HvO - eine Schnaitseer Erfolgsgeschichte

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Sie abeiten ehrenamtlich und retten immer wieder Menschenleben: Die "Helfer vor Ort".

Schnaitsee - Seit zehn Jahren retten die "Helfer vor Ort" (HvO) Menschenleben mit ihrem Einsatz. Wie es zu dieser Erfolgsgeschichte kam und was die Sanitäter alles leisten:

Kein Einzelfall: Wenige Kilometer vor Schnaitsee passiert ein schwerer Verkehrsunfall. Sofort versuchen Passanten über den Notruf 112 Hilfe zu holen. Aber die umliegenden Rettungswachen Wasserburg, Garching und Trostberg liegen mehr als 15 Kilometer entfernt. Glücklicherweise werden parallel zum Rettungsdienst des Roten Kreuzes die „Helfer vor Ort“ (HvO) alarmiert, die wenige Minuten später an der Unfallstelle ein­treffen und sofort mit der Versorgung der Verletzten beginnen. Kurze Zeit später übergeben sie die Patienten dem Notarzt und Rettungsdienst. Durch diese „Ergänzung“ des Rettungsdienstes wurde in den letzten zehn Jahren vielen Verletzten das Leben gerettet. Die „Helfer vor Ort“ gehören zur Rotkreuz-Bereitschaft Schnaitsee.

Sollte sich die Unfallstelle auf schwierigem Gelände befinden, dirigieren die HvO über Funk oder Handy zudem Notarzt und Rettungsdienst, wie auch Rettungs­hubschrauber, zur Einsatzstelle und ver­ringern somit auch deren Anfahrtszeit. Damit schließen die HvO eine wichtige Lücke, denn nach dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz müssen im ländlichen Bereich 15 Minuten von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Notfallort eingehalten werden, was vor allem bei schlechter Witterung oder bei mehreren gleichzeitigen Einsätzen oft im Raum Schnaitsee nicht erfüllbar wäre. Deshalb hatten mehrere Rotkreuzler vor genau zehn Jahren die Idee, eine „Helfer vor Ort-Bereitschaft“, auch First Responder genannt, zu gründen.

Im vergangenen Jahr eilten die HvO 68 Mal zu Unfallstellen und versorgten hier 73 Patienten – meist mit Atemproblemen oder Herz- Kreislauf­er­krankungen. 18 Rotkreuzler teilen sich diesen Dienst, was bedeutet, dass sie mit Piepser am Wochenende und Feiertagen rund um die Uhr sowie wochentags in den Nachtstunden erreichbar sind. „Anfangs waren die HvO nur ein Pilotprojekt“, erzählt der Schnaitseer BRK-Bereitschaftsleiter Josef Lepschy, „aber jetzt ist eine Erfolgsgeschichte daraus geworden.“ Die Zahlen sprechen für sich: über 650 Notfalleinsätze in den letzten 10 Jahren und über 50.000 zurückgelegte Kilometer mit einem speziellen Einsatzfahrzeug, das seit sieben Jahren den Helfern vor Ort zur Verfügung steht. Anfangs waren die HvO noch mit Privatautos ohne Sondersignale unterwegs.

Einsätze in verschiedenen Landkreisen

Durch die geographische Lage werden die Schnaitseer HvO zu Einsätzen in mehrere Landkreise - Traunstein, Rosenheim und Mühldorf - gerufen und so muss die Zusammenarbeit mit verschiedenen Rettungsleitstellen koordiniert werden. Die HvO werden im Ernstfall parallel zum Rettungsdienst per Piepser alarmiert und zwei Mitglieder der HvO machen sich umgehend auf den Weg zum Notfallort. Durch die Ortskenntnis und ihre Nähe zum Einsatzort sind die HvO innerhalb weniger Minuten verfügbar – nach den bisherigen Erfahrungen ergeben sich Einsatzzeiten von oft weniger als drei Minuten.

Auch die Integrierte Leitstelle (ILS) in Traunstein schätzt die HvO Schnaitsee. „Ihr Einsatz ist für die Bevölkerung fast unschätzbar, etwa bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, dann ist der Zeitvorteil oft lebensrettend“, so Anton Groschack, Leiter der ILS. „Aber auch für uns als Leitstelle ist die HvO-Arbeit optimal, weil wir oft ganz anders reagieren können, wenn uns zum Beispiel die HvO bei einem Verkehrs­unfall informiert, dass weitere Helfer nötig sind.“

Mobile Sanitätsstation

Ein mobiler Sanitäts-Faltcontainer ergänzt die Aus­stattung der BRK-Bereitschaft wie auch der HvO. „Damit haben wir die Möglichkeit, mehrere Personen lagern zu können, wenn wir etwa bei Großveranstaltungen Sanitätsdienste leisten“, so Josef Lepschy. Den Faltcontainer, ein ehemaliger NVA-Raketenleitstand, entdeckten die HvOler bei ebay und ersteigerten ihn von einem Besitzer aus Weimar.

Unzählige Freizeitstunden investierten die HvO-Mitglieder, um den Faltcontainer zur Sanitätsstation auszubauen. Nun muss noch geklärt werden, wo der Container künftig untergebracht wird. Seit mehreren Jahren nutzen die Schnaitseer Rotkreuzler einen Raum im alten Schulhaus, der aber nicht heizbar ist. Nun soll das Gebäude umgebaut werden, so dass auch dieser Lagerplatz wegfällt. Jetzt scheint sich eine Lösung abzuzeichnen: Auf einem Gemeinde­grund neben dem Feuerwehrhaus ist der Bau einer Garage ins Auge gefasst. Geplant sind dabei auch Lagerräume, die sowohl die Schnaitseer BRK-Bereitschaft, die Wasserwacht und die HvO nutzen können. „Damit könnten wir effektiver arbeiten“, meint Lepschy. „Bisher lagern wir frostempfindliche Sachen, wie Infusionen, elektrische Geräte und Ausbildungsmaterial, bei verschiedenen Rotkreuz-Mitgliedern in privaten Räumen.“ Sowohl BRK-Kreisverband als auch die Bereitschaft und Gemeindevertreter führen mit möglichen Sponsoren Gespräche, darunter auch die betroffenen Gemeinden im HvO-Gebiet, um den Neubau finanzieren zu können.

Neben den Einsätzen verbringen die Helfer vor Ort viel Zeit mit Ausbildung, Kursen und Lehrgängen. „Dabei arbeiten wir alle ehrenamtlich und finanzieren uns zu hundert Prozent aus Spendengeldern“, erklärt Lepschy. Hinzu kommt, dass HvO-Einsätze über die Krankenkassen nicht abgerechnet werden können und so die nicht gedeckten Kosten der BRK-Kreis­ver­band trägt. „Oft sind es auch die Geretteten, die uns finanziell unterstützen.“

BRK-Pressemitteilung - Kreisverband Traunstein

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