Schlagabtausch zwischen Bürgermeisterkandidaten

Umfahrung, Altstadt, Ärztehaus: Podiumsdiskussion in Trostberg

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Bei der Podiumsdiskussion der Trostberger Bürgermeisterkandidaten zur Kommunalwahl 2020, von links: Nina Boxhammer (Grüne), Karl Schleid (CSU), Daniela Baumann (SPD). 

Trostberg - Zwei Frauen wollen ihm den Posten als Bürgermeister streitig machen: Karl Schleid musste sich bei der Podiumsdiskussion am Donnerstag mit Nina Boxhammer und Daniela Baumann duellieren.

Das Interesse war enorm: Bis auf den letzten Platz war der Postsaal zur Podiumsdiskussion der Trostberger Bürgermeisterkandidaten am Donnerstag gefüllt, manche mussten sich mit einem Stehplatz begnügen und auch die Empore wurde geöffnet. Knapp einen Monat vor der Bürgermeisterwahl lieferten sich Karl Schleid (CSU), Nina Boxhammer (Grüne) und Daniela Baumann (SPD) einen Schlagabtausch zu den brennendsten Themen in Trostberg. 


Wir fassen die Kernaussagen der Kandidaten zu den fünf wichtigsten Themen zusammen: Ortsumfahrung, Wohnen und Gewerbe, Klimaschutz, Ärztehaus und Altstadt.

Der Trostberger Postsaal war bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Ortsumfahrung

Karl Schleid: "Andere Trassen als die Westrasse waren nicht möglich, unter anderem wegen dem Naturschutz an der Alz oder weil man sich früher nicht einigen konnte. Die Durchquerung des Alztals ist schon problematisch. Wir haben uns das lange überlegt, deshalb fordern wir auch eine teilweise Tunnellösung. Die Umfahrung sollte in einem Zug gebaut werden, sonst wird der Verkehr über den Krankenhausberg geleitet, der dann zweispurig ausgebaut werden müsste."

"Am Umfeld und den Einwohnerzahlen sieht man, dass es bei uns vorwärts geht - und das will ich fortführen", warb Karl Schleid für sich. Nach einer Ausbildung bei der Polizei arbeitete er bei der Stadtverwaltung und später hauptamtlich für die CSU. Seit zwölf Jahren ist Schleid Trostbergs Bürgermeister. 

Nina Boxhammer: "Wir unterstützen die Umfahrung nicht. Das wird eine Transitstrecke zwischen den Autobahnen und für Trostberg kaum entlastenden Effekt haben. Auch laut Staatlichem Bauamt würde die Umfahrung nur 20 Prozent weniger Verkehr in Trostberg bringen. Die Straße hätte eine massive Auswirkung auf das Klima in der Stadt, durch unsere Tallage wäre die Frischluftzufuhr abgeschnitten. Dazu kommt eine riesige Flächenversiegelung, kein Stein würde auf dem anderen bleiben." 

Daniela Baumann: "Die Würfel zur Ortsumfahrung sind gefallen, jetzt müssen wir uns damit arrangieren. Die Umfahrung sollte in einem Zug gebaut werden, aber langfristig braucht es eine gute Anbindung für den Ziel- und Quellverkehr der LKW. Im Gegenzug sollten wir die Attraktivität des Stadtbusses erhöhen."

Wohnen und Gewerbe

Daniela Baumann: "Die Stadt bräuchte mehr Bodenbevorratung, wie jetzt für den Realschul-Neubau oder am Waltershamer Feld. Wir müssen Hauseigentümern außerdem mehr Anreize geben, zum Beispiel ihre Fassaden zu erneuern und sollten Zersiedelung verhindern."

Karl Schleid: "Die Flächen, die die Stadt zuletzt gekauft hat, brauchen wir zum Flächentausch für die Umgehungsstraße. Wir führen sehr viele Verhandlungen, aber die Bauern wollen ihren Grund oft nicht verkaufen, sondern lieber tauschen. Für die Altstadt-Sanierung gibt es inzwischen wirklich gutdotierte Förderprogramme, bei denen bis zu 30 Prozent bzw. 25.000 Euro der Kosten übernommen werden können. Allein im vorigen Jahr gab es zehn Anträge, die Richtung passt also."

Die Moderation übernahmen Lucia Frei und Karlheinz Kas vom Trostberger Tagblatt.

Nina Boxhammer: "Bei Umzügen oder Erweiterungen wollen wir uns nicht gegen neue Gewerbebauten wehren. Aber als Kommune müssen wir mehr Einfluss nehmen, wie gebaut wird. Es sollte möglichst sparsam mit Flächen umgegangen werden. Einstöckige Gewerbebauten sollte es nicht mehr geben, oder Doppelgaragen könnten in die Häuser integriert werden."

Kommunaler Klimaschutz

Nina Boxhammer: "Alle Dächer von städtischen Gebäuden sollten mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Und es wäre gut, wenn wir von einem möglichen Geothermiekraftwerk in Palling ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Auch eine andere Verkehrspolitik ist eine Klimaschutzpolitik. Außerdem muss mehr mit Holz und weniger mit Verbundwerkstoffen gebaut werden. Jede Entscheidung im Stadtrat sollte auf ihre Auswirkungen auf den Klimaschutz überprüft werden."

"Mir liegt Trostberg am Herzen und wir Grüne haben vernünftige Ideen", unterstrich Nina Boxhammer in ihrem Schlusswort. Die gebürtige Erdingerin lebt seit 25 Jahren in der Stadt: "Heimat heißt Verantwortung - und die will ich übernehmen."

Daniela Baumann: "Den Großteil der Energie braucht die Industrie, und die ist - teils gesetzlich - ohnehin zum Sparen gezwungen. Man könnte unseren Klimamanager im Rathaus auf Vollzeitbasis einstellen, damit die Bürger noch besser über Energiesparmöglichkeiten bei ihnen zuhause informiert werden können."

Karl Schleid: "Ein Klimaschutzgutachten haben wir schon 2013 anfertigen lassen, lange vor den Fridays-for-Future-Demonstrationen. Eisstadion, Schulen oder Schwimmbad werden schon mit Nahwärme versorgt. Manche Neubauten sind aber auch schon so energieeffizient gebaut, dass sie auf die Nahwärme nicht mehr angewiesen sind. Auch unsere Kläranlage arbeitet fast energieautark."

Ärztehaus und Apotheken

Daniela Baumann: "Bei einem Ärztehaus haben wir einige Chancen mit den Eigentümern vertan. Ein Ärztehaus wäre dringend notwendig und würde auch die Altstadt beleben. Die Stadt hätte beim Wendl-Haus auch ihre Vorkaufsrechte nutzen können, um dort ein Ärztehaus einrichten zu können."

"Ich will Trostberg zukunftsorientiert gestalten und traue mir das auch zu", so Daniela Baumann. Sie wuchs in Traunreut auf und lebt seit sieben Jahren in Trostberg. Dort arbeitet sie in der Notaufnahme der Klinik, ist außerdem in Betriebsrat, Gewerkschaft und der Arbeiterwohlfahrt aktiv. 

Nina Boxhammer: "Man kann ein Ärztehaus nicht einfach so hinstellen und Ärzte nicht einfach hier ansiedeln. Außerdem eignen sich auch nicht alle Häuser dafür, zum Beispiel wegen der Parkplatzsituation. Ein Ärztehaus wäre natürlich ein guter Standortfaktor, aber das ist insgesamt ein heikles Thema. Ein Apothekensterben sehe ich in Trostberg nicht, trotz der Konkurrenz durch den Online-Handel."

Karl Schleid: "Trotz des Interesses von manchen Ärzten wollten wir das Ärztehaus nicht in Mögling. Es hätte Nachteile für die Innenstadt gehabt. Auch ein Ärztehaus im Zentrum ist dann gescheitert, aber momentan ist das bei den Ärzten kein Thema mehr. Es ginge sowieso auch nur in Kooperation mit den Ärzten."

Leerstände in der Altstadt

Daniela Baumann: "In der Altstadt sollten wieder mehr Betriebe angesiedelt werden, auch die VHS bräuchte dringend Räume. Die Verschönerung der Gebäudefassaden läuft ja schon gut. Aber die Garagen beim Postsaal sollten endlich abgerissen werden, die sind ein Schandfleck."

Karl Schleid: "Es tut sich inzwischen tatsächlich einiges in der Altstadt, auch wenn die Investoren oft Auswärtige sind. Wir müssen aber verstehen lernen, dass nicht in jedes alte Geschäft wieder ein neues hineinkommen wird. Die Altstadt kann auch anders wiederbelebt werden. Wir müssen dieses Negativdenken wegbringen, dass die Stadt nicht mehr das ist, was sie mal war. Das ist auch kein spezifisches Trostberger Problem."

Nina Boxhammer: "Die Zeiten einer florierenden Einkaufsstadt sind vorbei, aber es ist deshalb noch nicht trostlos. An Gastronomie, Kultur oder Dienstleistungen wird viel in der Altstadt geboten, auch als Wohnlage ist es schön. Wir müssen nur an einigen Stellschrauben drehen: Ein Aufzug oder eine Verkehrsberuhigung zum Beispiel. Man muss keine Angst vor weniger Parkplätzen haben.

xe

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