Zwei Windräder konkret im Gespräch

Obing - Die Frage, wo in Obing Windräder stehen könnten, hat zusätzliche Brisanz durch ein konkretes Vorhaben am Scheitzenberg östlich von Diepoldsberg bekommen.

In nichtöffentlicher Sitzung hatte sich der Gemeinderat bereits mit der Fortschreibung des Regionalplans für den Teilabschnitt Windenergie beschäftigt, die dabei erarbeitete Stellungnahme wurde nun in öffentlicher Sitzung dargelegt.

Geschäftsleiter Ludwig Mörner erläuterte, die Regierung von Oberbayern habe den Regionen und Gemeinden Unterlagen zur Verfügung gestellt, welche Flächen in ihrem Bereich im Regionalplan als Vorrangflächen für Windkraft ausgewiesen werden könnten und gebe ihnen nun Gelegenheit zur Stellungnahme.

Dem Obinger Gemeinderat lagen fünf Flächen zur Beurteilung vor, die nach Ansicht der Planer unter diesem Gesichtspunkt für Windkrafträder geeignet wären. Bei drei Gebieten ergaben sich für Verwaltung und Gemeinderat allerdings schwerwiegende Gegenargumente auf Grund naturräumlicher Besonderheiten und der Landschaftsgestalt: Am Scheitzenberg bei Diepoldsberg könnten biotopkartierte Toteislöcher gefährdet werden und es drohe eine Verspargelung der Landschaft, am Brunnsee befinde man sich in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes "Seeoner Seen", die anvisierte Fläche westlich von Frabertsham sei im derzeit gültigen Regionalplan landschaftliches Vorbehaltsgebiet. Bei den Flächen östlich von Großornach und östlich von Maurach gab es keine Vorbehalte; diese Standorte empfahl der Obinger Gemeinderat zur Aufnahme in den Regionalplan der Region 18. Dass die Standorte in einer Nachtflugzone liegen, könne dadurch berücksichtigt werden, dass die Windkrafträder niedriger als 200 Meter bleiben müssen.

Mit elf zu sechs Stimmen sprach sich der Gemeinderat wie einige andere Gemeinden auch, die 800-Meter-Grenze für kleinere Ansiedelungen ebenfalls gelten zu lassen. "Wir sind doch keine Bürger zweiter Klasse", drückte es Gemeinderat Sepp Stettwieser aus.

Thomas Breu dagegen wies darauf hin, dass es wichtig sei, die Produktion von Windenergie in der Region zu ermöglichen. Immerhin sei der Stromertrag von einem Hektar Fläche bei der Windkraft um 100 bis 500 mal größer als bei der Nutzung von Biogas.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Obinger Gemeinderates für eine 800-Meter-Zone um alle Ansiedelungen war die Diskussion über die Information Bürgermeister Hans Thurners, dass am Scheitzenberg zwei Windräder geplant seien. Der Gemeinderat hatte den Diepoldsberger Bürgern wie auch dem künftigen Anlagenbetreiber die Möglichkeit gegeben, Argumente gegen und für das Vorhaben vorzubringen. In einem Brief an den Obinger Gemeinderat hatte eine große Mehrheit der Diepoldsberger ihre Einwände gegen die Windräder dargelegt; der nächstliegende Anwohner ist 600 Meter entfernt. Neben gesundheitlichen Bedenken vor allem wegen der Lärmemissionen und Befürchtungen, dass der Tourismus in der ganzen Gegend beeinträchtigt werde, führten die potentiellen Nachbarn der Windräder an, dass sie bei den von ihnen zahlreich installierten Photovoltaikanlagen durch den Schattenwurf Ertragsausfälle erwarteten.

Geschäftsleiter Ludwig Mörner wies darauf hin, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen das Vorhaben zwar bestimmte Auflagen erfüllen müsse, die im Genehmigungsverfahren festgelegt werden, aber unter die landwirtschaftliche Privilegierung falle. Die Gemeinde habe nur eine Handhabe dagegen, wenn vorrangige Standorte festgelegt seien.

igr/Wasserburger Zeitung

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