Auf der Trostberger Bürgerversammlung 2020 im Postsaal 

"Wahlkampf"? Bürgermeister Schleid wehrt sich gegen Kritik an Neubaugebiet Nunbichl 

Bürgermeister Karl Schleid bei der Bürgerversammlung im Trostberger Postsaal am Abend des 5. Februars 2020. 
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Bürgermeister Karl Schleid bei der Bürgerversammlung im Trostberger Postsaal am Abend des 5. Februars 2020. 

Trostberg - Die Kommunalwahl geht langsam in die heiße Phase über. Selbst vor der Bürgerversammlung am Abend des 5. Februars 2020 im Postsaal machte der Wahlkampf nicht Halt. Bürgermeister Karl Schleid stand den Trostbergern geduldig Rede und Antwort - auch als es um Angriffe gegen ihn persönlich ging. 

"Ich werde dieses Thema in den kommenden Wochen noch öfter um die Ohren geschlagen bekommen", konstatierte Karl Schleid nüchtern, als sich der Fokus der Bürgerfragen und -anliegen rasch auf das Neubaugebiet Nunbichl verlagerte. 


Josef Smolik aus dem Ortsteil Mögling thematisierte die Außen- und Innenentwicklung sowie die "hitzige Debatte um Baulandausweisung in Trostberg" als Erster: Er wollte von Schleid wissen, ob es einen Grundsatzbeschluss zum Baugebiet in Nunbichl gibt, was Bürgermeister Schleid mit einem klaren "Ja" beantworten konnte. 

Smolik, der bei der Kommunalwahl am 15. März für die SPD-Liste des Stadtrats antritt, interessierte daraufhin, warum die Stadt Baulandausweisung dort trotz der Nähe zur geplanten Umfahrung "B299 neu" befürworte. Von den Fachbehörden sei das Baugebiet doch schließlich abgelehnt worden. "Darüber hinaus stellt sich mir die Frage: Wenn die Stadt das Baugebiet Nunbichl unterstützt, gibt es dann auch Grundstücksangebote im Trostberger Baulandmodell zu günstigeren Konditionen?"


Schleid erwiderte, die Stadt unterstütze deshalb, weil es immer wieder Anfragen von Trostberger Familien zu freiem Bauland gibt: "Man kann nur Flächen bebauen, auf die man Zugriff hat. Der Versuch, jemanden sein bestehendes Baurecht wegzunehmen gestaltet sich rechtlich schwierig. Auf der anderen Seite - und das muss ich in dem Zusammenhang auch einmal betonen - regt sich überall dort, wo gebaut werden dürfte - ob freies Feld oder innerörtliche Grundstücke - sofort lautstarker Widerstand."  

Bürgermeister Schleid der vierte Grundstücksbesitzer 

21 Bauparzellen sollen im Ortsteil Nunbichl auf einer Fläche von rund zwei Hektar ausgewiesen werden. Das Baugebiet betreffe, so der Bürgermeister weiter, vier Familien. Drei davon hätten einen Antrag auf Nachverdichtung gestellt. Er selbst sei der vierte Grundstückseigentümer und habe "bewusst keinen Antrag gestellt". 

Es habe zudem Voruntersuchungen, Gutachten und Ortstermine gegeben. Schleid unterstrich, nicht alle Behörden würden die bisherige Planung als negativ betrachten und widersprach somit der Aussage Smoliks, Fachbehörden hätten das Baugebiet abgelehnt. 

"In Nunbichl wurden schon viele Flächen als Baugrund ausgewiesen, ohne, dass sich dabei vermehrt Gedanken gemacht wurden - weil vorher niemand den Namen 'Schleid' trug. Als die erste Ausweisung 2016 thematisiert wurde, hat es auch keinen interessiert, weil keine Wahl vor der Tür stand. Jetzt, wo es in Richtung Kommunalwahl geht, stellt das Ganze plötzlich ein Problem dar. In meinen Augen ist die ganze Diskussion reiner Wahlkampf", erläuterte der Bürgermeister. 

Künftiger Stadtrat wird entscheiden   

An dieser Stelle schaltete sich - und das ist für Bürgerversammlungen durchaus ungewöhnlich - SPD-Stadtratsmitglied Franz Sedlmeier ein und unterstrich, das Ganze sei mitnichten Wahlkampf: Man habe 2016 den Beschluss gefasst, um den den Kindern der betroffenen Grundstückseigentümer die Möglichkeit zum Bauen zu schaffen. "Warum hätten wir das auch ablehnen sollen und den jungen Trostbergern so Steine in den Weg zu legen. Inzwischen aber entwickelt sich das zu einem Spekulationsobjekt, da für junge Familien in Nunbichl nichts zu holen ist." 

Schleid, der die Debatten an diesem Abend nicht ausdiskutieren wollte, blieb abschließend nur zu sagen: "Wir haben die Sache weiter in Bearbeitung, im Oktober 2019 haben wir das Baugebiet Nunbichl im Stadtrat zurückgestellt, weil noch Einwände zu bearbeiten waren. Wir müssen das nüchtern und neutral betrachten und der künftige Stadtrat wird über Kurz oder Lang einen Beschluss herbeiführen." 

 mb

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