In Sorge um Vereinsleben

Taufkirchens Bürgermeister Mittermaier: „Ich war seit der Wahl nur in einer Versammlung“

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Mittermaier: „Die Gemeinde Taufkirchen hat in den letzten Jahren sparsam gewirtschaftet und ist finanziell solide aufgestellt.“

Taufkirchen – Seit Mai 2020 ist er im Amt, war in dieser Zeit aber nur in einer Vereinsversammlung. Bürgermeister Alfons Mittermaier (Unabhängige Wählergruppe) ist es ein großes Anliegen, das Vereinsleben wieder in Schwung zu bringen, sobald die Corona-Lage das zulässt.

Im Interview nahm er auch zu weiteren wichtigen Themen Stellung: der Zukunft der Mehrzweckhalle, der wachsenden Verkehrsbelastung durch die Autobahn, die auch Taufkirchen spürt.

Das Jahr 2020 war von Corona geprägt. Wie haben Sie die Stimmung in der Bevölkerung in Taufkirchen erlebt?

Alfons Mittermaier: Am Anfang hat man das noch relativ entspannt gesehen. Keine Termine und somit öfters Zeit für die Familie. Aber mit der Zeit fühlt man sich eingesperrt und sehnt sich wieder nach Treffen mit Anderen in größerer Runde. Besonders hart trifft es die Jugendlichen, die verständlicherweise lieber eine Party besuchen wollen als eine abendliche Kartenspielrunde mit den Eltern. Leute, die in besonders betroffenen Branchen arbeiten, machen sich mittlerweile auch Sorgen, wie es danach weitergeht.

Wie wirkt sich die Pandemie auf die Arbeit der Gemeinde aus?

Mittermaier: Mittlerweile nervig, aber machbar. Es wäre öfters notwendig und sinnvoll, sich bei bestimmten Projekten zusammenzusetzen, um sie zu besprechen und gemeinsam zu lösen. Das war bisher nur bedingt möglich, und wenn ja, immer mit einem etwas mulmigen Gefühl, wenn man sich getroffen hat. Ich war bisher in meiner Amtszeit nur in einer einzigen Vereinsversammlung. Der Kontakt mit den Bürgern hat da natürlich gelitten. Und immer wieder heißt es abwägen, was darf man, was kann man und was soll man machen…

Wie beurteilen Sie die aktuelle Finanzsituation der Gemeinde? Welche Folgen hat der Corona-Faktor?

Mittermaier: Die Gemeinde Taufkirchen hat in den letzten Jahren sparsam gewirtschaftet und ist finanziell solide aufgestellt. Es wurden Schulden zurückgezahlt und Rücklagemittel aufgebaut. Der deutliche Rückgang der Gewerbesteuer von 26 Prozent wurde mit staatlichen Fördermitteln kompensiert. Die Vorschau auf die nächsten Jahre gleicht einem Blick in die Glaskugel. Es wird davon abhängen, wie schnell die Wirtschaft wieder anspringt oder ob Kurzarbeit und mehr Arbeitslosigkeit noch länger ein Thema sind. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir mit „einem blauen Auge“ davonkommen.

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Auch wenn sie im Corona-Jahr diese Funktion nicht erfüllen konnte, ist die Mehrzweckhalle ein wichtiger Veranstaltungsort und Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Wie soll es mit der Halle weitergehen?

Mittermaier: Das ist ein Thema, das uns noch länger beschäftigen wird. Die Entscheidung über Neubau oder Sanierung wird sicher in diesem Jahr fallen. Natürlich werden wir uns mit den Nutzern der Halle abstimmen, um eine gute und bezahlbare Lösung für die Zukunft zu finden.

Was soll sich heuer in punkto Straßenbau oder -sanierung tun?

Mittermaier: Um bei rund 40 Kilometern Gemeindestraßen auf dem Laufenden zu bleiben, ist es notwendig, regelmäßig bedürftige Straßen zu sanieren. Im Schnitt ein Kilometer pro Jahr wären ein erstrebenswertes und machbares Ziel, soweit es die Finanzen hergeben. Vielleicht flacht der Bauboom etwas ab, sodass wieder mehr Firmen Interesse haben, solche Arbeiten zu akzeptablen Preisen zu übernehmen.

Zu einem lästigen Thema für Anlieger der Staatsstraße nach Trostberg ist das wachsende Verkehrsaufkommen geworden, das die Eröffnung der A94 gebracht hat. Wie sehen Sie die Lage?

Mittermaier: Das ist ein Problem! Bei einer Verkehrszählung vom 14. bis 24. August wurden in Gallenbach 53 587 Fahrzeuge gezählt! Eine sehr hohe Zahl, die jedoch trotzdem nicht an die Zahlen in einem „normalen“ Jahr herankommt. Eine aussagekräftigere Messung nach Corona ist hier sicherlich erforderlich. Dass diese Fahrzeuge Beeinträchtigungen für die Anwohner darstellen, kann sich sicher jeder vorstellen.

Was kann, was will die Gemeinde in dieser Angelegenheit unternehmen?

Mittermaier: Grundsätzlich können Anwohner einen Antrag auf Lärmsanierung stellen. Das Straßenbauamt Rosenheim empfiehlt den Anliegern abzuwarten, bis die neue, geänderte 16. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) am 1. März in Kraft tritt und neue Verkehrsmesszahlen sowie die neuen Berechnungsmethodiken vorliegen. Inwieweit die Gemeinde hier unterstützen kann, wird sich danach zeigen.

„Das Vereinsleben hat praktisch nicht mehr stattgefunden“

Welche weiteren Projekte wollen Sie in diesem Jahr angehen? Nennen Sie die drei wichtigsten.

Mittermaier: Taufkirchen war immer stolz auf sein florierendes Vereinsleben. Dieses hat im letzten Jahr praktisch nicht stattgefunden. Es bedarf unser aller Anstrengungen, das Vereinsleben wieder auf die „Vor-Corona-Zeit“ hochzufahren und die Einwohner wieder für die Vereine und für die Gesellschaft zu motivieren, sobald es die Situation zulässt. Das 2. Thema ist die Mehrzweckhalle. Und dann muss auch das Gemeindezentrum zumindest auf der Westseite saniert werden. Wie in Schule und Kindergarten ist hier eine alte Ölheizung eingebaut. Das ist nicht mehr Stand der Technik. Für 2021 sind neue Förderprogramme aufgelegt, die es zu nutzen gilt, wenn es Sinn macht.

Was haben Sie in Ihrem ersten Jahr im Amt gelernt.

Mittermaier: Es können Aufgaben und Entscheidungen auf einen zukommen, an die man niemals gedacht hätte.

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