Windkraft: Anlieger bleiben skeptisch

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Um die Dimensionen zu verdeutlichen, hat die Bürgerinitiative diese Fotomontage erstellt. So würde sich der Blick über Albertaich Richtung Süden verändern.

Obing - Windkraft: Wertvoller Beitrag zur Energiegewinnung oder doch nur "Verschandelung" der Landschaft und Gesundheitsgefährdung?

Ist der Bau zweier Windkrafträder mit insgesamt 180 Metern Höhe und Rotoren mit Durchmesser von 117 Metern auf dem Scheitzenberg ein Beitrag zur regionalen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien oder Landschaftsverschandelung und Gesundheitsgefährdung der Anwohner?

Diese Frage wurde bei der Infoveranstaltung der Gemeinde Obing teils sachlich, teils emotional kurz vor einer Entscheidung im Gemeinde diskutiert.

Die Diepoldsberger Nachbarn sind der Meinung, dass den Gemeinderäten die Entscheidungsgrundlagen für einen solchen Beschluss fehlen, der ihrer Meinung nach dem Vorhaben einen "Persilschein" ausstellt.

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Die Prüfung, ob öffentliche Belange beeinträchtigt werden wie das berechtigte Interesse der Anwohner auf Schutz vor Lärm und Schattenwurf oder die Erhaltung naturschutzfachlich wertvoller Gebiete, ist Aufgabe des Landratsamtes Traunstein. Der Leiter der Abteilung Immissionsschutz, Thomas Karrasch, versuchte den betroffenen Bürgern klar zu machen, dass der Gemeinderat das Projekt nur unter baurechtlichen Gesichtspunkten beurteilen kann. Die für alle Anlagen über 50 Meter Höhe nötige immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteile das Landratsamt. Dieser Prozess habe noch nicht begonnen, denn der künftige Betreiber habe noch nicht alle notwendigen Unterlagen eingereicht. Das Landratsamt könne im Genehmigungsverfahren nur das in allen Details bereits festgelegte Vorhaben prüfen, sich nicht mit möglichen Varianten beschäftigen.

Da die Luftfahrtbehörde auf der Einhaltung einer Grenze von 822 Metern über Normalnull für die Gesamthöhe der Anlage beharre, liege der genaue Standort noch nicht endgültig fest, war von Antragsteller Volker Seyfert zu erfahren.

Zweiter Bürgermeister Sepp Huber plädierte für eine Parallelität der Verfahren bei Gemeinde und Landkreis und bat den Vertreter des Landratsamts, den Obinger Gemeinderäten zeitnah alle Informationen über die Ergebnisse der immissionsschutzrechtlichen Prüfungen zur Verfügung zu stellen.

Die meisten Bewohner der den geplanten Windkrafträdern zunächst liegenden Weiler beruhigten die Informationen des Immissionsschutzfachmanns nicht. Sie befürchteten, dass nicht alle schädlichen Auswirkungen der Windkraftanlagen hinreichend untersucht werden. Neben der Beeinträchtigung des Landschaftsbilds, dem Schattenwurf und der erwarteten Lärmemissionen bezogen sich ihre Ängste auf die Gesundheitsgefährdung durch den an Windkraftanlagen erzeugten Infraschall. In wissenschaftlichen Untersuchungen seien Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem beobachtet worden, die sich unter anderem in Müdigkeit und Erniedrigung der Atemfrequenz äußerten, meinten einige der Nachbarn.

Thomas Karrasch verwies dazu auf die Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, dessen Untersuchungen an einem bestehenden 1-Megawatt-Windkraftrad ergeben hätten, dass die Infraschallpegel weit unter der Grenze liegen, über der gesundheitliche Gefährdungen auf Menschen möglich sind. Der aus natürlichen Quellen kommende Infraschall, beispielsweise vom Wind selbst, sei stärker.

Zum Thema Schattenwurf erläuterten Antragsteller Volker Seyfert und Karrasch, dass die Anlage eine automatische Abschaltung haben müsse, um bei allen Nachbarn die Beschattung auf unter 30 Stunden im Jahr beziehungsweise 30 Minuten am Tag zu halten.

Die durch Nähe zum Windrad am meisten Betroffenen mutmaßten, im Landratsamt wolle man dem Vorhaben den Weg ebnen, weil die verstärkte Nutzung der Windenergie politisch gewollt sei. "Und dann stehen in naher Zukunft nicht mehr nur zwei Windkrafträder, sondern vier oder fünf am Scheitzenberg", prophezeite Rupert Freiberger junior von der Diepoldsberger Bürgerinitiative "Zukunft Scheitzenberg".

Diese Bedenken konnte auch die Koordinatorin der Klima- und Energiekonferenz des Landkreises Traunstein, Birgit Seeholzer, nicht zerstreuen. Dass jeder Fall separat geprüft werde, bezweifelten die Scheitzenberg-Anwohner. Zuvor hatte Birgit Seeholzer sich bemüht, das Vorhaben Windkraftanlagen am Scheitzenberg einzuordnen in die Anstrengungen des Landkreises Traunstein, bis 2020 soviel Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, wie im Landkreis verbraucht wird.

So wurden in der Versammlung auch Stimmen laut, die Windkraftanlagen im Voralpenland für notwendig erachteten, wenn die Abkehr von der Atomkraft gelingen solle. PAO-Gemeinderat Thomas Breu betonte, dass der dezentrale Ausbau erneuerbarer Energien nur im Miteinander von Bürgern und Betreibern angegangen werden könne. Er nannte als Beispiel Wilpoltsried im Allgäu, wo mit gemeindlicher Unterstützung mehrere Bürgerwindkraftanlagen entstanden sind.

Bartl Pfisterer aus Frabertsham forderte den potenziellen Windkraftanlagenbetreiber Volker Seyfert auf, auf jeden Fall an dem von ihm nun vorgestellten Finanzierungsmodell festzuhalten, dass sich eine Genossenschaft aus Obinger Bürgern und Bürgern der Gemeinden der nächsten Umgebung am Eigentum und damit auch am Ertrag der Windkrafträder am Scheitzenberg beteiligen können.

igr/Wasserburger Zeitung

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