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Trostberger Firma beantragt Erhöhung und Verlängerung

„Alzchem“-Abwasser im Alzkanal - Zeichnet UVA „Worst-Case“-Szenario?

Alzchem Alz Wehrbau Trostberg
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Der Wehrbau trennt Alz von Alzkanal und befindet sich direkt neben dem Gelände der „Alzchem“. Die Firma beantragt nun eine gehobene (Anschluss-)Erlaubnis für das Einleiten von gereinigtem Abwasser aus der betriebseigenen Abwasserbehandlungsanlage (ZABA) in den Alzkanal. Das stößt den Mitgliedern des UVA sauer auf.

Leitet die Trostberger Firma „Alzchem Group AG“ Schadstoffe in die Alz ein - sogar mehr als erlaubt? Der UVA kritisiert eine von der Chemiefirma beantragte Verlängerung und Erhöhung der Einleitungserlaubnis von Abwasser in den Alzkanal. Was ist dran an den Vorwürfen?

Trostberg - Zusammengefasst geht es um Folgendes: Die Firma „Alzchem Group AG“ beantragte beim Traunsteiner Landratsamt eine gehobene (Anschluss-)Erlaubnis für das Einleiten von gereinigtem Abwasser aus der betriebseigenen Abwasserbehandlungsanlage (ZABA) in den Alzkanal.

Das Ganze soll über einen Zeitraum von weiteren 20 Jahre genehmigt werden. Zudem soll die Abwassermenge von bisher 250 auf 400 Kubikmeter pro Tag erhöht werden.

Schwere Vorwürfe seitens des Umweltschutzverbands Trostberg

Der Antrag lag bis Anfang Oktober in der Stadtverwaltung Trostberg öffentlich aus. Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung kritisiert im Rahmen der Einwände das Vorhaben der Trostberger Firma scharf. Insbesondere würde die Firma „gegen geltendes Recht verstoßen“.

Die Erhöhung der Abwassermenge - so der UVA - könnte wohl auch eine sechzigprozentig erhöhte Einleitung von Schadstoffen, darunter Schwermetalle wie Quecksilber oder Cadmium, ins Alzwasser mit sich bringen.

Die Stellungnahme der Firma „Alzchem“:

Im Rahmen des laufenden Genehmigungsverfahrens, das sich derzeit noch in Prüfung befinde, habe die „Alzchem“ den Behörden eine „ausführliche fachliche Stellungnahme“ zu den Einwendungen des Umweltschutzverbandes vorgelegt, versichert Andrea Lochner im Namen der Firma.

Aus Sicht der „Alzchem“ seien „alle für das Vorhaben einschlägigen gesetzlichen Vorgaben“ - wie aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG), der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), der Oberflächengewässerverordnung (OGewV) und der Abwasserverordnung (AbwV) - beachtet worden.

„Ansonsten könnten wir auch nicht damit rechnen, eine erneute Einleiterlaubnis zu bekommen“, sagt Lochner und erklärt weiter: „Dass eine höhere als die bisherige Einleitmenge beantragt wurde resultiert aus Produktionssteigerungen, die naturgemäß auch zu mehr Abwasser führen.“

UVA-Argumente gestuft auf „Worst-Case“-Szenario

„Die angegebene sechzigprozentige Erhöhung entspricht dem aus einer Umweltschutz-Perspektive denkbar ungünstigsten Szenario - nämlich der maximalen Menge bei gleichzeitig maximalen Konzentrationen. Dieses ‚Worst-Case‘-Szenario wird nur für die Prognose der theoretisch maximalen Auswirkungen herangezogen. Es entspricht nicht dem tatsächlich geplanten Einleitbetrieb, der im Durchschnitt sehr viel niedriger liegt.“

Nach der Abwasserverordnung müssten Einleitungen von Schwermetallen, zu denen Cadmium und Quecksilber gehören, grundsätzlich immer begrenzt werden. „Tatsächlich ist in dem von uns über die ‚Zentrale Abwasser-Behandlung‘ (ZABA) in die Alz eingeleiteten Abwasser gemäß den amtlichen Analyseverfahren weder Quecksilber noch Cadmium nachweisbar“, unterstreicht die Pressesprecherin der Firma.

Schutz für Fische und Untersuchungen in der Alz

Für die beantragte Einleitung sei ein ausführliches gewässerökologisches Gutachten eines unabhängigen Fachgutachters erstellt worden - als Bestandteil der von „Alzchem“ bei der Behörde eingereichten Antragsunterlagen.

„Das Gutachten umfasst den Bereich von der Einmündung der Traun in die Alz bis zur deren Mündung in den Inn sowie den Alzkanal. Es kommt zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass selbst für das dargestellte ungünstigste Szenario die beantragte Einleitung keine negativen Auswirkungen auf die Gewässerökologie und die Fischfauna hat“, untermalt Lochner.

Die Alz in Trostberg fließt direkt neben dem Betriebsgelände der „Alzchem“.

„Klare gesetzliche Vorgaben“ - geprüft von Fachbehörden

Die Erteilung einer wasserrechtlichen Einleitung aus Industriebetrieben unterliege „klaren gesetzlichen Vorgaben“. Sie müsse immer von Fachbehörden wie dem Gesundheitsamt, dem bayerischen Landesamt für Umwelt und der Naturschutzbehörde geprüft und genehmigt werden.

Die Firma verstoße damit nicht - wie der UVA meint - gegen geltendes Recht, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamts Traunstein. Eine womöglich bedenkliche Einleitung werde durch diesen vordefinierten rechtlichen Prozess verhindert.

Höhere Abwassermenge, höhere Reinigungsanforderungen

Pressesprecher Michael Reithmeier bestätigt, dass mit dem seitens der Trostberger Firma künftig gerechneten Plus an Abwasseranfall bei der „ZABA“-Anlage auch mehr Abwasser in der betriebseigenen Kläranlage gereinigt wird. Daher müsse das gereinigte Abwasser trotz der Mehrmenge den Reinigungsanforderungen entsprechen.

So dürfe zum Einen nur eine bestimmte Menge von einem Stoff in einem Liter Abwasser enthalten sein und zum Anderen auch die festgelegte tatsächliche Menge des Stoffes, die sich im Abwasser befindee, bei der Alz-Einleitung nicht überschritten werden.

Erhalt und Sicherstellung des guten Gewässerzustands seien bei der Entscheidung über die Einleitung durch die Wasserrechtsbehörde maßgeblich. So bleibe garantiert, dass die Trinkwasserqualität aus den Versorgungsanlagen im Umfeld der Abwassereinleitung nicht beeinträchtigt wird.

Künftig sogar weniger Belastung in der Alz?

Als Maßzahlen für die Schmutzstoffbelastung im Abwasser werden verschiedene Kenngrößen herangezogen:

  • Der sogenannte CSB-Wert (chemischen Sauerstoffbedarf) gibt an, wie viel Sauerstoff benötigt wird, um nahezu alle organischen Verbindungen - beispielsweise auch die schwer abbaubaren wie Pflanzenschutzmittel - durch die Reaktion mit dem Sauerstoff (Oxidation) abzubauen.
  • Der TOC-Wert (Total Organic Carbon) gilt als Maß der Verunreinigung durch organische Substanzen. Die Anzahl der bekannten verschiedenen organischen Verbindungen wird auf circa 40 Millionen geschätzt. Dies allein deutet darauf hin, wie wichtig der Parameter ist, nachdem er eine solch enorme Anzahl an Substanzen in sich vereint. 
  • Der TOC-Wert kennzeichnet also zusammen mit dem CSB-Wert die Belastung eines Gewässers mit organischen Stoffen.

Zukünftig wird Reithmeier zufolge voraussichtlich für beide Werte die maximal zulässige Konzentration gesenkt. Diese Senkung sei dann „so signifikant, dass sich trotz der zukünftig höheren Abwassermenge die Gesamtmenge im Alzkanal verringert“. Auch für den Nickelwert werde die maximal zulässige Konzentration gesenkt. Das Gewässer würde somit sogar weniger belastet. 

 mb

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