In Obing tut sich weiter nichts bei der Suche nach einer Bleibe für die jungen Leute

Jugendarbeit demnächst nur im Freien möglich

Obing - Die Zukunft der Jugendbegegnung in Obing ist weiter unklar: Am 27. Mai gibt es die Abrissfeier im JUZ - und danach?

"Was woll ihr hier machen?" Diese Frage stellte Karl Katz bei seinem Einstand vor rund zweieinhalb Jahren den Jugendlichen und hatte dazu Pizza und einen Film mitgebracht. Die gleiche Frage stellt der Leiter des JUZ seit geraumer Zeit dem Obinger Gemeinderat, denn die Zukunft der Jugendbegegnung ist weiterhin ungeklärt. Zwar gibt es viel Lob für die positive Entwicklung des Jugendtreffs und der Arbeitsvertrag mit dem hauptamtlichen Leiter Karl Katz ist befristet verlängert. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, wo es eine definitive Entscheidung über die Zukunft des JUZ gibt, die weiter hinausgeschoben wird.

Diskutiert werden derzeit zwei Varianten. Zum einen die Unterbringung in einem Neubau der Firma Ederer im Gewerbegebiet, zum anderen soll möglicherweise auch ein Platz im alten Rathaus gefunden werden, falls hier nicht noch der Beschluss gefasst wird, dass es abgerissen wird. In beiden Fällen sind die Räumlichkeiten wahrscheinlich frühestens in zwei Jahren bezugsfertig und eine Übergangslösung ist derzeit nicht in Sicht.

Fest steht, dass die Jugendlichen nach der Abrissparty "Zack Bumm 2.0" am 27. Mai, das JUZ räumen müssen. Für Karl Katz und die rund 25 Jugendlichen ist das keine befriedigende Situation. Mit dem Ferienprogramm, Sound am See, einem Graffiti-Workshop und weiteren Freiluftprojekten könne man den Sommer schon überbrücken, sagt der Religionspädagoge, doch was passiert in der Zeit danach? Das sei auch eine schwierige Situation für ihn persönlich, denn für ihn habe sich in den letzten Monaten nichts bewegt. Eine endgültige Entscheidung über das JUZ und seine berufliche Zukunft sei letztendlich nur wieder weiter nach hinten verschoben worden. Für ihn stelle sich schon die Frage, ob es ohne geeignete Räume und Zukunftsvisionen überhaupt noch Sinn mache. Er wünschte sich, dass das JUZ, als eine Art Dienstleistung für Jugendliche zu einer Gemeindeinstitution wird, die auch allen Vereine offenstehe und die jungen Leute miteinander vernetzt.

Dazu braucht es, neben vielfältigen Angeboten, einen Aufenthaltsraum mit rund 100 Quadratmetern, der Küche, Internet-Café und Sanitär Einrichtungen biete und einen Veranstaltungsraum mit rund 80 Quadratmetern, der auch als Probenraum genutzt werden kann. Die Kosten dafür würde das JUZ in Eigenregie übernehmen.

Katz kritisiert, dass das JUZ immer noch um Anerkennung kämpfen müsse, obwohl die geleistete Arbeit allseits hervorgehoben werde. Seitdem sich Katz hauptamtlich um die Jugendlichen kümmere, sei es an den ehemaligen Problemzonen wieder ruhig und sauber, ist oft zu hören. "Doch das ist nicht der eigentliche Punkt", ärgert sich der Jugendarbeiter, denn offene Jugendarbeit sei weit mehr, als nur für Ruhe zu sorgen. In den letzten zweieinhalb Jahren sei ein breitgefächertes Angebot für Jugendliche entstanden, die nicht ins gängige Bild passten und es sei bereitwillig angenommen worden. Die Jugendlichen hätten sich mit der eigenhändigen Renovierung der heruntergekommenen Räume in der ehemaligen Grundschule, einen Ort geschaffen, mit dem sie sich identifizieren und an dem sie ohne Verpflichtung sein könnten. Der langwierige Entscheidungsprozess über die Zukunft des JUZ signalisiere in den Augen der Jugendlichen auch deutlich den Stellenwert dessen, was hier, auch mit Hilfe vieler Sponsoren, entstanden sei. "Seit zwei Jahren bettle ich mich durch Obing um Spenden und Sponsoren zu finden", denn bisher habe das JUZ auf kein eigenes Budget zurückgreifen können.

Im Gemeinderat sei man sich einig, dass man das JUZ weiter haben wolle und suche auch weiterhin nach einer Übergangslösung, sagt Bürgermeister Hans Thurner. Allerdings seien bisher alle Bemühungen, geeignete Räumlichkeiten zu finden, gescheitert. Derzeit werde eine Container-Lösung geprüft. Auch wolle er nochmals mit dem örtlichen Pfarrer sprechen. Sollte sich jedoch nichts ergeben, müsste das Inventar erst einmal eingelagert und die Jugendarbeit vorübergehend ins Freie verlagert werden. Denn fest stehe, dass sich Vandalismus und Alkoholprobleme deutlich gebessert hätten. Hier sei eine gute Einrichtung entstanden, die Jugendliche integriere und Annäherung schaffe. Allerdings müsse man sich einig darüber werden, wie das künftige JUZ aussehen soll. Der Forderungen nach einem zusätzlichen Veranstaltungsraum erklärte er jedoch wegen der hohen Kosten eine deutliche Absage. Auf die Zusage des Jugendtreffs, diese zusätzlichen Kosten selbst zu übernehmen, will Thurner sich nicht verlassen. Die Notwendigkeit den Posten eines Jugendpflegers zu schaffen, sieht er derzeit auch nicht. Alles in allem sieht er in der Obinger Jugendarbeit ein "Erfolgsmodell", das weitergehen solle.

Auch Pfarrer Martin Klein würdigt die gute Arbeit im JUZ und sieht darin eine Chance für Jugendliche, die nicht ins Vereins-Schema passen. Hier sei ein guter Platz, um Gleichaltrige zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen. Er habe leider auch keine Räume, die kurzfristig zur Verfügung gestellt werden könnten, denn das Pfarrheim sei ausgebucht und im Benefizanten Haus werde gerade die Wohnung für einen weiteren Ruhestandspfarrer hergerichtet. Die derzeitige Diskussion hätte man sich ersparen können, wenn man sich frühzeitig für ein Haus der Vereine entschieden hätte, das alle Vereine unter einem Dach gleichberechtigt beherberge, betonte Klein. Da brauche sich dann keiner aufregen, dass für andere mehr Geld ausgegeben werde.

ca/Wasserburger Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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