Sammeldurchforstung mach Wald wieder fit

Pflege für den Zukunftswald bei Tacherting

Waldbegang: Bei einem vor Ort Termin im Westerholz wurde der Arbeitsfortschritt besprochen. (v.l.n.r.): Engelbert Vordermaier, Tobias Anhof, Johann Wimmer, Josef Wastlschmid, Remigius Hammerl
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Waldbegang: Bei einem vor Ort Termin im Westerholz wurde der Arbeitsfortschritt besprochen. (v.l.n.r.): Engelbert Vordermaier, Tobias Anhof, Johann Wimmer, Josef Wastlschmid, Remigius Hammerl

Rund 40 Hektar Wald wurden mit „Harvestern“ gelichtet, um so den Wald wieder zu stabilisieren. Dafür haben sich mehrere Waldbesitzer zusammengeschlossen und hoffen jetzt auf Nachahmer.

Traunstein/Emertsham - Es ist einiges los im Westerholz, einem großen, zusammenhängenden Waldgebiet bei Emertsham. Große Maschinen, sogenannte Harvester oder Forwarder öffnen Erschließungsstraßen in jungen Beständen, damit anschließend einzelne Stämme über die ganze Fläche entnommen werden können. Über den Wald verteilt liegen frisch eingeschlagene und fertig zugeschnittene Stammstücke. Entlang der Wege sind hohe Holzpolter errichtet und warten auf den Abtransport.

„Die Durchforstungsmaßnahmen sind notwendig, um den Wald zu stabilisieren und für die Zukunft im Klimawandel fit zu machen“, erklärt Forstmann Remigius Hammerl, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Traunstein, bei einem Waldbegang vor Ort. Denn noch immer besteht der Wald im Westerholz überwiegend aus Fichte. Tanne und Laubbäume sind hier vergleichsweise selten. Und dies, obwohl der zu Staunässe neigende Standort der Fichte wenig Stabilität bietet und Stürme, wie Ende der 1990er Jahre, hier große Schäden angerichtet haben.

Leider wurde auch nach dem Sturm Kyrill wieder vor allem mit Fichte aufgeforstet, erzählt uns Johann Wimmer aus Emertsham, einer der Waldbesitzer im Westerholz, Ortsobmann der Waldbesitzervereinigung Traunstein, der häufig vor Ort ist, um den Arbeitsfortschritt bei der Waldpflege zu beobachten. Neben der schon erwähnten Erschließung der jungen Bestandesteile durch Rückegassen, wird in den 40-50-jährigen Beständen eine sogenannte Z-Baum Durchforstung vorgenommen.

Das „Z“ steht für Zukunftsbaum, ein Baum mit besonders guten Stammformen, von dem man sich für die Zukunft eine gute Form- und Wuchsleistung erwartet. „Solche Bäume werden freigestellt, damit sie genügend Raum zum Wachsen haben“, erklärt Tobias Anhof vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Traunstein (AELF), der die Durchforstungen im Westerholz im Rahmen eines Projektes der „Initiative Zukunftswald Bayern“ (IZW) der Bayerischen Staatsregierung betreut. Freigestellt werden auch Edellaubhölzer wie Kirsche oder Bergahorn, die in einem klimastabilen Mischwald dazugehören.

Ein Harvester schneidet Rückegassen in junge Fichtenbestände

In Altbeständen wird eine Endholznutzung vorgenommen, um Licht und Platz zu schaffen für die Naturverjüngung, vor allem von Tanne und von Laubhölzern wie Buche und Eiche. Wo es notwendig ist, weil keine Samenbäume in der Nähe sind, werden Mischbaumarten auch durch Pflanzung eingebracht. „In einigen Jahren wird hier ein ganz anderer Wald stehen, der mit den Herausforderungen des Klimawandels viel besser zurechtkommen wird“, ist Forstmann Anhof überzeugt.

Möglich wurde diese Aktion nur, weil sich fünf private Waldbesitzer aus der Umgebung zusammengetan haben, und auf ihren knapp 40 Hektar Wald im Westerholz einer gemeinsamen Durchforstung, - die Fachleute nennen es Sammeldurchforstung – zugestimmt haben. Den Anstoß zu einem solchen gemeinsamen Vorgehen kam von dem Revierförster Helmut Gattinger. Denn oft hat der einzelne Privatwaldbesitzer weder die Zeit, noch die Maschinen, noch die fachlichen Kenntnisse, um solche dringend notwendigen Maßnahmen anzugehen. Die Folge sind Pflegerückstände, weil man mit den Arbeiten nicht hinterher kommt und letztendlich instabile, wenig produktive Wälder. „Ich kann meinen Wald nur schwer allein pflegen“, so Engelbert Vordermaier, ein junger Waldbesitzer, der auch bei dem Begang dabei ist. „Da war es naheliegend, dass ich mir Hilfe hole. Bei der Waldbesitzervereinigung fühle ich mich gut beraten und unterstützt“.

Das freut natürlich auch Josef Wastlschmid, der seitens der WBV die Waldpflegemaßnahmen organisiert und den Maschineneinsatz steuert. „Derzeit sind mehrere Harvester und Forwarder gleichzeitig im Einsatz, zwei davon speziell für die Pflege von jungen Waldbeständen und die Schwachholzernte. Insgesamt rechnen wir hier mit ungefähr tausend Festmeter Sägerundholz und 600 Festmeter Papierholz“, so Wastlschmid.

Da sich die Holzpreise in den letzten Monaten deutlich erholt haben, ist das für die Waldbesitzer ein Lichtblick. Denn nach dem Einschlag wird das Holz direkt von der WBV vermarktet. Vorab wurde die Fläche von den Fachleuten der WBV vorbereitet, die eigentliche Durchforstung wurde an einen Unternehmer vergeben. Die Kosten werden am Ende mit dem Holzverkauferlös verrechnet. Zusätzlich bekommen die Waldbesitzer auch noch Fördermittel für die Pflege ihres Waldes.

Die Fachleute von AELF und WBV Traunstein, die in dem Projekt gut zusammenarbeiten, hoffen, dass das Projekt „Sammeldurchforstung im Westerholz“ Nachahmer findet und Schule macht. „Immer mehr private Waldbesitzer interessieren sich für unser Projekt“ weiß Tobias Anhof zu berichten. Das Ziel der IZW-Initiative ist es solche neuen Wege zu testen und zur beschreiten, um die Pflege im Privatwald zu erleichtern. Eine Möglichkeit können die wie hier praktizierten besitzübergreifenden Durchforstungen sein. Die Waldbesitzer erhalten dabei eine intensive Beratung, bei der Waldumbau- und Waldpflegepläne entwickelt werden.

Für weitere Informationen zur Pflege und Durchforstung der Wälder stehen die Waldbesitzervereinigung und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten den Privatwaldbesitzern gerne zur Verfügung.

kon

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