Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Geschichte einer Trostberger Auswanderin

Burnout im Paradies - „Unser eigener Erfolg war unser Grab“

Alexandra Knoppiens Geschichte vom Auswandern in Indonesien
+
Alexandra Knoppien und ihr Mann John bei der Eröffnungsfeier ihres Ressorts auf der indonesischen Insel Gili Air. Die traditionelle Kleidung hatten sie des Spaßes wegen von Nachbarn ausgeliehen.

Ein paradiesisches Leben auf einer tropischen Insel - Alexandra Knoppiens Traum wurde Wirklichkeit. Doch mit der Zeit erkannte sie, dass nicht alles Gold ist, das glänzt. Die Geschichte einer Trostbergerin, die am Ende der Welt das Glück suchte und schließlich in Bayern fündig wurde.

Trostberg - Ende Februar in Bayern: Schneeregen im Wechsel mit Sonne, ein kalter Wind pfeift ums Hauseck. „Mir persönlich sind die Winter in Deutschland zu lange“, erklärt Alexandra, während sie sich die Hände an ihrer Kaffeetasse wärmt. Wir treffen die 42-Jährige in einem kleinen Café im Herzen von Trostberg.

An Schnee und Eis musste sich sich erst wieder gewöhnen, schließlich lebte sie fast 20 Jahre lang auf einer tropischen Insel. „Ich wollte schon immer ins Ausland“, beginnt sie die Erzählung ihres persönlichen Abenteuers. Einem Abenteuer, das in einer mentalen Sackgasse endete. Doch dazu später mehr.

„Wir lebten auf den indonesischen Inseln von der Hand in den Mund“

Alexandra wuchs international auf, ihre Mama Deutsche, ihr Papa Niederländer. Mit ihrer Schwester, die inzwischen in Australien wohnt, verbrachte sie ihre Kindheit in Trostberg. Für sie stand nach der Hotel-Ausbildung allerdings fest, dass es sie nicht in Bayern hält. Mit ihrem damaligen Freund und jetzigen Mann John aus England wagte sie den Auswander-Traum.

Tauchen im indischen Ozean und dabei die exotische Tierwelt erkunden: Diesen Traum lebten Alexandra Knoppien und ihr Mann viele Jahre auf der Insel Gili Air.

„Mein Mann arbeitete immer wieder als Tauchlehrer, ich hatte Erfahrungen in der Hotelbranche. So verschlug es uns nach Südostasien - zunächst nach Ko Samui, dann auf die größte und am meisten erschlossenste der drei Gili-Inseln vor der Nordwest-Küste von Lombok in Indonesien, Gili Trawangan“, erzählt Alexandra.

„Dort lief es super, doch wir lebten von der Hand in den Mund. Auf Dauer aber funktioniert das nicht. Wir haben regelmäßig unsere Pläne überdacht und im Rahmen der Überlegungen stand immer wieder die Selbstständigkeit im Raum. Nach Europa zurückzukehren kam zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht in Frage“, betont Alexandra.

„Wir lebten auf einer Trauminsel in einer Art Traumwelt“

„Wir haben hin und her überlegt, bis mein Mann plötzlich meinte, wir könnten doch eine Tauchschule in Gili Air eröffnen. Es war der richtige Ort und die richtige Zeit. Also machten wir Nägel mit Köpfen.“

Das war im Jahr 2008. Im Laufe der Zeit errichteten die beiden ein ganzes Tauchressort, „Manta Dive“. In jeder Regenzeit entstanden neue Bungalows auf der zweitgrößten der insgesamt drei Gili-Inseln in der Balisee vor der Küste der indonesischen Insel Lombok.

Bungalow-Bau auf Gili Air: Das Tauchressort von Alexandra und ihrem Mann John wuchs auf der indonesischen Insel.

Wir lebten auf einer Trauminsel in einer Art Traumwelt. Das Meer an die 30 Grad und nur wenige Meter entfernt, die Temperaturen je nach Trocken- oder Regenzeit zwischen 30 und 40 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit, exotische Früchte, eine blühende Flora und vielfältige Tierwelt. Wir schlossen schnell Freundschaften mit den Insulanern und bauten Bindungen zu unseren Gästen auf, von denen viele jedes Jahr wiederkamen“, fährt Alexandra fort.

Auf einmal Asienmüdigkeit und Schlafprobleme

Die perfekte Welt? Ein Trugschluss, wie sich herausstellte, denn auf der 173 Hektar großen Insel setzte bei Alexandra irgendwann die Asienmüdigkeit ein. Dazu rund um die Uhr erreichbar sein für die Arbeit führte dazu, dass sich bei der Trostbergerin massive Schlafprobleme einstellten.

„Das war ein schleichender Prozess und ich tendierte zunächst dazu, meine psychische Gesundheit zu ignorieren. ‚Burnout im Paradies, das gibt‘s doch nicht‘, redete ich mir selbst ein.“

Als schließlich auch bei ihrem Mann Zweifel ob der heilen Welt aufkamen, musste sich Alexandra eingestehen, dass es ihr zu viel wurde. Sie fühlte sich „gefangen im eigenen Paradies“, von dem sie nicht weg könne. Flucht ausweglos.

Spaß im Meer mit den Einheimischen: Doch ganz so unbeschwert wie auf diesem Bild gestaltete sich Leben und Arbeiten auf Gili Air nicht.

Burnout kennt hier keiner, die Menschen leben ja im Paradies, da wird man nicht einfach so krank. Krankenhäuser sind dort in keinster Weise mit deutschen Kliniken zu vergleichen - sofern medizinische Versorgung überhaupt vorhanden ist. Das ist die dritte Welt. Und die Insulaner haben eine ganz andere Mentalität als wir Europäer.“

Alexandra wollte nicht gleich aufgeben: „Es war ja immer mein Traum, im Ausland und am liebsten auf einer tropischen Insel ein Leben aufzubauen. Und anfangs lief alles perfekt, wir lebten mitten im Ressort unserer 24 Bungalows, stellten Manager ein, wollten unser ‚Baby‘ pushen und finanzierten damit unseren Lebensunterhalt. Rein geschäftlich gesehen eine super Entwicklung. Doch es kam der Tag, an dem wir nicht mehr abschalten und Berufliches von Privatem trennen konnten. Unser eigener Erfolg war unser Grab.

Von der indonesischen Insel zurück in den Chiemgau

Plötzlich sei der Wunsch nach Sicherheit da gewesen, schildert Alexandra weiter. Den beiden Auswanderern war bewusst, dass sich etwas ändern musste. Durch den Anstoß einer Freundin aus Schnaitsee rückte Deutschland wieder in die nähere Wahl. „Dass es ausgerechnet wieder Trostberg wurde, ergab sich zufällig. Im Chiemgau fühlen wir uns wohl, können als Outdoor-Fans hier viele Aktivitäten unternehmen, es hat sich richtig angefühlt.“

Das war Anfang 2017. Alexandra suchte sich professionelle Hilfe, um den Burnout in Griff zu bekommen und sich wieder zu festigen. In Bayern lief es für das Paar gut, dank der Manager ging der Betrieb im Ressort parallel auf der Insel weiter.

Das Tauchressort „Mante Dive“ auf der indonesischen Insel Gili Air.

„Dann bebte am 5. August 2018 die Erde und hinterließ eine Schneise der Verwüstung auf Gili Air, die Leute wurden massenweise evakuiert“, erinnert sich Alexandra mit gesenktem Kopf. Zu dem Zeitpunkt befanden sie sich in Bayern.

„Das war sehr schlimm für mich, auch wenn ich mich so gut es ging von der Tauchschule distanziert hatte. Zu sehen, dass unser Traum, den wir aufgebaut haben, in Schutt und Asche liegt, brach uns das Herz. Dazu die Vorstellung, dass die Einheimischen nun mit Kind und Kegel vor dem Nichts standen - schrecklich.“

Der Traum vom Auswandern und die Rückkehr festgehalten in einem Buch

Dank Crowdfunding und Spenden konnte das Ressort zwar peu à peu wieder aufgebaut werden, doch dann kam Corona. Seit März 2020 hat wohl kein Tourist mehr die Insel gesehen. Für Alexandra eine Chance, endgültig abzuschließen und in Bayern Fuß zu fassen. Sie und ihr Mann sind noch immer Inhaber des Ressorts, dank Businessmanagern vor Ort.

Ihre Erfahrungen in Indonesien hat Alexandra in einem Buch niedergeschrieben - auch als Aufarbeitung für sie selbst in einer Art Selbsttherapie. „Burnout im Paradies“ lautet der Titel.

„Ich wollte nie ein Buch schreiben, ich bin keine Autorin. Doch wie so oft kommt unverhofft oft. Nun sehe ich die Sache mit anderen Augen und es geht mir gut mit der aktuellen Situation. Es war nicht alles schlecht im Paradies, es gab auch coole Zeiten und durch die Erfahrungen im Ausland schätze ich das, was ich habe, viel mehr“, schließt Alexandra ihre Ausführungen.

Nach einer kurzen Pause betont sie zum Schluss: „Und wenn es nur zwei Leute lesen, die sich in meine Erzählungen hineinversetzen oder auch kurz vor einem Burnout stehen und durch mein Buch eine Möglichkeit finden, der Abwärtsspirale zu entfliehen, dann hat es sich für mich doppelt gelohnt.“

mb

Kommentare