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Wie läuft die Produktion im Detail?

Landwirte werden zu „Filmstars“ und Lehrern - Kinopremiere in Trostberg

Landwirte werden zu „Filmstars“ und Lehrern - Kinopremiere in Trostberg
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Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Chiemgau GmbH (rechts), im Gespräch mit Matthias und Pia Brandstätter vom Geflügelhof in Langmoos bei Traunstein.

Der Ukrainekrieg und drohende Hungersnöte durch ausfallende Weizenlieferungen haben den Wert regionaler Lebensmittelerzeugung unterstrichen. Einen wichtigen Beitrag dazu liefern Landwirte aus dem Chiemgau und Rupertiwinkel.  Doch wie läuft die Produktion dort im Detail ab?

Trostberg - Die Wirtschaftsförderung der Chiemgau GmbH nutzte die Zeit der Corona-Pandemie, um diese Frage in drei Lehrfilmen für Grundschulen didaktisch umzusetzen.

Geschäftsführerin Dr. Birgit Seeholzer: „Während der Pandemie war es nicht möglich, dass Schüler wie davor bei Projekttagen auf dem Bauernhof regelmäßig Einblick in die Landwirtschaft bekommen. Deshalb wollten wir in Kooperation mit der Kreisgruppe des Bayerischen Bauernverbands und dem Schulamt in Traunstein kindgerecht und zeitgemäß im Film zeigen, wie auf Höfen direkt vor der Haustür regionale Lebensmittel produziert werden.“ Zu sehen sind Beispiele aus den Bereichen Geflügelhaltung, Bio-Gemüseanbau und klassische Milchwirtschaft

Im Rahmen einer Filmpremiere im Trostberger Stadtkino wurden jetzt die rund 15-minütigen Langfassungen der drei Filme rund 120 Schülern und Schülerinnen der dritten und vierten Klassen von zwei örtlichen Grundschulen vorgestellt. Die nutzten die Gelegenheit rege, mit Fragen an die anwesenden „Stars“ der Filme Hintergründe und Zusammenhänge genauer zu erkunden.

Bereits im Vorfeld waren die Kinder miteingebunden, um die Filme möglichst passend für die Zielgruppe aufzubereiten. Doris Wagnerberger, Lehrerin an der Grund- und Mittelschule in Chieming, hatte in Interviews zum Thema Lebensmittelerzeugung und Wirtschaften auf dem Bauernhof erkundet, welche Fragen die Kinder am meisten interessieren. Diese wurden dann passend in die Gespräche eingebaut.

Mit gespannter Erwartung verfolgten auch die Landwirte selbst die Premiere der Filme, in denen ihre Betriebe vorgestellt wurden. Michael (38) und Pia Brandstätter (41) haben 2014 den bereits seit 1914 bestehenden Geflügelzuchtbetrieb in Langmoos bei Traunstein übernommen. Rund 2.000 Legehennen, 3.000 Masthähnchen und die Mast von Pinzgauer Ochsen liefern die Grundlage des Vollerwerbsbetriebs. Dank dreiwöchigem Leerstand der Ställe zwischen Säuberung und Neubesatz kommt der Betrieb ohne Antibiotikaeinsatz aus. Zusammen mit gentechnikfreier Futterproduktion, viel Freilauf für die Tiere und eigener, stressfreier Schlachtung sowie Direktvermarktung und Automatenverkauf erzielt das Ehepaar eine hohe Fleischqualität und gute Preise.

Rund 120 Schülerinnen und Schüler aus der dritten und vierten Klasse von zwei örtlichen Grundschulen be-gleiteten die Filmpremiere im Trostberger Stadtkino mit intensiven Fragen. 

„Es ist wichtig, dass Kinder genau wissen, wie regionale Lebensmittel erzeugt werden und nicht nur das abgepackte Schnitzel und die Milchtüte im Discounter kennen“, erklärte Schulamtsdirektorin Monika Tauber-Spring. Der Beitrag der Schüler könne ein wichtiger Baustein für veränderte Einkaufsgewohnheiten in der Familie sein. Der neue Lehrplan PLUS „Alltagskompetenzen - Schule fürs Leben“ ziele darauf ab, mehr Bewusstsein und Wertschätzung für die Bedeutung der Landwirtschaft zu vermitteln.

Auch beim Film über den „Bio-Michi“, Michael Steinmaßl aus Kirchanschöring, staunten die Kinder. Der 35-jährige Gemüsebaumeister und Vater von vier Kindern hat ab 2006 den Nebenerwerbs-Milchviehbetrieb der Eltern schrittweise in einen Öko-Gemüsebaubetrieb im Vollerwerb umgewandelt. Mehr als 50 Sorten werden auf rund zehn Hektar angebaut. Allein 16 verschiedene Tomaten gibt es hier. „Durch gezielte Direktvermarktung unter anderem im eigenen Bio-Laden ist die Wertschöpfung auf kleiner Fläche wesentlich besser als bei der Milch“, erklärt er.

Wichtig ist dem Gemüsebauer neben der Artenvielfalt die Bodenaufwertung durch ausgewogene Fruchtfolgen und den Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz. „Mit Blick auf nachhaltige Bodenbewirtschaftung und die nachfolgenden Generationen setzen wir Nützlinge und mechanische Verfahren gegen Unkraut ein“, klärt der Bio-Michi im Film auf.

Die Liebe zur Landwirtschaft war auch bei Theresa Helminger (25) stärker als der erlernte Beruf als Industrie-Mechatronikerin. Im Film stellte die Landwirtschaftsgesellin den klassischen Milchvieh-Betrieb ihrer Eltern, den Eglseer-Hof in Wonneberg, mit 80 Milchkühen samt Nachzucht vor. Detailliert wird die Aufzucht der Kälber mit immunstärkender Muttermilch („Biestmilch“) gezeigt, der Einsatz des Melkroboters, die Überwachung der Herde am Computer sowie die Fütterung im Offenstall.  Theresas Vaters Sepp stellt im Film die Bedeutung einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung in der Landwirtschaft für den Schutz des Klimas und der Kulturlandschaft heraus. „Es ist das Leben mit den Tieren und der Natur im Sinne einer lebendigen Kreislaufwirtschaft, die mich erfüllt“, schildert Theresa ihre Motivation für die Rückkehr auf den elterlichen Bauernhof.

Nähere Infos gibt es im Internet unter www.regionaltag-traunstein.de/tipps-tricks, Tel. 0861 – 58 7100 oder E-Mail: wifoe@traunstein.bayern.

Deutlich bewegt von den Szenen im Film, wollen die Schülerinnen und Schüler bei der Filmpremiere mehr wissen. Detailliert fragen sie nach Traktortechnik, Jungpflanzeneinsatz, Kälbernachwuchs oder Riesentomaten. In Kooperation zwischen Schulamt und Chiemgau GmbH sollen die Lehrfilme zur Landwirtschaft in allen Schulen des Landkreises und über die Region hinaus abrufbar seien.

Axel Effner

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