Bilanz des Trostberger Stadtrats zum Schneechaos 

Kritik an schimpfenden Bürgern: "Passe ich mich eben ans Wetter an" 

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Schneemassen im Chiemgau Anfang des Jahres. 
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Trostberg - Das Schneechaos Anfang des Jahres hielt die Region auf Trab. In der ersten Sitzung des Stadtrats Ende Januar zogen die Räte um Bürgermeister Schleid Bilanz - es fielen auch Worte der Kritik. 

Auch Trostberg hatte mit Schneemassen zu kämpfen - wenn auch mit nicht so massiven wie der Süden des Landkreises. Doch alleine die Bauhofmitarbieter der Stadt hätten im Zeitraum von 4. bis 18. Januar 1.905 Arbeitsstunden geleistet, um den Schnee in den Griff zu bekommen. 

Bürgermeister Karl Schleid würdigte die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer - gerade auch die der Handräumtrupps, die "wahre Knochenarbeit" geleistet hätten sowie die der Räumfahrdienste, die beinahe rund um die Uhr im Einsatz gewesen seien, um die Straßen passierbar zu halten. 

Unverständnis für beleidigende Worte mancher Bürger 

Chronologie: So dramatisch war das Schneechaos in der Region

Insgesamt habe sich laut Schleid gezeigt, dass in einer Notsituation zusammengestanden wird. Doch neben dem Dank und dem "Vergelt's Gott", das Schleid zum Ausdruck brachte, hatte er auch einige kritische Worte in petto: "Was mich bisserl frustriert hat war die Tatsache, wie einige Bürger mit den Einsatzkräften umgingen. Das war zum Teil gschert und beleidigend, hier sollte dringend am Anstand gearbeitet werden. Wie mit manch Einzelnen umgesprungen wurde, das kann ich nicht dulden." 

Am im Rathaus eingerichteten Nottelefon für besorgte Bürger habe der Bürgermeister nicht nur nette Anfragen sondern auch manch unverschämten Anruf entgegengenommen, der bei Schleid für Kopfschütteln und Unverständnis sorgte. 

Dass ihn das ärgere, hat Schleid auch schon bei der Bilanz von Landrat und Kreibrandrat vergangene Woche zum Ausdruck gebracht.

Ernst Schilder (SPD) kann die Schilderungen des Bürgermeisters unterschreiben, auch er habe einige unschöne Anrufe erhalten: "Ich möchte mich dem Dank und Lob an die Einsatzkräfte anschließen, nichtsdestotrotz aber nicht außen vor lassen, dass gerade in den sozialen Medien wie Facebook teilweise Kommentare kursierten, die weit unter der Gürtellinie waren. Zu schimpfen nur weil einer seine Zigaretten nicht kaufen kann, weil die Wege nicht geräumt sind - so geht es ja wirklich nicht." 

Geteilte Meinung auch über Biathlon-Austragung 

Die Wetterbedingungen hätten sich laut Schilder inzwischen schlichtweg geändert - im Sommer zu extremer Hitze und nun zu massivem Schneefall im Winter. "Die Frage, die wir uns für die Zukunft stellen müssen, ist wie wir uns darauf einstellen", sagte Schilder und warf abschließend noch in den Raum: "Ob man im Katastrophenfall dann eine Veranstaltung wie den Biathlon-Weltcup durchführen muss, darüber gehen die Meinungen auseinander." 

Bürgermeister Schleid erklärte zur Diskussion Für und Wider Biathlon-Austragung in Ruhpolding: "Ich bin mir sicher, für die vielen Ehrenamtlichen, die sich seit Monaten auf die Veranstaltung vorbereitet haben, wäre eine Absage frustrierend gewesen - und auch den finanziellen Aspekt darf man nicht außen vor lassen." 

"Wir können das Wetter nicht machen" 

Franz Xaver Obermayer von den Freien Wählern betonte, man solle nicht von einer Katastrophe reden, es sei eben mehr Schnee gefallen als in den vergangenen Jahren. "Was ich jedoch nicht verstanden habe, dass sich die Leute nicht auf die Witterungsbedingungen und die aktuelle Situation eingestellt haben - ich kann bei solchen Schneemassen nicht wie im Sommer Autofahren oder zum Ski fahren gehen. Dann passe ich mich eben ans Wetter an. Gott sei Dank können wir das noch nicht machen und beeinflussen." 

Zusammenhalt in brenzligen Situationen von Bedeutung 

Grünen-Stadtratsabgeordnete Marianne Penn sagte, auch der intelligent gesteuerte Winterdienst könne nicht überall gleichzeitig sein. "Jeder Verkehrsteilnehmer muss eben umsichtig sein - ich toleriere Beschimpfungen überhaupt nicht, es ist wichtig, dass ein Zusammenhalt ersichtlich wird und man einander hilft, wenn es brenzlig wird. Das hat auch im Großen und Ganzen gut geklappt in den letzten Wochen." 

Fraktions-Kollege Peter Kirchgeorg ergänzte, es gebe grundsätzlich intelligente und weniger intelligente Leute, was ihn besonders freue, sei die Tatsache, dass auch die Asylanten freiwillig zur Schaufel gegriffen hätten. 

CSU-Fraktionssprecher Hannspeter Fenis war abschließend der Meinung, es gebe immer welche, die schimpfen und Robert Liedl (SPD) erklärte, er habe sehr viel Positives aber auch Negatives erlebt: "Bevor mir alle mit Beschwerden in den Ohren liegen oder schimpfend aus dem Fenster sehen, sollen sie doch selber die Schaufel in die Hand nehmen und mithelfen." 

mb 

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