Bürgerversammlung in Tacherting

Konflikt um Hochwasser: Fronten bleiben verhärtet

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Am Dienstagabend auf dem Podium im Gasthaus "Zur Post" (von links): Tachertings Geschäftsleiter Martin Beringhoff, Thomas Gmeindl von ing-Ingenieure, Christian Nebl vom Landratsamt, Bürgermeister Johann Hellmeier und Anwalt Stephan Figiel.
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Tacherting - Die Fronten bleiben verhärtet: Die Bewohner des Tachertinger Ostens haben regelmäßig mit erhöhtem Grundwasser zu kämpfen. Auf ihre Initiative musste am Dienstag eine Bürgerversammlung einberufen werden. 

Die Alz muss noch nicht mal Hochwasser führen: Auch bei extremen Niederschlägen steigt das Grundwasser im Tachertinger Osten dermaßen, dass es in die Häuser dringt und an die Oberflächen kommt - vor allem in Wajon und Galgenpoint hatte man damit zuletzt 2013 zu kämpfen. Eine Interessengemeinschaft (IG) gründete sich, doch das Gesprächsklima mit der Gemeinde ist eisig. Die IG sammelte Unterschriften für eine Bürgerversammlung, die am Dienstag im Gasthaus "Zur Post" einberufen wurde - rund 200 Tachertinger kamen.

Fast alle Anwesenden standen hinter Forderungen

Hier wird deutlich, wie beispielsweise der Ortsteil Wajon von Alz und Alzkanal "eingekeilt" ist.

Mit deutlicher Mehrheit stimmten die Tachertinger am Ende für Empfehlungen an den Gemeinderat, unter anderem: Regelmäßige Besprechungen zwischen IG und Gemeinde, ein Verzicht auf die Drainage bei Galgenpoint, eine Verkürzung der Drainage zwischen Alzkanal II und Alzspitz, die Zusammenführung und Verlegung von Bächen und die Ausarbeitung einer Entwurfsplanung für Wajon, Galgenpoint und Tacherting-Ost. 

Bürgerversammlung in Tacherting zu Hochwasser und Grundwasser

Sollte man mit den Entwürfen beim Landratsamt kein Gehör finden, solle man sich an den Bayerischen Landtag wenden. Der SPD-Landtagsabgeordnete Knoblauch sagte bereits seine Unterstützung zu. Die Empfehlungen der Bürgerversammlung müssen nun innerhalb der nächsten drei Monate dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt werden - so will es die Bayerische Gemeindeordnung. 

"Jeder Bürger verpflichtet, sich selbst gegen Hochwasser zu wappnen"

Konrad Grundner von der IG.

Bevor sich die Vertreter der IG, allen voran Konrad Grundner, äußerten und ihre Forderungen auf den Tisch legten, waren es Vertreter von Landratsamt, eines Ingenieurbüros, ein Wissenschaftler der TU München, ein Anwalt, ein Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes und Bürgermeister Johann Hellmeier, die am Podium die Lage aus ihrer Sicht erklärten. 

"Jeder Bauherr muss die Grundwasserstände berücksichtigen und eventuell auch selbst den Baugrund danach untersuchen. Jeder Bürger ist verpflichtet, sich auch selbst gegen Hochwasser zu wappnen", so beispielsweise Christian Nebl vom Landratsamt: "Nur hilft das den Grundwassergeschädigten in Tacherting nun nichts mehr, weil die Häuser ja schon stehen." 

Klage gegen den Freistaat?

Auch eine mögliche Klage gegen den Freistaat Bayern wurde wieder diskutiert: "Das wäre hinausgeschmissenes Geld. Bei Grundhochwasser gibt es keine Förderungen, das ist auch nicht so greifbar wie ein normales Hochwasser", so Anwalt Stephan Figiel. Die IG rund um Konrad Grundner sah dies anders: Man müsse eine Klage zumindest versuchen. 

So wurde abgestimmt: Wer für die Empfehlungen aus der Bürgerversammlung an den Gemeinderat war sollte aufstehen - es war eine klare Mehrheit.

Rund 800 Betroffene gibt es in der Gemeinde. Das Grundhochwasser stammt vor allem aus der Alz und dem Alzkanal. Führt beispielsweise die Alz hohes Wasser bleibt das Wasser des Alzkanals "stehen" und breitet sich im angrenzenden Grund aus - bei Wajon ist der Alzkanal nicht betoniert. Die Anwohner sehen vor allem Kanalbetreiber, Freistaat und Gemeinde in der Pflicht

Keine gemeinsame Lösung gefunden

"Wir bleiben da dran, wenn's sein muss auch ohne die Gemeinde, da können Sie Gift drauf nehmen", schloss Konrad Grundner. Eine wirkliche Reaktion darauf kam von Bürgermeister Hellmeier nicht: "Ich will jetzt nicht widersprechen und kein Öl ins Feuer gießen." Hellmeier verweist auf einen "offenen Brief" vom September. Seitdem herrschte zwischen ihm und der IG absolute Funkstille.

Video vom Alz-Hochwasser 2013

xe

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