seine Halle einen Raum für die Jugendlichen einzubauen, sei wegen der zu erwartenden jährlichen Kosten von rund 10000 Euro vom Gemeinderat abgelehnt worden.

Ein neuer Platz für das JUZ sei für die Gemeinde eine Herausforderung, die mit Kosten verbunden sei. Dennoch sei Prävention sinnvoll, denn seit Katz das JUZ leite gäbe es keine Vorfälle mit Jugendlichen mehr, so Thurner.

Die Gemeinderätin und CSU-Kreistagsabgeordnete Franziska Mayer betont, dass in Obing in den letzten Jahren erhebliche Mittel für die Jugendarbeit eingesetzt worden seien, doch das habe sich bewährt. Noch vor einigen Jahren habe es in Obing immer wieder Zwischenfälle mit Jugendlichen wegen Lärmbelästigung und Beschädigungen im Bereich Rathausplatz/ Schulstraße gegeben und zeitweise sei sogar ein privater Wachdienst beauftragt gewesen. Das habe auch Geld gekostet, aber nachhaltig nichts gebracht. Im Gegensatz zum JUZ. Veränderte Familien- und Gesellschaftsstrukturen forderten Landkreis und Kommunen und Ausgaben für Prävention seien im Verhältnis gering zu den Kosten für Maßnahmen. So habe der Jugendhilfehaushalt des Landkreises im letzten Jahr gut zwölf Millionen Euro betragen und für 2012 seien 12,2 Millionen Euro angesetzt, so Fanny Mayer, Mitglied im Haushaltsausschuss des Kreistags.

ca/Wasserburger Zeitung

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