Plötzlicher Asbest-Fund, Baustopp und Kostenexplosion

„Ein Saustall hoch 3“: Trostbergs Stadtrat brodelt wegen „gefälschtem Gutachten“

Weil Fördergelder niedriger ausfielen als zugesagt und nun Asbest gefunden wurde, haben sich die Sanierungskosten an der Traunsteiner Straße für die Stadt Trostberg inzwischen verdoppelt. Rund 800.000 Euro muss man stemmen.
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Weil Fördergelder niedriger ausfielen als zugesagt und nun Asbest gefunden wurde, haben sich die Sanierungskosten an der Traunsteiner Straße für die Stadt Trostberg inzwischen verdoppelt. Rund 800.000 Euro muss man stemmen (Archivbild).

Trostberg - Der Stadtrat kochte: Weil bei der Sanierung an der Traunsteiner Straße nun plötzlich Asbest auftauchte, steigen die Kosten weiter - vor allem ein Gutachter geriet in die Schusslinie.

Nichts geht mehr an der Traunsteiner Straße 4 bis 10 in Trostberg. Weil bei den Sanierungsarbeiten an den alten Häusern giftiger Asbest zum Vorschein kam, wurde ein Baustopp verhängt. Auf der Stadtratssitzung am Mittwoch, 30. September wurde außerdem bekannt, dass der Baustopp bereits seit Mai gilt. Bürgermeister Karl Schleid und einige Stadträte waren stinksauer: Denn bei den ersten Untersuchungen vor drei Jahren war von Asbest noch keine Rede, nun habe der selbe Schadstoffgutachter "plötzlich" Asbest gefunden.


Asbest-Fund an Traunsteiner Straße in Trostberg

Traue keinem Gutachten, das du nicht selbst gefälscht hast", entfuhr es Schleid. Und SPD-Stadtrat Hans-Michael Weisky war sich sicher: "Das ist eine Ausrede des Gutachters. Er hat damals einfach nicht gescheit hingeschaut." 96.000 Euro muss die Stadt nun zusätzlich allein für den Abbruch des kontaminierten Materials zahlen - die Kosten für die teure Entsorgung sind dabei noch nicht enthalten. Das Asbest wurde in Bodenbelägen, Putz, Spachtelschichten und unter der Dachpappe gefunden.


Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid zeigte sich im Stadtrat ungehalten über die Entwicklungen der letzten Monate hinsichtlich der Sanierungen an der Traunsteiner Straße.

Bürgermeister Schleid war kaum zu halten: „Ich habe mir schon überlegt, die Häuser einfach zusammenfallen zu lassen. Aber wir müssten die Stoffe trotzdem entfernen, jetzt können wir nicht mehr zurück.“ Warum der Schadstoffgutachter nicht schon früher auf das Asbest aufmerksam wurde? „Asbest am Dach oder in der Spachtelmasse sei erst in den letzten Jahren in den Mittelpunkt gerückt, sagte er. Das ist lächerlich und eine richtige Watschn für uns", so der Bürgermeister. Einige Stadträte sprachen sich offen für einen endgültigen Baustopp und einen Abriss aus.

Kosten für die Stadt haben sich inzwischen verdoppelt

Besonders ärgerlich: Das alte Schadstoffgutachten war für die Stadt mitentscheidend, ob man die Häuser abreißt oder sich eine Sanierung noch lohnt. Doch nun, wo die Arbeiten längst begonnen hatten, ist es zu spät. Und möglicherweise taucht im weiteren Verlauf noch mehr Asbest in den Häusern auf. „Das ist eine Katastrophe. In der Schule hätte der Gutachter die Note 6 bekommen“, so Michael Zenz (CSU) und sein Fraktionskollege Hannspeter Fenis sprach von einem „Saustall hoch 3“.

Die Kosten für die Stadt werden dabei höher und höher: Ursprünglich ging man von einem Eigenanteil von rund 400.000 Euro aus. Doch dann fiel der zugesagte Förderbetrag des Freistaats um 300.000 Euro niedriger aus, den die Stadt nun zusätzlich stemmen muss, und jetzt kommen noch mindestens 96.000 Euro wegen der Asbestfunde oben drauf. Grund für die geringeren Fördergelder des Freistaates: der stabile Trostberger Haushalt mit niedriger Pro-Kopf-Verschuldung. „Das hat man davon, wenn man gut wirtschaftet. Ich bin ziemlich angefressen", ärgerte sich Bürgermeister Karl Schleid.

Nach Sanierung „SozialRaum Trostberg“

Die Stadt hatte die maroden Häuser vor einigen Jahren gekauft, um die Situation an der B299-Ortsdurchfahrt zu verbessern. Nach langen Verhandlungen und Debatten, ob ein Abriss möglich ist, entschied man sich für eine Sanierung. Gemeinsam mit dem Landratsamt sollen die sanierten Häuser als soziales Begegnungs- und Beratungszentrum genutzt werden - der "SozialRaum Trostberg", der bisher noch am Vormarkt beheimatet ist. Anfang November vorigen Jahrs war Spatenstich. Ursprünglich sollten die Gesamtkosten bei gut 3,1 Millionen Euro liegen.

Asbest ist im Abfallverzeichnis als „gefährlicher Stoff“ vermekt und darf seit 1993 nicht mehr verbaut werden. Der Umgang mit Asbest ist in technischen Vorschriften genau geregelt (TRGS 519). Bei unsachgemäßem Umgang verteilen sich die giftigen Fasern in der Luft und können sich auf der Kleidung festsetzen. Die unsichtbaren Asbestfasern können sich in der Lunge verhaken und eine Asbestose-Krankheit verursachen, die im schlimmsten Fall zu Lungenkrebs führt. Daher musste an der Traunsteiner Straße in Trostberg mit einem sofortigen Baustopp reagiert werden.

xe

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