Zwei Gasanlagen sind eine zuviel

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Blick von Norden auf Landertsham bei Obing: In der Bildmitte die Gebäude des künftigen Biogasbetriebes - das kleine weiße Generatorhaus mit dem Kamin und Windschutzwand und rechts daneben die Halle mit dem in Frage stehenden Holzvergaser.

Obing - Die zunehmende Zahl von Biogasanlagen wird immer kritischer gesehen: In Obing sorgte jetzt für Diskussionen, dass auf einem Hof gleich zwei Anlagen betrieben werden sollen.

Unmut erregte im Gemeinderat Obing vor allem die Vorgehensweise der künftigen Betreiber der Trockenbiogasanlage in Landertsham: In eine neben Generatorhaus genehmigungsfrei errichtete landwirtschaftliche Halle wurde ein Holzvergaser eingebaut und mit dem Blockheizkraftwerk verbunden, eine Windschutzwand ohne Baugenehmigung errichtet und der Kamin entgegen dem Plan an die Nordseite des Generatorhauses verlegt.

In dem nun nachgereichten Bauantrag erklärte Ralf Poschner, der Holzvergaser solle nach dem Bau der Trockenbiogasanlage Bestandteil dieser bereits genehmigten Anlage sein und in der dazugehörigen Anmischhalle untergebracht werden, um im Falle einer Störung an der Fermentationsanlage diese gefahrlos herunterfahren zu können. Hintergrund dieses ungewöhnlichen Vorgehens ist, dass der Holzvergaser zwar ebenfalls als landwirtschaftlich privilegierte energetische Biomassenutzung verstanden wird. Doch ist nur eine Biomasseanlage je Hofstelle zulässig. Als notwendiger Bestandteil der Fermentationsanlage und damit "unselbstständige Nebenanlage" könnte nach Ansicht der Bauabteilung des Landratsamtes Traunstein der Holzvergaser allerdings parallel betrieben werden.

Die Obinger Gemeinderäte konnten keine schlüssige neue Anlagenkonzeption für die Kombination von Holzvergaser und Fermenter erkennen und sahen noch großen Klärungsbedarf. CSU-Gemeinderat Michael Lache fragte sich unter anderem "warum jetzt ein vorhandener Holzvergaser unbedingt benötigt wird, obwohl er weder bei seiner Installierung noch im Zusammenhang mit der Planung der Biogasanlage Erwähnung gefunden hat" und wie "eine bis jetzt selbstständig betriebene Holzvergaseranlage durch Verlegung in einen anderen Raum plötzlich zur unselbstständigen Nebenanlage wird". Besonders verwunderlich fanden die Gemeinderäte, dass unmittelbar nach der Baugenehmigung für die Biogasanlage eine ursprünglich genehmigungsfreie Halle errichtet und dort widerrechtlich ein Holzvergaser installiert wurde, anstatt mit dem geplanten Hauptbau zu beginnen.

Die Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit des gesamten Vorhabens führte schließlich die Mehrheit der Gemeinderäte zu dem Entschluss, die Behandlung des Bauantrags auf die nächste Gemeinderatssitzung zu verschieben und von Antragsteller und Landratsamt weitere Aufklärung und eine nachvollziehbare Betriebskonzeption einzufordern. Eine Minderheit der Gemeinderäte stimmte dem Antrag von Franz Pürner zu, den Bauantrag vorsorglich abzulehnen, da auch so die anstehenden Fragen geklärt werden könnten. Pürner wollte auf diese Weise sichergehen, dass die Gemeinde auf jeden Fall die Frist wahrt, die ihr zur Behandlung des Bauantrags zusteht, und nicht dem Landratsamt die alleinige Entscheidung überlässt.

igr/Wasserburger Zeitung

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