Tunnel vs. Westumfahrung in Trostberg: Kontroverse Debatte im Stadtrat

Bürgermeister: „Wenn wir jetzt sagen, wir wollen einen Tunnel, begraben wir unsere bisherigen Planungen“

Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid zur Ortsumfahrung B299
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Bürgermeister Karl Schleid bezieht Stellung zur geplanten Ortsumfahrung B299 in Trostberg.

Trostberg - Eine hitzige Diskussion entfachte der Vorschlag des CSU-Stadtrats Markus Fröschl auf Überprüfung einer Tunnellösung. Er forderte in einem Antrag einen Stopp der aktuellen Planungen zur Westumfahrung von Trostberg. Stattdessen möchte er eine Ortskernentlastung durch den Bau eines Straßentunnels erreichen. Doch damit biss er nicht nur bei den Ratskollegen auf Granit.

Dieser Antrag Fröschls, der sich mithilfe eines Tunnels unter anderem eine flächensparende Entlastung des Ortskerns wünscht, wurde der Planungsbehörde, dem Staatlichen Bauamt Traunstein, zur fachlichen Beurteilung vorgelegt. Deren Stellungnahme fällt allerdings contra Tunnel aus, wie in der Stadtratssitzung am Mittwochabend (25. November) offenbart wurde.

Bis zu 200 Millionen Euro Gesamtbaukosten für 3,2 Kilometer langen Tunnel

Tunnelbauwerke würden ob ihrer Komplexität und der immensen Herstellungs- und Unterhaltskosten keine Planungsalternative darstellen - solange andere Lösungen in Übereinstimmung mit den geltenden Anforderungen hinsichtlich der Georisiken, der Topographie sowie der immissionsschutzrechtlichen und naturschutzrechtlichen Vorgaben möglich seien. So sei es auch im Fall des Projekts der Ortsumfahrung Trostberg, deren Planungsgeschichte bis ins Jahr 1996 zurück geht.

Die nach derzeitigem Stand zu erwartenden Gesamtbaukosten von bis zu 200 Millionen Euro für Herstellung, Betrieb und Unterhalt eines circa 3,2 Kilometer langen Tunnels stehen laut der schriftlichen Einschätzung des Staatlichen Bauamts „in keinem adäquaten Verhältnis zu dadurch erwartete Vorteile“. Aus Fröschls Antrag gehe „lediglich der abstrakte Wunsch nach einer Tunnellösung“ hervor.

Kontroverse Debatte um Für und Wider Tunnellösung

Markus Fröschl als Antragsteller verteidigte dennoch seine Idee: „Ich weiß auch, dass Tunnelbau enorm teuer ist und das Straßenbauamt grundsätzlich angehalten ist Straßen möglichst billig zu bauen - das ist politisch so gewollt. Wir sind aber aber alle dafür, unsere Lebensgrundlagen zu schonen und ressourcenschonend damit umzugehen. Wenn es in Trostberg möglich ist, nicht in leichtsinniger Art und Weise eine Trasse in die Natur zu setzen sondern eine Tunnellösung durchzuführen, so wäre es legitim und wichtig auch einmal als kleine Kommune die Hand zu heben und ein Veto einzulegen wenn Alternative bestehen - wie die mit einem Tunnel weniger Flächen zu verbrauchen.“

Unterstützung erfuhr der CSU-Stadtrat von den Grünen: Auch wenn ein Tunnel für Nina Boxhammer ein „massiver Eingriff in die Natur“ sei, der „Landverbrauch ist nicht mehr zeitgemäß. Wir sind an einem Punkt, an dem wir dringend die Verkehrswende brauchen. Wir haben Probleme mit CO2, mit Ressourcen und blicken einer Umweltkatastrophe ins Auge. Wir müssen etwas ändern, denn schnellere Straßen ziehen zusätzlich mehr Verkehr an - das ist leider so.“ Marianne Penn pflichtete ihrer Fraktionskollegin bei: „Das ist wertvoller landwirtschaftlicher Boden, den wir hier haben und ein Flächenfraß, der so nicht akzeptierbar ist.“

Mehrheit im Rat spricht sich für bisherige Planungen und gegen Tunnel-Alternative aus

Alois Kellner von den Freien Wählern zog einen Vergleich zu benachbarten Straßenbauprojekten: „Wenn wir uns den Aubergtunnel in Altenmarkt oder die Umgehungsstraße von Obing anschauen - da spricht doch nach fünf Jahren nach Fertigstellung niemand mehr darüber, wie es zur der Lösung gekommen ist. Dann zählt nur die Verkehrsentlastung und jeder ist froh, wenn in Trostberg eine Lösung kommt - ich stehe daher hinter den bisherigen Beschlüssen.“

Auch die SPD-Fraktion ist pro Westumfahrung: Hans-Michael Weisky spricht sich für den Erhalt der bestehenden Beschlüsse: „Wenn wir so weiter machen und nicht eindeutig Stellung beziehen, werden wir zweiter Sieger. Die geplante fertig festgelegte Trasse einzustampfen und wieder von vorn anzufangen bringt Trostberg keinen Schritt vorwärts.“

Bürgermeister mit eindeutigen Worten - Mehrheit im Rat gegen Tunnel-Alternative

Bürgermeister Karl Schleid (CSU) brachte es am Ende der Debatte auf den Punkt: „Das sind alles keine neue Argumente. Fakt ist: Wir müssen für unsere Innenstadt was tun und wir haben Verantwortung für Industrie, Betriebe und Mittelstand. Beides setzen wir aufs Spiel, wenn wir sagen, wir wollen neue Lösung, von der wir wissen, dass sie nicht kommen wird. Wenn wir jetzt sagen, wir wollen einen Tunnel, so ist das nichts anderes als die Verhinderung der Umfahrung - wir begraben damit unsere bisherigen Planungen.“

Man könne die Philosophie, dass es irgendwann weniger Autos geben wird, schon weiterführen, „doch das werden wir nicht erleben, unsere Kinder nicht und unsere Enkel auch nicht. Alleine wenn ich mir anschaue, wie viele Paketfahrer auch bei uns in ruhigen und abgelegenen Siedlungen herumkurven, fehlen mir die Worte. So schnell gelingt es uns nicht, das Verhalten unserer Mitmenschen zu ändern.“

„Wer sich gegen diesen Beschluss stellt, stellt sich auch gegen eine positiv-wirtschaftliche Zukunft der Stadt Trostberg. Wir werden sonst unseren Wirtschaftsstandort verlieren und das können wir uns nicht leisten“, schließt Schleid seine Ausführungen, die allen Anschein nach den Großteil der Räte überzeugt haben. Dass an der genehmigten Vorentwurfsplanung zur Ortsumfahrung Trostberg festgehalten und die Erarbeitung der Planfeststellungsunterlagen mit Nachdruck fortgeführt werden soll, dafür stimmte am Ende die Mehrheit der Ratsmitglieder. Mit 16 zu 6 Stimmen wurde der Antrag Fröschls nicht angenommen.

mb

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