Einige Grundstücke in Nunbichl im Familienbesitz von Bürgermeister Schleid

Heftige Kritik an geplantem Baugebiet: "Ich möchte dort nicht leben"

Trostberg - Die Stadt möchte neues Bauland ausweisen - eine gute Nachricht gerade für junge einheimische Familien. Doch das geplante Neubaugebiet in Nunbichl wirft eine Menge an Fragen auf. Der Stadtrat ist geteilter Meinung - nicht zuletzt deshalb, weil einige der Grundstücke sich im Familienbesitz von Bürgermeister Schleid befinden.

Etwa 21 Bauparzellen sollen im Ortsteil Nunbichl auf einer Fläche von rund zwei Hektar ausgewiesen werden. Um die Verträglichkeit der geplanten Bebauung mit der vorhandenen gewerblichen Nutzung zu gewährleisten, hat die Stadtverwaltung aufgrund schall- und erschütterungstechnischer Gutachten Auflagen und Festsetzungen in den Planungen berücksichtigt. Diese wurden dem Stadtrat in seiner Sitzung am 23. Oktober vorgelegt. 


Obwohl es eine Lärmschutzwand geben soll, störten sich viele Stadträte an der Planung für den Immissionsschutz. Ihre Befürchtung: Neben dem Gewerbegebiet befinde sich das Bauland mit circa 50 Meter Abstand zu nahe an der künftigen Ortsumfahrung der Bundesstraße 299

Scharfe Kritik von SPD, Grünen und Freien Wählern:  

Ein weiterer Knackpunkt bei dem geplanten Baugebiet: Einige Grundstücke befinden sich im Familienbesitz von Bürgermeister Karl Schleid, weswegen der erste Bürgermeister die Sitzung für diesen Tagesordnungspunkt verließ und sich vom zweiten Bürgermeister Robert Liedl vertreten ließ. Dieser wies ob der Nähe Schleids zu dem betroffenen Areal die Räte zu Beginn darauf hin, die Diskussion sachlich zu führen. 


Den Beginn machte Hans-Michael Weisky (SPD): "War zu Beginn noch von einigen wenigen Grundstücken für Wohnbebauung die Rede, so hat sich die Grundfläche für die Baugrundstücke inzwischen verdoppelt - auf etwa 20.000 Quadratmeter. In den Augen der SPD-Fraktion geht die Planung mit vielen Ungereimtheiten einher, darunter auch die Nähe einiger Bauparzellen zum bestehenden Gewerbegebiet und der künftigen Umfahrung der B299. Außerdem könnten die Lärmschutzmaßnahmen negative Einwirkungen auf unser Ortsbild haben. So können und wollen wir das nicht mittragen." 

Fraktions-Kollege Franz Sedlmeier ergänzte: "Die Parzellen werden von den Behörden äußerst kritisch beurteilt. Wir würden hier einen Präzedenzfall schaffen für künftige Baugebiete." 

Bauland dort auszuweisen "unverantwortlich"? 

Franz Xaver Obermayer, Sprecher der Freien Wähler im Stadtrat, konnte sich der Meinung Weiskys nur anschließen: "Die öffentlichen Belange zu urteilen muss wichtiger sein als privatrechtliche Dinge zu prüfen. Die Umgehungsstraße rückt bei dieser Debatte für mich in den Hintergrund - dabei ist es viel wichtiger, ihre Planung voranzutreiben. Wenn die Frage nach der Wohnbebauung aufkäme, nachdem die Umgehungsstraße schon existiere, dann hätte ich kein Problem. Zum jetzigen Zeitpunkt aber kann ich dem Baugebiet nicht zustimmen." 

Ins gleiche Horn bliesen auch die Grünen: Für Karl Heinz Boxhammer gehe das Wohl der Trostberger Bürger vor. Er wolle zum jetzigen Zeitpunkt dieser Planung in Nunbichl nicht zustimmen. "In punkto Lärm ist das Verkehrsaufkommen  gar nicht in den Planungen berücksichtigt. Und wenn wir schon ausweisen, dann doch bitte im Einheimischenmodell." 

In den Augen von Martina Knott (Grüne-Stadtratsfraktion) sei es "unverantwortlich", dem geplanten Baugebiet in 50 Meter Entfernung zur künftigen Ortsumgehung und in der Nähe des Gewerbegebiets so zuzustimmen: "Ich möchte dort nicht leben.

Grünes Licht von Seiten der CSU-Fraktion

Eine andere Meinung vertraten hingegen die CSU-Ratsmitglieder. Irmgard Leineweber sprach sich deutlich für die Ausweisung des Baugebiets aus und wetterte: "Vier einheimische Familien möchten hier bauen, dass die Schleid mit Nachnamen heißen, dafür können sie nichts. Einheimischer würde es in dem Bereich wohl nicht werden. Außerdem haben wir in der Innenstadt keine Wohnungen zur Verfügung außer wir würden enteignen. Wo sollen die Familien denn hin? Was die Umgehungsstraße anbelangt, bleibt mir nur zu sagen: Wie lange wollen wir noch warten, bis diese endlich realisiert wird?" 

Unterstützung bekam sie von Fraktionssprecher Hannspeter Fenis: "Ich bin dafür, dass der Antragsteller die Planungen überarbeitet und unsere sowie die Bedenken der öffentlichen Träger einbringt, bevor der Stadtrat eine Entscheidung fällt. Ich möchte das Projekt nicht sterben lassen. Es wäre bedauerlich, wenn junge Familien wegziehen müssten nur weil wir nicht in der Lage sind, zwei Hektar Bauland vernünftig auszuweisen." 

Entscheidung vertagt 

Dem Geschäftsordnungsantrag von Fenis zur Absetzung der Tagesordnungspunkte auf Änderung des Flächennutzungsplanes und Erweiterung des Bebauungsplanes Nummer 15 "Nunbichl" wurde mit 12 zu 10 Stimmen zugestimmt, die Entscheidung nach über einer Stunde Diskussion vertagt

mb

Rubriklistenbild: © dpa (Patrick Pleul)

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